Aus dem Tod entsteht Neues

Hartmut Berkowsky, Diakon St. Nikolaus Burgdorf.

Gedanken zum Wochenende von Diakon Hartmut Berkowsky, St. Nikolaus Burgdorf

„Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es reiche Frucht.“
Johannesevangelium (12, 20-33)

Tod – Sterben! Nicht wenige von uns denken: Das Leid ist ein deutliches Zeichen des Scheiterns und der Abwesenheit Gottes. Aber im Scheitern, in der Niederlage können wir lernen und gewinnen.
Jesus sagt: »Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fallt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht«.
Gott lässt uns nicht allein, auch nicht im ungelösten und unlösbarsten aller menschlichen Probleme: im Leiden. Er hat keine Theorie darüber entworfen, er leidet mit. Wenn mich etwas am christlichen Glauben überzeugt, dann ist es vor allem dies: Der Gott, an den ich glaube, geht an den offenen Wunden nicht vorbei, er trägt sie selbst, und er hat die Kraft, sie zu verwandeln.
Wenn ich Jesus richtig verstanden habe, dann sagt er doch, das Sterben sei Voraussetzung des Fruchtbringens. Dieses Bild Wort vom Weizenkorn, das stirbt und Frucht bringt, sagt damit Grundsätzliches über die Haltung Jesu aus. Er wollte nicht, dass der Mensch allein bleibt, sondern er war selbst bereit, für ihn sein Leben hinzugeben. Auch wenn es uns heute oft nicht mehr angebracht erscheint, vom »Opfer Jesu Christi« zu sprechen, es ist für mich dennoch faszinierend, dass das Christentum es wagt, Jesus ein Lamm zu nennen, das geopfert wird, das sich ganz hingibt. Seine Machtlosigkeit ist beeindruckend.
Dieses Wort vom Fruchtbringen gilt für jeden Christen. Es geht um die Frage, unter welchen Bedingungen der Mensch zu einem erfüllten Leben hinfinden kann. Wer »an seinem Leben hängt« und immer zu den Gewinnern gehören will, wer immer behauptet, recht zu haben oder die ganze Wahrheit für sich gepachtet zu haben, der wird es verlieren. Wer dagegen sein Leben in dieser Welt nicht als letzten absoluten Wert betrachtet, wer nicht einfach den Weg der Macht geht, wird es gewinnen.
Das Leben lebt vom Sich-Verschenken und Sich-Lassen. Es ist die Schule der Opfer, in der wir etwas lernen können, nicht die Schule der vermeintlichen Sieger. Ich empfehle Ihnen für die folgenden Tage bis Ostern eine Zeit der Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu Christi, und wünsche Ihnen die Freude seiner Auferstehung an diesem Osterfest.
Hartmut Berkowsky,
Diakon St. Nikolaus Burgdorf.