Auch politisches Selbstbewusstsein beim Schützenfest in Immensen

Immensens Ortsbürgermeisterin Heidrun Bleckwenn (v.l.) gratulierte Monique Kuhl (hier mit ihrem Partner Dirk Heidemüller) herzlich als Volkskönigin. (Foto: Walter Klinger)
 
Dank für unkonventionelle Hilfe in der Urlaubszeit ist auch Christine Worat und Martin Zeymer aus Großburgwedel zu sagen. Sie gehörten nicht nur zu den 23 Musikerinnen beim Großen Zapfenstreich am Ehrenmal, sondern halfen im von Cindy Mundt geleiteten Posaunenchor auch beim Zeltgottesdienst (mit fast 130 Besuchern ebenfalls ein Erfolg) aus. (Foto: Walter Klinger)

Scheidende Ortsbürgermeisterin kritisiert die Stadt Lehrte

IMMENSEN (kl). Bei der Einschätzung, das Schützenfest funktioniere hier gut (Hoppe) und sei ein Sinnbild der Dorfgemeinschaft (Bleckwenn) waren sich Lehrtes 1. stellvertretender Bürgermeister Burkhard Hoppe und Immensens Ortsbürgermeisterin Heidrun Bleckwenn noch einig. Dann aber nutzte die im September aus dem Amt scheidende Erste Bürgerin das Königsessen mit fast 200 Besuchern als Forum für harsche Kritik an der Stadt Lehrte.
Am Tag zuvor hatte die Ortsbürgermeisterin, die bei der Königsbekanntgabe privat verhindert war, Monique Kuhl als Volkskönigin proklamiert. Sie hatte ebenso wie Wilhelm Giere die Höchstzahl von 2 x 50 Ring geschossen, war im Stechen aber mit 47 Ring um drei Ring besser.
Beim Königsessen gab es dann noch eine Premiere: Erstmals konnte die Ortsbürgermeisterin als Sieger auf der Ratsscheibe mit deutlichem Abstand zu den weiteren 22 Teilnehmer/innen Andrea Dralle (Gesamtteiler 37,3) gratulieren.
In ihrer Abschiedsrede beim Königseesen hob Bleckwenn dann auf die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in Immensen ab. Hier müsse dringend etwas passieren, wolle die Ortschaft weiter attraktiv zum Beispiel auch für die Ansiedlung junger Familien bleiben. Tatsächlich zahlten die Dörfer, die eigentlich der Unterstützung der Stadt bedürften, aber die Zeche für die Entwicklung der Stadt.
Es liege wohl an der Haushaltssperre der Stadt, dass der Lehrter Bürgermeister Klaus Sidortschuk sich nicht selbst zum Königsessen nach Immensen getraut habe. Denn die Haushaltssperre torpediere die eigenständige Dorfentwicklungsplanung für Immensen, an der eigentlich alle Einwohner hätten mitwirken sollen.
Stattdessen schlage die Verwaltung im Zuge des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) die Erstellung eines Kosten sparenden gemeinsamen Dorfentwicklungsplan für die Dörferregion Immensen, Arpke und Sievershausen vor. Die Dörfer sollten sich dabei gegenseitig stützen.
Das aber sei so, als füge man zu einem alten Whiskey Rotwein oder Wasser hinzu: "Es schmeckt dann auf jeden Fall verwässert", lehnte Bleckwenn das Drei-Dörfer-Planungsinstrument ab. Immensen werde auf einem eigenen Dorfentwicklungsplan bestehen, der die Bedürfnisse der Ortschaft herausarbeiten und die Bedarfe für die städtische Unterstützung formulieren solle.
Nach 25 Jahren voller Herausforderungen in der Kommunalpolitik werde sie diese bis zum letzten Tag, aber auch die Freiheit danach genießen, sagte die scheidende Ortsbürgermeisterin. Sie freue sich über das enorme Wissen, dass sie in dieser für sie zumeist schönen Zeit erwerben konnte, den Herausforderungen müssten sich jetzt aber andere stellen . . .

D E R K O M M E N T A R:

Mit der Kritik der Immenser Ortsbürgermeisterin an der Stadt Lehrte und den Einkaufsmöglichkeiten im Ort befasst sich auch der nachstehende Kommenar:

Heidrun Bleckwenns Interpretation der eigenständigen Dorfentwicklungsplanung kollidiert mit dem Bild, dass der Rest der Stadt von Immensen hat: Dass dessen Einwohner zwar selbstbewusst immer genau wissen, was für sie selbst gut ist - sich bei Entwicklungsprojekten für die Gemeinschaft aber sonst nach Kräften gegenseitig blockieren.
Ein Fehler der bisherigen Ortspolitik war so auch das Einknicken vor einer Unterschriftenaktion des erweiterten Kiosks, der damals zwar schnell wieder schloss, aber den (vorletzten) Investor verprellte.
Dass künftig nur noch Läden in kleiner und mittlerer Größe kommen dürfen, hat die Partei der Ortsbürgermeisterin mit dem Einzelhandelskonzept der Stadt selbst beschlossen. In der Ortsmitte lassen private Grundstücksinteressen aber kaum noch diese Größe zu (worauf auch der letzte Investor das Handtuch schmiss).
Dorfläden wie in Bolzum oder Rethmar aber haben nur dann eine Chance, wenn die Mehrheit der Bürger hinter ihnen steht und dort auch zumindest einen Teil ihres Bedarfs einkauft. Ein solch einmütiges Signal der Geschlossenheit aber hat auch die scheidende Ortsbürgermeisterin nicht nach außen senden können. Wobei zweifellos hinderlich war, dass sie dem Stadtrat gar nicht angehört.
Das Drei-Dörfer-Konzept kann somit auch als eine Reaktion der Stadt auf die bisherigen Immenser (Selbst-)Blockaden gesehen werden. Lehnt Immensen seine Teilnahme unbesehen ab, könnte das zweifelsohne schöne Dorf - wie bisher - in Sachen leistungsfähigem Einzelhandel (und anderer Entwicklungsplanung) allerdings auch weiter leer ausgehen. -Walter Klinger