Auch Lehrter und Sehnder bei der Demo "gegen geschminkte Profitgier" am Samstag (23. April) in Hannover

Damit durch internationale Handels-Schiedsgerichte nicht demokratische und Arbeiterrechte unterhöhlt werden können und die europäischen Staaten daurch erpressbar werden, wollen DGB Lehrte und ver.di Lehrte/Sehnde - wie auf unserem Foto bereits bei einer Demo in der Bundeshauptstadt - beim Obama-Besuch am Samstag gegen die EU-Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada protestieren. (Foto: DGB Lehrte)

DGB und ver.di demonstrieren beim Obama-Besuch

LEHRTE/SEHNDE/HANNOVER (r/kl). Mit einer Großdemonstration anlässlich des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Hannover wollen - wie schon einmal in Berlin - die Gewerkschaften zusammen mit vielen Organisationen, Kulturschaffenden, Verbraucher- und Umweltschutzverbänden gegen die geplanten Freihandelsabkommen der EU mit den USA und Kanada protestieren.
"Unter dem Motto „Obama und Merkel kommen: TTIP und Ceta stoppen!“ werden am Samstag, 23. April 2016, Zehntausende Teilnehmer/innen in der niedersächsischen Landeshauptstadt erwartet", berichtet der Lehrter DGB-Vorsitzende Reinhard Nold. Damit soll massive Kritik an den Verhandlungen über die Handelsabkommen mit den USA (TTIP) und Kanada (Ceta) deutlich gemacht werden.
Präsident Obama will am Tag nach der angekündigten Demonstration an der Eröffnung der weltweit bedeutsamen Industriemesse in Hannover teilnehmen - die Vereinigten Staaten sind in diesem Jahr Partnerland. Er trifft sich dort auch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Organisationen der Demo vermuten, dass Obama seinen Besuch auch dafür nutzen wird, um für TTIP zu werben.
Das Abkommen mit Kanada, CETA, sei bereits fertig verhandelt. Sobald der Vertrag übersetzt sei, solle er im Sommer vom EU-Rat ratifiziert und anschließend noch vom EU-Parlament abgesegnet werden. Nold warnt deshalb: “CETA ist nur die Blaupause für TTIP“.
Das Abkommen sehe private Schiedsgerichte vor, durch die Unternehmen Staaten auf Milliarden verklagen könnten. Entgegen dem ursprünglichen Plan „Investor-Staat-Beilegungen (ISDS)“ zu installieren, sähen die derzeitigen Entwürfe einen ständigen Schiedsgerichthof (IDS) vor, an den Richter entsandt werden sollen. Nold meint, dabei handele es sich jedoch nur um eine „kosmetische Veränderung“.
Dagegen verlangen die Gewerkschaften, dass die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) festgeschrieben werden. Dadurch würden die kollektive Vertretung von Arbeiterrechten gewährleistet und Zwangs- und Kinderarbeit verboten.
Auch warnen die Gewerkschaften und Organisatoren der Demo vor verheerenden Auswirkungen im Sozialbereich. Der Betreuungsschlüssel im Kindergarten, die Personalbemessung im Pflegebereich, aber auch die „Mietpreisbremse“ zur Begrenzung von Höchstmieten könnten im Sinne von Investoren ausgestaltet werden.
"Auf den Punkt gebracht: Sozialstandards schmälern die Renditeerwartung. Aus diesem Grund ist es höchste Zeit, unseren Protest gegen die Abkommen erneut auf die Straße zu tragen“, so Nold.
Zu der Protestdemonstration nach Hannover rufen auch der DGB Lehrte und der ver.di-Ortsverein Lehrte/Sehnde zum Mitfahren auf. Die Lehrter Gewerkschafter treffen sich gegen 10.10 Uhr auf Gleis 11 am Bahnhof in Lehrte.