„Angeklopft“: Kirche und Kripo in Lehrte gehen bei Blick hinter die Kulissen auf Tuchfühlung

Das Bläserquintett des niedersächsischen Polizeiorchesters stimmte die erwartungsvollen Besucher in der ausgebuchten Nikolauskirche auf das spannende Thema des Abends ein. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand: Kirchenkreis Burgdorf setzt seine begehrte Veranstaltungsreihe im Polizeikommissariat Lehrte fort

LEHRTE (hdb). Musik von den Beatles und Gershwin: Mit ungewöhnlichen Klängen sind die Teilnehmer der Veranstaltung „Zwischen TV-Krimi und Realität“ in der Lehrter Nikolauskirche empfangen worden. Der Kirchenkreis Burgdorf hat dort - und im gegenüber liegenden Polizeikommissariat - seine Reihe „angeklopft + nachgefragt“ fortgesetzt.
„Fühlen Sie sich in Lehrte sicher?“, fragte Kommissariatsleiter Ulrich Bode die etwa 80 Diskussionsteilnehmer in den vollbesetzten Stuhlreihen der Dorfkirche. Die erwartete positive Antwort fiel allerdings eher reserviert aus.
Dabei hatte sich Bode kurz zuvor sehr positiv über die Veranstaltung geäußert, bei der seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „mit den Leuten ins Gespräch kommen“ und erfahren wollten, „wo sie der Schuh drückt“.
Bei der Besichtigung der Wache stand der Polizeialltag im Mittelpunkt. In drei Gruppen gingen die Gäste nicht nur auf Tuchfühlung mit den Ordnungshütern, sondern erfuhren auch allerlei Wissenswertes über die Ausrüstung von Streifenwagen, Abläufe in der Wache und Besonderheiten im Gewahrsam.
Wenn die drei spartanisch ausgestatteten Zellen erzählen könnten, hätten sie bestimmt noch viel mehr spektakuläre Vorkommnisse als Hauptkommissar Bernd Stendam berichten können.
Der Streifendienst-Kollege schilderte sehr plastisch den aktuellsten Fall, bei dem ein „Gast“ unter Drogeneinfluss so laut randaliert hatte, dass sich Nachbarn sogar über die Ruhestörung beschwert hatten. Die Frage nach einer möglichen Videoüberwachung verneinte Stendam, und sein Chef ergänzte: „Die Menschenwürde gibt es auch hier.“
Stendam gewährte seinen Zuhörern auch einen Einblick in den anstrengenden Schichtbetrieb des für Lehrte und Sehnde zuständigen Streifendienstes, für den etwa 50 Beamte „rund um die Uhr“ zur Verfügung stehen.
Taschenlampe, Handschellen, Pistole und Reservemagazin: Das sind Utensilien, die jeder Polizist im Dienst bei sich trägt. Buchstäblich zum Anfassen präsentierte Kontaktbeamtin Imke Wolff ihre Ausrüstung in der Kirche.
An deren Wänden hingen auch Fotos, die während eines eintägigen Praktikums von Pastorin Gesa Steingräber-Broder bei der Lehrter Polizei - zur Vorbereitung auf die Veranstaltung - absolviert hatte.
Sie nahm auch gemeinsam mit Bode und Kommissarin Hella Schäfer an einer Gesprächsrunde teil, die der Journalist Daniel Behrendt moderierte. Die unterhaltsame Musik steuerte das Blechbläserquintett des Polizeiorchesters Niedersachsen bei
Ein gut eingespieltes Organisationsteam versorgte das Publikum in der Pause mit Glühwein und Brezeln. Nach dem Auftakt der Veranstaltungsreihe “Kirche und Kultur zu Gast“ im Oktober vergangenen Jahres in einem Supermarkt in Burgdorf ist eine dritte Auflage nach Angaben von Diakon Wolfgang Hornig, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises, bereits in Planung.