Als Dorfschulen noch durch Schneiderstuben zogen

Die Entwicklung des (dörflichen) Schulwesens in Burgdorf und seinen Ortschaften war das Thema einer öffentlichen Führung im Stadtmuseum mit Hans-Hubertus Lenz durch „Burgdorfer Schulen“. Foto: Georg Bosse (Foto: Georg Bosse)

Öffentliche Führung mit Hans-Hubertus Lenz durch „Burgdorfer Schulen“

BURGDORF (gb). Geschichtliches und Geschichten zur aktuellen Stadtmuseums-Ausstellung „Burgdorfer Schulen“ hat am vergangenen Sonntag bei einer öffentlichen Führung Mitorganisator Hans-Hubertus Lenz zum Besten gegeben. Mit ihm tauchten gut zwei Dutzend interessierte Besucher in die Zeiten ein, als ein Schulbesuch alles andere als selbstverständlich war und sich in Deutschland über die mittelalterliche Lateinschule die ersten deutschsprachigen Bildungsanstalten entwickelten. Heute besteht in Deutschland Schulpflicht, die allerdings erst 1919 verbindlich wurde.
In den ersten Schulen, den so genannten „Dorfschulen“, war es nicht ungewöhnlich, dass mangels ausgebildeter Lehrkräfte ausgediente (preußische) Feldwebel oder gelernte Theologen ohne Anstellung auf die Kinder losgelassen wurden. Als es noch keine ausgesprochenen Schulgebäude mit Klassenzimmern gab, war es in kleineren Ortschaften durchaus nicht unüblich, dass die zu unterrichtenden Kinder „wie eine Karawane“, so Hans-Hubertus Lenz, durch Schneider- und Schusterstuben zogen oder im Wohnzimmer des Lehrers ihre Lektionen erhielten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in den meist selbständigen Dörfern und Städten die ersten Gebäude errichtet, die reinen Schulzwecken dienten.
Auch in den umliegenden Burgdorfer Ortschaften Dachtmissen, Ehlershausen, Hülptingsen, Otze und Schillerslage gab es diese Dorfschulen, deren Chroniken und Überbleibsel teilweise in der Museumsausstellung zu besichtigen sind. In Otze und Ehlershausen gehen die Grundschulkinder heute noch in „ihre Dorfschule“.
Darüber hinaus ist Hans-Hubertus Lenz Sammler von Schriften und Schreibgeräten. Am 11. März wird im Schulmuseum Steinhorst (Gifhorn) die Ausstellung „Rund um`s Schreiben“ mit seinen Exponaten eröffnet.