"Alles gut?“

Pastor Thorsten Leißer (Foto: W. Hornig)

Gedanken zum Wochenende von Pstor Thorsten Leider

Neulich im Schwimmbad: Die Zweijährige hat Wasser geschluckt und weint. Ich ertappe mich dabei, wie ich die Kleine tröste mit den Worten „Alles gut!“. Schon bald planscht sie munter weiter. „Alles gut!“ damit trösten nicht nur Eltern ihre Kinder. Auch unter Erwachsenen höre ich das immer häufiger. "Alles gut!“ Damit versichern wir uns gegenseitig, dass es keine größeren Probleme gibt. Dass wir uns keine Sorgen machen sollen.

Aber stimmt das? Ist wirklich "alles gut“? Nicht nur die Populärphilosophen der 90er Jahre von „Rosenstolz“ sangen davon: „Alles wird besser, doch nie wieder gut“. Wer in diese Welt schaut, kann wahrlich nicht meinen, dass „alles gut“ ist. Klimawandel, Regierungsbildung, Kinderarmut, Rassismus, es gibt mehr als genug Baustellen in der Welt. Es bleibt ein (frommer?) Wunsch, dass wieder alles gut ist oder gut wird. Die Realität sieht anders aus.

Und doch sagt da einer „Alles ist gut!“ Gott Schöpfer selbst schaut am Anfang der Bibel auf sein Werk und denkt sich am Ende jedes Schöpfungstages: Siehe, es ist gut! Unsere Welt, ja, alles was lebt, ist tatsächlich gut gedacht! Wir sind zum Guten fähig. Können Ungerechtigkeit spüren und dagegen angehen. So wird das Gute nicht zum bloßen Kindheitswunsch, sondern zum Ansporn, sich nicht mit dem Schlechten in der Welt abzugeben.

Gerade zu Beginn dieses noch jungen Jahres macht mir der Gedanke Mut. Wie die Zweijährige kann ich munter weiterplanschen im Leben – und darf zugleich die Welt zum Guten gestalten.
Thorsten Leißer
Pastor in Immensen, Rethmar und Haimar