Schon Händewaschen kann helfen . . .

Unter der Leitung von Dr. med. Uwe wird am KRH Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene gezielt nach Krankheitserregern gesucht. (Foto: KRH)
 
Nur verstärkte Hygiene hilft gegen multiresistente Keime. Schon gründliches Händewaschen kann deren Verbreitung eindämmen. (Foto: KRH)

Hygienemaßnahmen in Zeiten steigender Antibiotikaresistenzen

REGION HANNOVER (r/kl). Antibiotika sind seit ihrer Erfindung eine Art Wundermittel der Medizin. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts konnten infizierte kleinste Wunden lebensbedrohlich werden.
Mit der Entdeckung der Antibiotika stand ab den 40er Jahren eine Wirkstoffgruppe zur Verfügung. Infizierende Keime konnten gezielt dezimiert und Erkrankte gerettet werden.
Nach fast 80 Jahren verlieren diese „Wundermittel“ langsam ihre Wirkung. Bakterien werden resistent. Dazu ein Gespräch mit Dr. med. Uwe Mai, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Klinikum Region Hannover:

Herr Dr. Mai, was denken Sie über den Begriff „Krankenhauskeim“?

Mai: Ich finde ihn irritierend, weil dies den falschen Eindruck erweckt, als seien die Resistenzen ein Problem der Krankenhäuser. Mittlerweile erkläre ich die komplexen Zusammenhänge und spreche selber von multiresistenten Erregern, kurz MRE.

Die öffentliche Diskussion um die MRE wirkt oft panisch.

Mai: Natürlich müssen wir alle das Thema sehr ernst nehmen. Ich rate aber auch zur Versachlichung. Ein gesunder Mensch kann besiedelt sein und es passiert ihm gar nichts.
Bakterien gehören zu uns. Es leben mehr Bakterien auf uns als wir Körperzellen haben. In unserem Darm helfen sie uns beispielsweise, Nahrung zu verdauen.

Warum werden multiresistente Erreger dann gefährlich?

Mai: Gelangen MRE in eine Wunde oder beispielsweise in die Lunge eines älteren, sehr schwer kranken Menschen, dann wird die körpereigene Abwehr häufig nicht mit ihnen fertig. Ist der Keim gegen mehrere Antibiotikagruppen resistent, haben wir nur noch wenige Medikamente die helfen.

Was tun Sie im KRH, um das Risiko zu minimieren?

Mai: Aufklären, aufklären, aufklären. Außerdem unterziehen wir alle Patienten einem Aufnahmescreening. So finden wir heraus, ob sie mit einem MRE besiedelt sind.
Besonders engmaschig tun wir das auf Intensivstationen und anderen Risikobereichen. Entsprechend isolieren wir betroffene Patienten. Unsere Beschäftigten können dann besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen.

Können so Übertragungen im Krankenhaus unterbunden werden?

Mai: Wir können Sie so sehr, sehr unwahrscheinlich machen. In der Öffentlichkeit wird immer wieder eines falsch eingeschätzt: Im Krankenhaus fallen Infektionen oder Besiedlungen mit MRE auf. Erworben wurden diese fast ausnahmslos schon vorher.
Um zusätzliche Sicherheit herzustellen, haben wir an allen KRH-Standorten Hygienefachkräfte und Krankenhaushygieniker im Einsatz. Diese schulen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nehmen auch regelmäßig Abklatschproben von Patienten, Geräten und der Umgebung der Patienten.
So können wir laufend einschätzen, ob irgendwo ein Problem entstehen könnte.

Wie finden Sie heraus, ob es sich um resistente Keime handelt?

Mai: Die Abstriche werden auf Nährböden in Petrischalen aufgebracht. Die Schalen kommen in Brutschränke. Sind Bakterien vorhanden, so vermehren sie sich unter diesen Bedingungen sehr schnell und wir können sie dann mit unterschiedlichen Methoden schnell und genau identifizieren. Diese Tests dauern je nach Methode eine bis zwölf Stunden.

Wird das Problem der MRE irgendwann wieder verschwinden?

Mai: Ich denke nicht. Wir müssen weiter sehr hart und gewissenhaft in der gesamten Gesellschaft daran arbeiten. Der Einsatz von Antibiotika in der Medizin muss zielgerichteter werden und in der Tiermast sollte er stark eingeschränkt werden.
Im Umgang mit schwerkranken Patienten sollten auch deren Besucher besonders vorsichtig sein und an eines denken: Träger eines MRE kann jeder sein.