Noch immer nicht klar: Wird auch die Möglichkeit des Erhalts der örtlichen Kliniken geprüft?

Entscheidungen über die Gesundheitsvorsorge als wichtiges Gut dürften nicht übers Knie gebrochen werden, wandten sich auch bei der Demonstration am Dienstag mit rund 200 Teilnehmern die Gewerkschaften gegen den enormen Zeitdruck bei der "Medizinstrategie 2020". (Foto: Walter Klinger)

Aufsichstrat beschließt "Medizinstrategie 2020" - Lehrter bleiben auch nach Diskussion mit KRH-Leitung skeptisch

REGION HANNOVER/LEHRTE (r/kl). Der Aufsichtsrat der Klinikum Hannover GmbH hat bei seiner Sitzung am Freitag (28. Dezember) deren "Medizinstrategie 2020" zugestimmt.
Gegen die darin enthaltene Schließung des Klinikums Lehrte hatten am Dienstag etwa 200 Unterstützer von DGB und ver.di am City-Center Lehrte protestiert. Die wichtigsten Gewerkschaftsforderungen (öffentliche Trägerschaft, Arbeitsplatzerhalt, Übernahme der Auszubildenden, Altersteilzeitregelung) sind inzwischen vom Klinikum zugesagt worden, so dass die zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat wohl zustimmen konnten.
Die weitere Gewerkschaftsforderung nach Prüfung auch der wirtschaftlichen Möglichkeiten für den Erhalt des Klinikums Lehrte, zu der auch in der anschließenden Diskussion mit dem Regionspräsidenten und der Klinikums-Geschäftsführung im voll besetzten Kurt-Hirschfeld-Forum nachgefragt wurde, blieb indessen unbeantwortet.
Die CDU in der Regionsversammlung will deshalb nun die genauen Zahlen für Lehrte auf dem Tisch haben und kündigte eine entsprechende Anfrage an. Bei dem Dialog-Forum am Mittwoch hatten der Regionspräsident und zugleich Vorsitzende des Kontrollgremiums Hauke Jagau und die Klinikums-Geschäftsführung beteuert, beschlossen werden (letztlich am 16. Dezember in der Regionsversammlung) solle lediglich ein Prüfauftrag, ob ein moderneres Krankenhaus als Ersatz für Lehrte und Großburgwedel gebaut werden könne.
Ziel sei es, die gesundheitliche Versorgung in der Region auf hohem Niveau nicht nur zu sichern, sondern für die Zukunft zu verbessern - zumal das Land Niedersachsen nur noch solche Einrichtungen mit umfassenden Fachrichtungen fördern werde, betonten die Klinikums-Vertreter. Die gelegentlichen Lacher im Publikum galten insbesondere der Vokabel "Verbesserung" und kennzeichneten die bleibende Skepsis.

KRH-Aufsichtsrat beschließt "Medizinstrategie 2020"
- Regionsversammlung soll am 16. Dezember folgen

Der Aufsichtsrat des Klinikums Region Hannover (KRH) hat in einer Sondersitzung am Freitag der „Medizinstrategie 2020“ zugestimmt und empfiehlt dieses auch der Gesellschafterin Region Hannover. Das umfangreiche Konzept besteht aus zehn Kernpunkten (Details siehe „Hintergrund 2020“, Anlage).
Am 16. Dezember wird sich die Regionsversammlung mit dem Konzept befassen. „Weil wir das KRH in kommunaler Trägerschaft halten wollen, ist das der richtige Weg“, betont der Aufsichtsratsvorsitzende Hauke Jagau, Präsident der Region Hannover. In einem Punkt habe man das Konzept nach dem breit geführten Dialog innerhalb des Gremiums und in der Öffentlichkeit noch verändert. „Wir halten eine wohnortnahe Geburtsmedizin im Osten der Region für einen wichtigen Bestandteil der öffentlichen Daseinsfürsorge“, erläutert Jagau. So soll ein Erhalt der Gynäkologie und Geburtshilfe unter Neubaubedingungen geprüft werden. „Aber auch wenn sich der Neubau als nicht finanzierbar erweisen sollte, werden wir ein geburtsmedizinisches Angebot im Osten der Region vorhalten“, stellt der Regionspräsident klar.
Festgehalten wurde an der Verlagerung der stationären Versorgung vom Klinikum Springe ans Klinikum Gehrden. „Voraussetzung dafür ist aber, dass auch zukünftig eine 24-Stunden-Notfallversorgung in Springe sichergestellt wird“, betont Jagau. Man werde außerdem einen lokalen Dialogprozess vorschalten, um einen möglichst breit getragenen Konsens über die zukünftige Nutzung des Standortes Springe herzustellen.
Auch seiner Sorgfaltspflicht gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des KRH kam der Aufsichtsrat nochmals nach. Die stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats und ver.di-Gewerkschaftssekretärin Elke Nobel erläutert: „Die Tarifparteien sind aufgefordert, kurzfristig zu einer Vereinbarung zu kommen, die Beschäftigungssicherung bis 2020 garantiert.“
„Wir begrüßen das klare Bekenntnis des Aufsichtsrates zur Medizinstrategie“, bilanziert Barbara Schulte, KRH-Geschäftsführerin für Finanzen und Infrastruktur: „Wenn nun die Regionsversammlung Mitte Dezember entscheidet, können wir Anfang des Jahres mit der Umsetzung beginnen“. Jede weitere Verzögerung mache es schwieriger, das KRH aus den roten Zahlen zu führen.
Der Medizin-Geschäftsführer Prof. Thomas Moesta ergänzt: „Für die Versorgungsqualität für die Bevölkerung in der Region ist es dringend erforderlich, das KRH neu auszurichten. Veränderungen sind nicht immer populär, aber sie sind unter medizinischen und auch finanziellen Aspekten dringend notwendig.“