Familien aus der Region Hannover gehen für die Hebammen auf die Straße

Hannover: Kröpcke |

Zusammenbruch des Versicherungsmarktes: Freiberufliche Hebammen vor dem Aus

REGION HANNOVER (r/kl). Nach derzeitigem Stand werden die freiberuflichen Hebammen in Deutschland ab Juli 2015 nicht mehr haftpflichtversichert sein. Doch ohne Versicherung dürfen Hebammen weder Geburten betreuen, noch stehen sie Familien bei der Vor- oder Nachsorge zur Verfügung. Unter dem Motto: „Wir stehen für unsere Wahlfreiheit. Familien fordern Hebammen“ ruft daher ein breites Bündnis aus Eltern- und Hebammenitiativen am Samstag, 8. März, zu einer "ErMahnwache" am Kröpcke in Hannover auf.
Parallel finden bundesweit ähnliche Aktionen statt, darunter in München, Köln, Hamburg, Bremen, Frankfurt und Stuttgart.
Für die Hebammen ist es 5 vor 12. Um dies zu verdeutlichen, beginnt auch die Mahnwache symbolisch zu dieser Uhrzeit. Mit Transparenten, roten Bändern, Luftballons, Herzen und dekorierten Kinderwagen wollen die Familien auf die dramatische Situation hinweisen. Denn neben den Hebammen sind vor allem sie die Leidtragenden der aktuellen Entwicklungen.
Seit Jahren steigen die Prämien für die Haftpflichtversicherung der Hebammen, im Sommer 2015 droht der Markt nun endgültig zusammenzubrechen. Daher geben immer mehr Hebammen ihren Beruf auf. Bereits jetzt ist eine flächendeckende Versorgung bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett nicht mehr gegeben.
Die Wahlfreiheit des Geburtsortes ist in vielen Regionen durch das Wegfallen der freiberuflichen geburtshilflichen Versorgung und die Zentralisierung der Geburtshilfe in wenige Kliniken nicht mehr vorhanden. Davon betroffen ist nicht nur die außerklinische Geburtshilfe, sondern auch jede Klinikgeburt, die im Beleghebammensystem stattfindet.
Desweiteren bedeutet der Wegfall der Versicherung, dass Hebammen keinerlei Begleitung in der Schwangerschaft oder im Wochenbett anbieten dürfen. Es wird keine Kurse mehr geben können zur Vorbereitung der Eltern auf die Geburt, zur Rückbildung nach der Geburt oder um zum Beispiel über die Einführung von Beikost zu informieren. Es wird keine Hilfe bei Stillbeschwerden durch Hebammen mehr geben und das mit hohen Kosten eingeführte und jetzt etablierte System der Familienhebammen wird komplett wegbrechen.
Während in der Vergangenheit also hauptsächlich die Hebammen selbst ihre prekäre Situation angemahnt haben, melden sich nun auch verstärkt die betroffenen Familien zu Wort. Die von der jungen Mutter Bianca Kasting initiierte Petition „Macht Euch stark für Eure Hebammen. Lasst uns gemeinsam für die Wahlfreiheit der Geburt einstehen und konkrete Maßnahmen fordern“ haben seit Beginn im Dezember 2013 bereits mehr als 300.000 Menschen unterzeichnet. In vielen Städten fanden und finden in diesen Tagen von Eltern organisierte Mahnwachen und Demonstrationen statt.
"Wir sind begeistert und überwältigt von der großartigen Unterstützung, die wir gerade für unsere politische Arbeit erhalten", sagt Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. „Den Rückenwind, den wir jetzt aus der Bevölkerung erhalten, können wir dabei gut gebrauchen!“
Die Facebook-Veranstaltung zur Mahnwache gibt es unter https://www.facebook.com/events/527670217347219/