Kein Dorffest, bald kein Schießstand - Schützen aber feierten ihr Fest

Parade der Majestäten: Sportleiter Bert Kopowski (v.l.), Königin Maren Becker, Danny Dahnke und Bürgerkönig Stefan Dahnke mit dem Vorsitzenden Hans-Jürgen Rennspieß. (Foto: Renate Tiffe)

Ein Beitrag von Renate Tiffe - Jetzt erst recht in Neuwarmbüchen - Letztes Scheibenannageln im August

NEUWARMBÜCHEN (ti). Vorbei sind die Zeiten, als Neuwarmbüchen sein Dorffest feierte mit einem Umzug als Höhepunkt, der auf dörflicher Ebene seinesgleichen suchte. Verbunden damit war das Schützenfest.
Jetzt feierten die Schützen zum zweiten Mal ihr eigenes Fest – sozusagen ein trotziges „Dennoch“ für die Dorfgemeinschaft. Und es war ein Fest, bei dem es an nichts fehlte.
Der Raum im Gasthaus Lange war vollbesetzt, als der Vorsitzende Hans-Jürgen Rennspieß seine Schützenbrüder und -schwestern und ihre Gäste begrüßte. 38 Mitglieder zählt der Verein zur Zeit. Rennspieß zeigte sich „hocherfreut über den Zuspruch“, den seine Einladung gefunden hatte. Der übliche Verlauf konnte beginnen.
Sportleiter Bert Kopowski gab die Namen der neuen Könige bekannt, nachdem die Vorjahrskönige ihre Insignien ab gegeben hatten. Proklamiert als Bürgerkönig wurde Stefan Dahnke, der einen beachtlichen Teiler von 114 erzielt hatte. Sein Sohn Danny strahlte, als er aus der Hand des Vorsitzenden die Innenscheibe als Sieger im Luftgewehrschießen erhielt. Schützenkönigin wurde Ortsbürgermeisterin Maren Becker.
Nach dem gemeinsamen Essen formierte sich der Umzug zum Scheibenannageln, begleitet vom „Telefonorchester“ unter Leitung von Ralf Rothausen. Es war kein weiter Weg zum Haus der Dahnkes.
Bei der Schützenkönigin lag die Sache anders. Maren Becker wohnt in der Gartenstadt Lohne. Aus organisatorischen Gründen würde man sich dort zu einem späteren Zeitpunkt treffen, verkündete Rennspieß. Die Schützenkönigin lud zum gemeinsamen Grillen in ihrem Haus im August ein.
Scheibenmeister Andre Rennnspieß hatte keine hohe Leiter zu erklimmen und Stefan Dahnke gab genaue Anweisungen beim Anbringen der Scheibe - was mit einem „richtigen“ Schnaps begossen wurde.
Den Königstanz bestritten er und seine Frau Elke als die zahlreichen Gäste schon an den bereitgestellten Tischen Platz genommen hatten. Es gab vom König selbstgebackenen Kuchen zu den Getränken. Für das Alkoholische hatten die Schützen selbst gesorgt, das in einem Wagen etwas abseits bereitstand.
Die eigentlichen Überraschungen gab es beim anschließenden Kaffeetrinken in der Gaststätte. Wie es sich herausstellte, hatte ausgerechnet der Vereinsvorsitzende beim Schießwettbewerb nicht über die nötige ruhige Hand verfügt. Großes Gelächter, als Kopowski den Namen von Hans-Jürgen Rennspieß als „de Swate“ bekanntgab.
Aber es hatte auch nachdenkliche Züge gegen Ende des Festes am Sonntagnachmittag gegeben. Zum letzten mal war um die Festscheibe des Vereinswirtes Lange geschossen worden. Uwe Koch konnte sie entgegennehmen - gerührt, weil damit sozusagen eine Ära im Vereinsport zu Ende ging. Die fünf Schießstände im Keller des Gasthauses wird es bald nicht mehr geben, wenn der gastronomische Betrieb aufgegeben und der gesamte Gebäudekomplex abgerissen wird.
Es gibt intensive Überlegungen, wie es mit dem Neuwarmbüchener Schützenverein weitergehen soll. Gedacht ist unter anderem daran, die Schießsportanlage in Wettmar mit zu nutzen, wie in einem Gespräch mit dem Präsidenten des Burgdorfer Kreisschützenverbandes, dem in Neuwarmbüchen beheimateten Werner Bösche, zu erfahren war.

Fotos:
03 Bürgerkönig Stefan Dahnke und der Vorsitzende des Neuwarmbüchener Schützenvereins Hans-Jürgen Rennspieß.
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019 Es war nur ein kleiner Umzug, der sich zum Scheibenannageln formierte.
024, 025 Scheibenmeister Andre´ Rennspieß versah seine Aufgabe nach den Anweisungen von Bürgerkönig Stefan Dahnke.
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