Vortrag über Luther und das Judentum in St. Marien

Prof. Dr. Ursula Rudnick ist Pastorin der Ev.- luth. Landeskirche Hannover und ausgewiesene Judaïstin. (Foto: U. Rudnick)

Prof. Dr. Ursula Rudnick referiert im Martin-Luther-Haus

ISERNHAGEN (r/bs). Im Rahmen der Luther-Dekade 2008 - 2017 finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die dem Reformator selbst, seinem Wirken und seiner Zeit gewidmet sind. Dabei kommen neben den geschichtsträchtigen und theologisch bedeutsamen Auswirkungen von Luthers Lebenswerk auch kritische Fragen zum Vorschein. Am 27. November hält Frau Prof. Dr. Ursula Rudnick, Pastorin der Ev.- luth. Landeskirche Hannovers und ausgewiesene Judaïstin, einen Vortrag zum Thema „Jesus Christus – ein Jude; Martin Luther – ein Judenfeind?“
In den vergangenen Jahren wurde die Bedeutung von Jesu Jüdischkeit für den christlichen Glauben entdeckt. Jesus Christus, das ist der Sohn jüdischer Eltern, am achten Tag nach seiner Geburt beschnitten, als Erstgeborener im Tempel ausgelöst, später dort lernend. Er nahm an den Wallfahrten zum Tempel teil, lehrte und predigte in Synagogen. Jesus hatte seine eigenen Auslegungen, oftmals kritisch, aber immer als Teil des Judentums seiner Zeit.
Martin Luther: das ist der Mann des Wortes, der große Bibelausleger, Kirchenpolitiker und Pädagoge. Ein Mann auf der Schwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit. Viele Impulse und grundlegende theologische Einsichten hat er hinterlassen. Leider stammen von ihm auch Worte der Diffamierung und Ausgrenzung. Es gibt Sätze von ihm, in denen er zur Ausweisung und Verfolgung der Juden aufruft.
Für die Referentin ist es wichtig, nicht ausschließlich das positive Erbe zu vergegenwärtigen, sondern selbstkritisch die Schattenseiten der judenfeindlichen Äußerungen zu bedenken, „damit sie nicht weiter ihr Gift entfalten“.
Die Stiftung St. Marien Isernhagen konnte Frau Prof. Dr. Rudnick als Studienleiterin vom Verein Begegnung - Christen und Juden Niedersachsen bereits im vergangenen Jahr für einen Vortrag in Isernhagen gewinnen, der sehr große Beachtung fand.
Der Vortrag wird musikalisch begleitet: Victor Bolgov (Akkordeon), Valentina Bellanova (Flöte) und Mario Munjin (Kontrabass) spielen Werke von Bach, Piazolla und Rachmaninoff.
Die Veranstaltung im Martin-Luther-Haus der St. Marien Kirchengemeinde Isernhagen beginnt um 19.30 Uhr; der Eintritt ist frei.