Vom Bett in den Rollstuhl – wie schaffe ich das?

Wertvolle Informationen für pflegende Angehörige bietet das Praxis-Seminar der Bürgerstiftung Isernhagen am 14. Oktober. (Foto: Bürgerstiftung Isernhagen)

Bürgerstiftung bietet Hilfe im Alltag für pflegende Angehörige

ISERNHAGEN (r/bs). „Nicht behindert zu sein, ist ein Geschenk, das uns jeden Tag genommen werden kann!“, erklärte einst Richard von Weizsäcker. Allzu leicht werden diese Gedanken im täglichen Leben an die Seite geschoben: Das passiert ja nur den anderen, mir doch nicht.
Aber plötzlich ist es dann doch so weit. Der eigene Mann erlitt einen Schlaganfall und wird nach Behandlung und Reha halbseitig gelähmt aus der Klinik entlassen. Was soll ich jetzt nur machen? Schließlich wiegt der Patient 90 kg. Kann ich das, was nun alles notwendig ist, überhaupt leisten? Ich habe Angst, dass meine alte Mutter hinfällt, wenn ich mit ihr auf dem Weg zur Toilette bin. Ich schaffe es nicht mehr, die Oma in den Rollstuhl zu heben.
So vielfältig sind die Probleme, die auf die Menschen einströmen, die gerne ihre Angehörigen zu Hause pflegen wollen, aber nicht wissen, ob ihre Kraft dazu ausreicht. Es sind ja auch die täglich wiederkehrenden Aufgaben wie das Umsetzen vom Bett in den Rollstuhl, die oft schon zu einem großen Problem werden. Je weniger der Pflegebedürftige mithelfen kann, desto größer wird der Kraftaufwand für den pflegenden Angehörigen.
Notwendig wäre für die Angehörigen in dieser Situation eine Hilfestellung. Ein Seminar, in dem den Angehörigen gezeigt, ja antrainiert wird, wie sie sich und dem Patienten unter Zuhilfenahme von tauglichen Geräten und vielen kleinen und großen Tipps das Leben erleichtern können, sodass beide stressfreier miteinander umgehen können. Gleichzeitig wird die Mobilität der zu Pflegenden verbessert. Als Ergebnis wird für beide Parteien die Lebensqualität gesteigert und ein entspanntes „Miteinander“ ermöglicht.
Die Bürgerstiftung Isernhagen ist sehr froh, jetzt dieses Seminar durch die Unterstützung der Gemeinde Isernhagen anbieten zu können: Welche Handgriffe können für eine adäquate Unterstützung hilfreich sein? Wie schone ich meinen eigenen Rücken? Wie kann ich kräftesparend arbeiten?
Lösungen für diese und andere Fragen werden an diesem Abend praktisch demonstriert, so haben die Teilnehmer die Chance, unter fachkundiger Anleitung zu lernen, wie in der Praxis problematische Alltagssituationen entschärft werden können, und das möglichst, bevor der Ernstfall eingetreten ist. Das erleichtert die stark emotional geladene Entscheidung für eine häusliche Pflege ungemein.
Beate Schlüter, Mitbürgerin aus Isernhagen HB, Bobath-Therapeutin und bundesweit tätig als Dozentin für Weiterbildungen im Bereich der Arbeit mit Schwerstbehinderten und Dozentin des Gesundheitswesens im Fachbereich Gerontologie und Gerontopsychiatrie stellt ihr ganzes Fachwissen kostenlos am Montag, 14. Oktober 2013, ab 19 Uhr in der neuen Begegnungsstätte in Isernhagen HB, Burgwedeler Straße 141c, zur Verfügung.