Traditionsreiches Regions-Sommerfest der FDP in Isernhagen

Christiane Hinze, die Isernhagener FDP-Vorsitzende, freute sich in ihrem Grußwort, dass dennoch soviele Gäste erschienen waren. (Foto: Renate Tiffe)

Mehr als 100 Gäste – Vortrag zum Arbeitsmarkt der Zukunft

KIRCHHORST (ti). Die Zeiten sind vorbei, als Kommunalpolitiker, die etwas auf sich hielten, sich parteiübergreifend zum Gedankenaustausch beim Sommerfest der Kreis-FDP auf Grethes Hof in Isernhagen trafen.
Die Reihe, die im Jahr 1976 begann, wird bis heute fortgesetzt. Zum vierten Mal fand das traditionsreiche Treffen im stilvollen Ambiente des Hofes von Ulrich und Isabel von Rautenkranz in Kirchhorst statt. Mehr als 100 Gäste fanden sich auf dem weitläufigen Hofgelände ein.
Anwesend war die gesamte FDP-Partei-Prominenz der Region, die Europa-Abgeordnete Gesine Meißner ebenso wie die hannoverschen Vertreter des vorherigen Bundestages und Sylvia Bruns aus dem Landtag. Auch viele Vertretungen aus den Regions-Institutionen waren nach Kirchhorst gekommen. Wer allerdings fehlte waren hiesige Kommunalpolitiker der anderen Parteien.
Lediglich die stellvertretende Regionspräsidentin Michaela Michalowitz von der CDU konnte der Kreisvorsitzende der Partei, Gerhard Kier, begrüßen. Es habe viele Absagen wegen des ungünstigen Termins gegeben, sagte er. Christiane Hinze, die Isernhagener FDP-Vorsitzende, freute sich in ihrem Grußwort, dass dennoch soviele Gäste erschienen waren. Sie kündigte den Vortrag der erfolgreichen hannoverschen Unternehmerin Tina Voss zur Zukunft auf dem Arbeitsmarkt an. Von ihr soll der Ausspruch stammen: Unternehmer zu sein ist relativ leicht. Man muss einfach mehr Geld einnehmen als ausgeben.
Die 42-jährige Geschäftsführerin, in der Zeitarbeitsbranche tätig, begann erfrischend. Viel mehr als derzeit üblich müsse die Forderung nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in die Realität umgesetzt werden, meinte sie. Die nach 1990 Geborenen wollten ihre Kinder selbst mit aufziehen. Die Vier-Tage-Woche wünschten auch Frauen ohne Kinder, die beispielsweise ihre Eltern pflegen müssten.
Der demographische Wandel und der Fachkräftemangel bringen es mit sich, dass Unternehmer flexibler sein müssten für die Lebenssituationen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das schaffe Bindungen an die Betriebe. Denen tue es auch gut, wenn deren Führungsetagen mit gemischten Teams aus Männern und Frauen besetzt seien. „Führen Frauen anders“, fragte Tina Voss und beantwortete die Frage mit ja. Sie haben mehr Verständnis für die Mitarbeiter und ziehen andere Frauen nach.
Sie selbst führt ihr Unternehmen seit 18 Jahren in dem 36 Frauen und vier Männer beschäftigt sind. Es seien hochqualifizierte Leute, die in die Betriebe gehen, bei guter Bezahlung („manche lachen über den Mindestlohn“) und Qualifizierungsprojekten. Die Zusammenarbeit funktioniere gut, weil jeder eigenverantwortlich über seine Arbeitszeit verfügen könne, machte sie klar. Und schloss daraus, dass es ausreichend gesetzliche Regelungen für die Zeitarbeit gebe. Schädlich sei die Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten. „Gebt uns mehr Zeit für die Zeitarbeit, damit wir in Ruhe unseren Job machen können“, forderte Tina Voss.
Mittlerweile bezeichnet sie sich gern selbst als „Teilzeitunternehmerin“. Soeben ist ihr Buch „Ex mit Mops“ erschienen. Sie gibt zu, dass es lange gedauert hat mit der „Vertrauensarbeitszeit“ in ihrem Unternehmen. Ob dies für die FDP ein Modell mit Zukunft sein kann?
Gerhard Kier untertrieb anfangs reichlich als er feststellte, dass die FDP derzeit nicht auf der Erfolgswelle schwimme. Eine große Ratlosigkeit hat sich bei den Liberalen breit gemacht, die auch spürbar über dem Sommerfest hing. Aufgeben wollen sie trotzdem nicht: „Wir hier machen unsere Arbeit gut“, war immer wieder zu hören. Die Partei müsse sich „von unten“ erneuern, sind sie überzeugt. Aber wie liberale Ideen durchbringen, wenn die Wähler sich entweder für ein „Weiter so“ oder eine Partei der Beliebigkeit entscheiden?