Stürmischer Taufgottesdienst unter freiem Himmel

Keine Scheu zeigten die Kinder von Melanie Barrett bei der Taufe, besonders die größeren schienen sich für diesen Schritt selbst entschieden zu haben und schauten neugierig, wie die letzte der 6, die 1-jährige Carla die Taufe empfing. (Foto: Anna Kentrath)
 
Ein stimmungsvoller Gottesdienst unter freiem Himmel mit einer 6-fachen Taufe eröffnete das Christophorus-Fest in Altwarmbüchen. (Foto: Anna Kentrath)

Seches Täuflinge bereicherten das Christophorus-Fest

ALTWARMBÜCHEN (ak). Ein stimmungsvoller Taufgottesdienst unter freiem Himmel bildete den Auftakt für das Christophorus-Fest der ev.-luth. Christophorus Kirchengemeinde in Altwarmbüchen vergangenen Mittwochnachmittag. Sorgenvolle Blicke schickten die Besucher gen Himmel zu den sich ballenden Wolken, doch Petrus hatte ein Einsehen und ließ, bis auf den aufkommenden Wind, nur einige wenige Tropfen herabfallen, bis der Gottesdienst zu Ende ging.
Die Blätter rauschten im Wind, eine Stellwand beugte sich einer kräftigen Böe und fiel um, doch die Kraft der Natur schien dem Gottesdienst eher eine besondere Note zu verleihen. Pastor Holger Birth ließ sich vom Wetter nicht beirren und erinnerte an die Besonderheit der Taufe und wie schön es sei, „Gottes Kind zu sein“. Mit der Taufe nehme Gott jeden an, egal wie alt man sei, ob Kind oder Erwachsener. Denn nicht Babys wurden bei diesem Gottesdienst getauft, sondern Melanie Barrett, 33 Jahre alt, und ihre Töchter Gemma (11 Jahre), Cloe (10 Jahre), Lilian (9 Jahre), Faye (4 Jahre) und Carla (1 Jahr). 6 Täuflinge aus einer Familie, das ist wohl wirklich ein sehr seltener Anblick. Melanie Barrett hatte einen Taufspruch ausgewählt, der auch den anwesenden Gottesdienstbesuchern ein amüsiertes Lächeln auf die Lippen zauberte, denn passender konnte er nicht sein: Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk, Psalm 127.
Das erste Donnergrollen war bei der Taufzeremonie zu hören, doch das Wetter hielt soweit, dass keiner sich gezwungen sah, ins Gebäude zu flüchten. Wasser, das nun auch in wenigen zarten Tropfen vom Himmel kam, war zentrales Thema der Predigt von Holger Birth. „Wasser ist ein Symbol in vielerlei Hinsicht“, erläuterte Birth, „ohne Wasser kann nichts in dieser Welt sein, es ist Grundlage des Lebens“. Neben der Lebensnotwendigkeit werde es auch zum Waschen gebraucht und so sei auch die Taufe zu verstehen, die reinwasche, da „Gott sagt, das will ich euch nicht anrechnen“, so der Pastor. Jedoch verwies Holger Birth auch auf die Gefahren des Wassers, die besonders in den vergangenen zwei Wochen leider viel zu oft zum Tragen kamen. Immer wieder ertranken Menschen, die an Badeseen, am Meer oder Flüssen verunglückten. Manchmal brauche es einer starken, helfenden Hand, auch als geübter Schwimmer, um den Fluten zu entkommen.
Um Stärke und Wasser ging es schließlich auch in der Legende des Christophorus, Namensgeber der Kirche in Altwarmbüchen und Grund des Festes vergangenen Mittwochnachmittag. Der riesengroße, starke Ophorus, der nur den Mächtigsten der Welt dienen wollte, musste feststellen, dass sein erster Dienstherr, ein König, sich vor dem Teufel fürchtete. Als er diesen für den Mächtigsten hielt, wurde er wieder enttäuscht, da auch der Teufel sich vor etwas fürchtete: Jesus Christus. Auf seiner Suche nach Jesus und dem Hinweis eines alten Mannes, er solle den Menschen dienen, dann finde er auch Jesus, wurde Ophorus der Wächter am Fluss, der jeden durch die reißende Strömung trug. Eines Tages auch ein Kind, das ihm so schwer vorkam, als habe er die ganze Welt auf den Schultern. Aus Ophorus wurde Christophorus, denn er hatte Christus über den Fluss getragen.
Nach der Legende des Christophorus schlug Birth gekonnt wieder einen Bogen zum Taufgeschehen, denn Ophorus hatte durch seine Tat einen Platz in der Gemeinschaft gefunden. Auch zur Taufe gehöre, so der Pastor, den Täufling in die „Gemeinschaft der Heiligen“ aufzunehmen. Mit einem Christophorus-Reflektor beschenkt, denn dieser gilt als Beschützer der Reisenden, begaben sich die Gottesdienstbesucher zum anschließenden gemütlichen Beisammensein bei Bratwürstchen und erfrischenden Getränken.