Stromtrasse SüdLink aus Isernhagener Sicht . . .

Bürgermeister Arpad Bogya (r.) zeigt die Karte mit dem Isernhagener Vorschlag (von links: Heike Uphoff, Jochen Schrader, Anita Berlin und Thomas Wagner). (Foto: Renate Tiffe)
 
Im überfüllten Saal bekam jeder die Möglichkeit, Fragen zu stellen nach der Devise: keiner soll unzufrieden nach Hause gehen. (Foto: Renate Tiffe)

Ein Beitrag von Renate Tiffe - Bürgerinitiative stellt neue Alternativführung vor

ALTWARMBÜCHEN (ti). Es bleibt dabei. Trotz deutlich geäußerten Unmuts des Publikums im überfüllten Rathaussaal, trotz der präzisen Fragen von Bürgermeister Arpad Bogya und des Insistierens der Moderatorin, der Bauamtsleiterin Heike Uphoff, blieben viele Problemstellungen offen, bei der Informationsveranstaltung zur Stromtrasse SüdLink – insbesondere die Frage, warum von den drei Varianten, die der Netzbetreiber TenneT für den Stromtransport vom Norden in den Süden vorgestellt hat, ausgerechnet die mittlere Trasse zur Debatte gestellt wird, die durch den Ballungsraum Hannover führt.
Mehr als 200 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten sich zu der Veranstaltung im Ratssaal eingefunden, darunter der Bundestagsabgeordnete Dr. Hendrik Hoppenstedt und Burgwedels Bürgermeister Axel Düker, wie überhaupt die Stadt, die nach dem derzeitigen Stand am meisten von der Trassenführung betroffen ist, stark präsent war. Trotz Einladung fehlte dagegen offenbar eine Vertretung aus Burgdorf. Die Berührungspunkte zwischen den drei Kommunen sind dergestalt, dass die Entlastung der einen unweigerlich zur Belastung der anderen führt. Eine gemeinsame Vorgehensweise wäre unabdingbar, wenn noch Änderungen zum Vorteil der Bürger erreicht werden sollten. Das funktioniert aber nicht, wenn einer der Partner nicht mehr mit sich reden lässt.
Wie bereits vorher in Burgwedel hatten die Bürger im Vorfeld der Veranstaltung die Gelegenheit, sich anhand von Karten mit den entsprechenden Erläuterungen genauer zu informieren. Sie konnten ihre Fragen schriftlich formulieren, die auf Stellwänden gesammelt und in der abschließenden Diskussionsrunde zur Sprache gebracht wurden.
Vorher schilderte Tobias Brandt von der federführenden Bundesnetzagentur die mittlerweile hinlänglich bekannten Daten und Fakten der Verfahrensschritte bis hin zur Inbetriebnahme der Stromleitung nach drei Jahren Bauzeit im Jahr 2022. Deutlich wurde, dass der sogenannte informelle Teil bereits Mitte September endet, wenn der Antrag der TenneT an die Bundesnetzagentur zur Bundesfachplanung gestellt wird. Nach sechs Monaten fällt dann die Entscheidung über die endgültige Trasse.
Weitgehend bekannt waren auch die Positionen von TenneT, für die der Referent für Bürgerbeteiligung, Thomas Wagner, am Podium saß. An ihn gerichtet waren die meisten Einlassungen aus dem Publikum, auch die nach den Kriterien für den Trassenkorridor und der Bewertung der Einsprüche der Bürger, von denen es inzwischen etwa 1.500 gibt. Dazu konnte Wagner wenig Neues sagen, allerdings gab es die Zusage, dass jede der Anfragen beantwortet wird, bevor das Genehmigungsverfahren in Gang kommt.
Darauf vertrauen kann wohl auch die Bürgerinitiative „Stromtrasse Isernhagen-vor Ort“. Sie hatte bereits vor der Veranstaltung einen Katalog von acht detaillierten Fragen an die Verantwortlichen gesandt. Vorgestellt von Jochen Schrader und Anita Berlin wurde außerdem der Vorschlag für einen neuen Korridor, der die für Isernhagen kritischen Punkte umgeht, die Nähe zum bewohnten Gebiet in Kirchhorst-Stelle und der Verlauf des Trasse durch das Oldhorster Moor. Bogya hatte diese Linie als Kompromiss bezeichnet, der Isernhagen nützt ohne für die Nachbarn unzumutbar zu sein. Schrader betonte darüber hinaus, dass die sogenannte Hastbruch-Variante eine gute Grundlage für Kompromisse biete. Hoppenstedt, dessen Wahlkreis über alle drei Kommunen reicht, hatte diese Variante auf Anforderung von deren Bürgermeistern erarbeiten lassen.
Nicht zufrieden konnte Bogya u. a. mit der Auskunft sein, dass die derzeitige Plantrasse 60 Kilometer kürzer ist als die weiter östlich gelegene, die durch Sachsen-Anhalt und Thüringen führt und angeblich weniger Konfliktpotential birgt.
Zufrieden war der Bürgermeister dagegen mit dem Verlauf der Versammlung, die er trotz hoher Intensität als „diszipliniert“ darstellte. Zu verdanken war dies auch der Moderation von Heike Uphoff, die ebenso umsichtig wie konsequent agierte. Sie hatte die Fragen auf den Punkt gebracht, wie zum Beispiel die an Thomas Wagner: was geht vor: Mensch oder Natur? Die Antwort von Wagner: Natur ja. Es gibt auch die Möglichkeit der Erdverkabelung. Der Strom nützt aber letzten Endes den Menschen. Und die werden besser geschützt.