Sehenswerte Jahresausstellung im Wöhler-Dusche-Hof

Der stellvertretende Vorsitzende Klaus Heuer erläutert die Standorte auf der Karte. (Foto: Renate Tiffe)
 
Für die musikalische Unterhaltung zur Saisoneröffnung sorgte das Sinfonische Blasorchester Isernhagen. (Foto: Renate Tiffe)

Blick auf die Gewerbeansiedlungen im alten Isernhagen

ISERNHAGEN (ti). In einer Gemeinde, die durch ihre vielfältige Gewerbeansiedlung zu den steuerstärksten in der Region gehört, ist es interessant, einmal den Blick auf die Anfänge zu richten. Der Nordhannoversche Bauernhaus-Verein hat dies getan. „An den verehrlichen Dampfkesselüberwachungsverein“ lautet das Motto seiner Jahresausstellung 2013.
Relativ spät vollzog sich im heutigen Niedersachsen der Wandel von der landwirtschaftlich zur industriell bestimmten Wirtschaft. Im Königreich Hannover wurde die Entstehung eines Industrieproletariats befürchtet. Die Einschränkungen in der Gewerbeordnung waren rigoros und wurden erst gelockert, als Hannover unter preußische Verwaltung kam.
Neben den schon lange bestehenden Handwerksbetrieben entwickelten sich auch in Isernhagen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erste Betriebe in der Müllerei, bei den Ziegelbrennern, in der Branntweinbrennerei und als Molkerei. Auch andere Ansätze gab es vor allem am Standort NB Süd, der bis zur Gebietsreform 1974 zu Isernhagen gehörte. Erwähnt werden u. a. eine Brühwürfelfabrik und die Herstellung von Filzstumpen. Durch die Gewerbeordnung verhindert wurde ein Graphitschmelztiegelwerk.
Alle diese Betriebe gibt es heute nicht mehr bis auf die Kornbrennerei in KB, die 1876 gegründet wurde. Nicht auszudenken, was aus NB Süd geworden wäre, wenn sich die Schmelztiegelfabrik dort angesiedelt hätte, merkte die Vorsitzende des Bauernhausvereins, Dr. Inge Hanslik in ihrer Rede zur Eröffnung der Ausstellung an. Wie sie vorher ausführte, haben die Genehmigungsvorschriften den Gründern das Leben schwergemacht. So mussten bereits die Planungen im Burgdorfer Kreisblatt veröffentlicht werden, damit jedermann Einspruch erheben konnte. Es ging um den Umwelt- und den Arbeitsschutz. Viel Beharrlichkeit und ein ausgiebiger Schriftwechsel mit den Behörden gehörten dazu, wenn neue Maschinen eingeführt oder auch nur Änderungen beispielsweise beim Betrieb des Dampfkessels notwendig wurden.
Für heutige Augen etwas verwunderlich erscheint die ehrerbietige Sprache: „an den verehrlichen Dampfkesselüberwachungsverein“, der übrigens der Vorgänger des heutigen TÜV war. Vor zahlreichem Publikum enthüllte Inge Hanslik zuletzt das Modell einer Dampfkesselanlage.
Zahlreiche Schriftstücke aus besagten Bereichen wurden in der Ausstellung zusammengetragen, wobei nicht der Anspruch auf Vollständigkeit in der ganzen Gemeinde erhoben wird. Die Aufbewahrung der Urkunden wurde unterschiedlich in den einzelnen Ortsteilen gehandhabt. Dennoch ist wieder eine sehr sehenswerte und lehrreiche Schau entstanden mit vielen Gegenständen, auch aus Privatbesitz. Eine 100-Liter-Likörkruke gehört dazu, das Modell einer Bockwindmühle, Ziegelkarre und Ziegelformen und Gerätschaften für die Milchverarbeitung. Eine Karte gibt Auskunft über die Standorte der Betriebe.
Bewundernswert das Engagement, mit der die Ehrenamtlichen des Vereins die Ausstellung gestaltet haben. Unter ihnen war die frühere Vorsitzende Astrid Jeuther mit ihrem Wissen und der künstlerischen Fotografie.
In einer kleinen Extra-Ausstellung wird des 150. Geburtstages von Wilhelm Dusche gedacht, der im Haus des Wöhler-Dusche-Hofes geboren wurde. Der große Sohn Isernhagens (1863 bis 1947) war Mitglied der verfassungsgebenden Nationalversammlung 1919 und gehörte von 1920 bis 1924 dem Reichstag an.