Sechs Ortsfeuerwehren kombiniert

In der Übungsszene musste ein Bauarbeiter gerettet werden, der einen Schlaganfall erlitten hatte. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Altwarmbüchen mussten mit Atemschutz und großer Besonnenheit vorgehen, weil der Szene nach eine Gasleitung beschädigt war. (Foto: B. Garms-Polatschek)
 
Teamgeist und genaue Absprache waren in der Übung nötig, um eine verletzte Person auf der Trage sicher abzuseilen. (Foto: B. Garms-Polatschek)

36-stündige Übung für den Ernstfall

ISERNHAGEN (bgp). Bei der 36-Stunden-Übung der Isernhagener Feuerwehren am vergangenen Wochenende probten die Einsatzkräfte für den Ernstfall. Die Feuerwehren aus Altwarmbüchen, KB, HB und NB sowie Kirchhorst und Stelle hatten sich zusammengetan, um unter möglichst realistischen Bedingungen Übungseinsätze durchzuführen.
Am Freitag gegen 18.00 Uhr schlugen die Kameraden ihre Zelte und Feldbetten am Bauhof der Gemeinde Isernhagen auf. Das Camp diente während des Wochenendes als Unterbringungs- und Regenerationsort. Als alles fertiggestellt war, reichte die Zeit gerade noch, um eine Grillwurst zu essen, gegen 19.45 Uhr erfolgt bereits der erste Übungsalarm. Das Szenario: In der Friedrich-Dierks-Grundschule in Isernhagen NB war nach Handwerksarbeiten eine Gasleitung beschädigt worden und eine Verpuffung erfolgt. Ein Brandeinsatz mit Personenrettung wurde notwendig. Kurz darauf erfolgte schon der Alarm wegen eines Küchenbrandes in der Begegnungsstätte Kirchhorst. Danach gab es die Nachtruhe, am nächsten Morgen nach dem Frühstück erfolgte bereits um 9.00 Uhr der erste Alarm.
Jede Ortsfeuerwehr arbeitete den Übungszyklus ab, ohne vorher zu wissen, wann der Alarm erfolgt und was sie am Einsatzort erwartet. „Jede Ortsfeuerwehr hat Szenarien entwickelt, aus denen neun verschiedene, vom Brandeinsatz bis hin zur technischer Hilfeleistung, ausgewählt wurden“, erläuterte Gemeindebrandmeister Clive von Plehn den Übungsplan. So starteten die Feuerwehren mit einem breiten Spektrum von „eingeklemmte Person, PKW im Graben“ über eine „beschädigte Gasleitung“ bis hin zu „verletzter Bauarbeiter“ oder „verunfallte Person im Getreidesilo“. Sie bekamen jeweils zwei Beobachter von externen Feuerwehren aus Langenhagen und Burgwedel oder aus den eigenen Reihen an die Seite gestellt, die am Einsatzort warteten und die vorgefundene Situation erläuterten.
Schlag auf Schlag wurde ein "Brand am Bahndamm", "im Schornstein" oder "im Sägemehlcontainer einer Zimmerei" gelöscht. Die Rettung von verunfallten Personen wurde mit sogenannten Dummies geübt. Diese Puppen sind zwischen 60 und 80 Kilogramm schwer, um die Rettung realistisch zu simulieren. So kamen die Aktiven mächtig in das Schwitzen, da sie insbesondere bei den Einsätzen mit starker Rauchentwicklung und vermeintlichem Gasaustritt Atemschutzgeräte tragen mussten.
Besonderes Improvisationstalent bewies die Neuwarmbüchener Feuerwehr, die auf ihren Fahrzeugen lediglich eine Grundausstattung mitführt, und bei einem Unfall mit eingeklemmter Person den umgekippten PKW stabilisieren musste. Das gelang mit einer Leiter- und Seilkonstruktion, die von den Rettungskräften schnell angebracht war. Während der ganzen Übung kümmerte sich eine Kameradin um die eingeklemmte Person, bis diese aus dem Fahrzeug gerettet werden konnte.
Clive von Plehn, der mit den Beobachtern den Verlauf der Einsätze verfolgte, betonte: „Die Lage muss ständig besprochen und neu bewertet werden, um die notwendigen Maßnahmen durchzuführen“. Wichtig sei es, in der Nachbesprechung festzuhalten, was gut gelaufen sei und welche Punkte man noch verbessern könne. Verbesserungsbedarf sahen vor allem einige Einwohner, die sich über den Übungsbetrieb ärgerten.
Clive von Plehn teilte mit, dass die Übungseinsätze manchen Anwohnern nicht willkommen seien. Es werde darauf geachtet, in Wohngebieten möglichst ohne Einsatz des Martinshorns zu fahren. "Trotzdem ist es wichtig, dass die Feuerwehren die Einsatzfahrten üben, daher wird auf den großen Straßen beispielsweise an roten Ampeln oder Kreuzungen mit Martinshorn gefahren", erklärte er. Tatsächlich monierten Anwohner am Rande des Geschehens den Lärm und den Aufwand bei den Übungen. Der stellvertretende Gemeindebrandmeister Oliver Behnsen hatte jedoch den Beweis, dass es auch anders geht: Er berichtete von einem Zimmereibetrieb in Isernhagen FB, der sein Gelände für die Übung: "Brand in einem Sägemehlcontainer" zur Verfügung gestellt hatte. Die Mitarbeiter hatten für die Feuerwehrmitglieder einen großen Einkaufswagen mit Getränken bereitgestellt und einen Zettel daran gehängt: "Für die Feuerwehr".