Ortsrat Kirchhorst plädiert für eine moderate Wohnbauerweitung

Ebenso wie die Bürger wünscht sich auch der Ortsrat eine nachhaltige Nutzung für das Gelände des ehemaligen „Freizeitparks Kirchhorst“. Daher soll das Konzept für einen Streichelzoo mit angebundenem Pferdehof eingehend geprüft werden. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Dorfentwicklung in Kirchhorst war zentrales Thema der Sitzung

KIRCHHORST (bgp). „Stillstand ist Rückschritt“, fasste Gerhard Raible (CDU) die Diskussion um die zukünfige Entwicklung der Wohnbebauung in der Ortschaft Kirchhorst zusammen. Diesem Tenor folgte der Ortsrat in der Sitzung am vergangenen Mittwoch und sprach sich nahezu einstimmig für eine „behutsame Bebauung in Abstimmung mit der Infrastruktur“ aus. Diese solle im Rahmen des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP), welches 2016 rechtskräftig wird, erfolgen.
Die Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Ortsrates Kirchhorst war prall gefüllt mit Themen, die eine zukünftige Gestaltung des Dorfes betrafen. Zentrale Aspekte waren jedoch der Dorfentwicklungsplan und die Nutzung des über viele Jahre brachliegenden Geländes des ehemaligen Freizeitparks östlich der Ortschaft an der Steller Straße.
Im Vorfeld der Sitzung hatte Herbert Löffler (SPD), Mitglied im Rat der Gemeinde Isernhagen und des Ortsrates Kirchhorst, mit einer schriftlichen Vorstellung des Projektes „Dorfentwicklungsplan Kirchhorst 2017“ um die Fortschreibung des in den frühen 80er Jahren ins Leben gerufenen Dorfentwicklungsplanes für Kirchhorst gebeten. Der Ortsrat stimmte für einen Antrag von Mitteln zur Dorfentwicklung bei der Gemeinde Isernhagen, war sich jedoch noch nicht über die Höhe des Betrages einig.
Im Hinblick auf die Zukunft formulierte Löffler eine dynamische und den aktuellen Bedürfnissen angepasste Entwicklung des Ortes unter Berücksichtigung der Bürgerwünsche in einem Zeitraum von zwei Jahren bis 2017, die mit in den Dorfentwicklungsplan einfließen sollten. Gerade die Vielzahl der Aspekte wie dörflicher Charakter, ländlich, stadtnah, umfangreiche Gewerbeflächen mit ortsnahen Arbeitsplätzen und Naherholung mit Freizeitgestaltung seien schwierig, die Ortschaft habe eine „Sandwichposition“ inne.
Daher sprach er sich zunächst für eine maßvolle Wohnbebauung unter Nutzung der noch vorhandenen Flächen, z. B. am NP-Markt oder nördlich der Straße Hinter Pastors Hofe aus, mit dem Hinweis auf weitere Möglichkeiten: „Wir haben noch Potential“. Carmen Merkel (Bündnis 90/Die Grünen) verwies auf das vorliegende Gutachten eines Celler Planungsbüros, wonach der Bedarf für die kommenden Jahre auf Grund der demographischen Entwicklung und trotz großer Nachfrage noch gedeckt ist, und befürwortete die Aussetzung innerhalb der nächsten 5 Jahre. Der Ortsrat überstimmte den Antrag und folgte damit Ortsbürgermeisterin Dr. Renate Vogelgesang (CDU) zugunsten einer moderaten Baulandentwicklung.
Die Vorstellung eines Konzeptes für die Nachnutzung des Geländes „Freizeitpark Kirchhorst“ wurde ebenfalls eingehend diskutiert. Tertu Waldschmitt, Betreiberin einer Reitschule in Kolshorn, plant die Einrichtung eines Streichelzoos auf den vorhandenen Wiesen in Verbindung mit einem Pferdehof. Sie möchte den Kontakt von Kindern und Jugendlichen mit der Natur und der Tierwelt fördern und stellt sich eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Schulen vor, die ihrer Auskunft nach bereits Interesse signalisiert hätten.
Der Pferdehof solle mit einer Reitschule sowie der Vermietung von Pferdeboxen und Plätzen in Offenställen mit zur dauerhaften Finanzierung beitragen. Das Konzept befinde sich jedoch noch in der Planungsphase, so Waldschmitt, da erst der Beschluss zur Änderung des Bebauungsplanes für das ca. 12 ha umfassende Areal abgewartet werden solle.
Der Ortsrat sprach sich dafür aus, zunächst ein konkretes Konzept der Betreiberin abzuwarten, das vor allem einen dauerhaften Wirtschaftlichkeitsnachweis beinhalten müsse. Die Nachnutzung des Geländes bzw. der Rückbau von Gebäuden solle dann in einem Städtebaulichen Vertrag mit den Vorhabenträgern geregelt werden, da man befürchte, später wieder „Ruinen“ auf der Fläche stehen zu haben.
Ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Errichtung eines Schaukastens mit Informationen aus dem Ort wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, da die permanente Aktualität in Frage gestellt wurde. Die Erfahrungen aus umliegenden Ortschaften hätten ergeben, dass die Kästen häufig keine aktuellen Informationen beinhalteten und in Zeiten des Internets weitgehend überholt seien.
Die Errichtung eines prähistorisch ausgerichteten, interaktivpädagogischen Freiluftmuseums in Kirchhorst, die ebenfalls von Bündnis 90/Die Grünen beantragt wurde, soll nach dem Willen des Ortsrates in den Dorfentwicklungsplan mit aufgenommen werden.