Neuwarmbüchen erinnert sich seiner Geschichte

Ortsbürgermeisterin Maren Becker (CDU), Initiator Gerd Jäger (SPD) sowie weitere Ortsratsmitglieder und Gäste bei der Einweihung des Steines (v.l.n.r.). (Foto: Renate Tiffe)
 
Bei einem Gläschen Sekt berichtete der 91-jährige Jo Herkenrath (links), lange Zeit SPD-Ortsbürgermeister Neuwarmbüchens, Spannendes aus der Geschichte der Ortschaft. (Foto: Renate Tiffe)

Steine sollen die Vergangenheit festhalten

NEUWARMBÜCHEN (ti). In Neuwarmbüchen gibt es den „Pfad der Menschenrechte“. Findlinge mahnen jedes einzelne dieser Rechte an. Wenn es nach dem Willen des Ortsrates geht, soll in der Zukunft ein „Historischer Pfad“ durch das Dorf führen. Ebenfalls auf Steinen soll an markante Gebäude aus der Vergangenheit erinnert werden.
Der Anfang wurde am Platz der ehemaligen Gaststätte Oberheu gemacht, nahe am Ortseingang und der Bushaltestelle „Hinter den Höfen“. Dort ist jetzt ein Stein zu finden mit einer Tafel, die an die Gastwirtschaft Oberheu erinnert, die lange der Bushaltestelle ihren Namen gab. Das Gebäude wurde abgerissen und an der Stelle entstand eine Neubausiedlung. Mit dem Vergehen der Bauwerke geht auch ein Geschichtsverlust einher.
Dagegen möchte jetzt der Ortsrat etwas tun, wie die Ortsbürgermeisterin Maren Becker (CDU) bei der Einweihung des Steins betonte. Bei ungemütlichem Wetter und bereits eingetretener Dunkelheit hatten sich die Ortsratsmitglieder und einige interessierte Bürger an Ort und Stelle eingefunden, um das Ereignis zu würdigen.
Initiator von Neuwarmbüchens Ortsgeschichte in Stein ist der SPD-Ortsratsherr Gerd Jäger. Er nannte die weiteren Stationen, an denen sich bereits solche Steine befinden. An der Straße „Hinter den Höfen“ wird auf die alte Dorfschmiede hingewiesen, und an der Ziegeleistraße an die ehemals dort vorhandenen drei Ziegeleien. Am Feuerwehrhaus wird vom alten Spritzenhaus erzählt und am Gebäude der Grundschule stand einst das Gemeindehirtenhaus. Die Volksbank Hannover, die einen Teil des Oberheu-Geländes aufgekauft hatte, trug mit einer Spende von 500 Euro zur Entwicklung des Projektes bei. Weitere Sponsoren sind die Isernhagener SPD und zwei ortsansässige Familien. Er hoffe noch auf viele weitere „Erzählsteine“, sagte Jäger.
Als „Zugezogener“ in Lohne wohnend, habe er sich schon immer für die Geschichte des Ortes interessiert, in dem er lebt, meinte Jäger. Er möchte mit den „Erzählsteinen“ – wie er sie nennt - noch weitergehen. Ältere Ortsansässige sollen dazu animiert werden, ihr Wissen aus der Vergangenheit preiszugeben und evtl. durch noch vorhandene Dokumente zu ergänzen.
Ihm schwebt vor, mit Unterstützung des Ortsrates einen Arbeitskreis „Historisches Neuwarmbüchen“ zu bilden. Ein Wegweiser „Historischer Pfad“ soll erstellt werden und die Grundschule soll dafür gewonnen werden, anhand dieses Materials den Kindern die Geschichte des Ortes zu vermitteln.
Sozusagen ein „Youngtimer“ unter Neuwarmbüchens Gebäuden ist das „Haus der Begegnung“, das gerade 40 Jahre alt geworden ist. Ein willkommener Anlass, auch dort einen Stein zu setzen – und nebenbei die Außenanlagen zu verschönern. Auf die Begebenheit mit einem Glas Sekt angestoßen wurde anschließend im Innern des Hauses.
Zugegen war Jo Herkenrath, lange Zeit SPD-Ortsbürgermeister Neuwarmbüchens und Gemeinderatsmitglied, der die Entwicklung des heutigen Isernhagener Ortsteils mit geprägt hat. Der 91-Jährige erzählte lebhaft von der Baugeschichte des Hauses und von seinen wechselnden Nutzungen. „Es ist ein Glück für Neuwarmbüchen“, resümierte er. Jede Dorfgemeinschaft sei auf einen neutralen Ort angewiesen.