Mittelständler in Isernhagen diskutieren mit Ulf Thiele über Berufsausbildung

Ulf Thiele (Mitte rechts) diskutierte mit Unternehmern in Isernhagen über Berufsausbildung und Fachkräftemangel. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Thiele: „Das duale Ausbildungssystem muss gestärkt werden“

ISERNHAGEN (bgp). Ulf Thiele, Generalsekretär der CDU in Niedersachsen, traf sich zum Auftakt seiner Sommertour durch Niedersachsen mit Handwerkern und mittelständischen Unternehmern zu einem Gespräch in Isernhagen. Bei einem Frühstück sprachen die Teilnehmer über Probleme der Aus- und Weiterbildung im Handwerk.
Die Teilnehmer aus Mittelstand und Handwerk bestätigten den bundesweiten Trend, wie schwierig es sei, adäquate Auszubildende zu finden. Die Kenntnisse der Bewerber seien in Mathematik häufig nicht angemessen. Die jungen Menschen wüssten nicht, was auf sie im Berufsleben zukäme, bemängelte ein Gartenbau-Unternehmer.
Ulf Thiele, Mitglied des Kultus-Ausschusses im Landtag, setzt sich dafür ein, stark verschulte Ausbildungszweige in duale Berufsausbildungen umzuwandeln. Im Bündnis für Duale Berufsausbildung werde sich für den Praxisbezug eingesetzt, der Stellenwert der dualen Ausbildung müsse erhöht werden: „Die berufsbildenden Schulen haben das Potential“, so Thiele.
Die Fachkräfteinitiative „Bündnis für Duale Berufsausbildung“ wurde von der Niedersächsischen Landesregierung gemeinsam mit niedersächsischen Arbeitsmarktpartnern initiiert. In Zeiten schwindender Schülerzahlen und Schließungen kleinerer berufsbildender Schulen müssten duale Ausbildungszweige gestärkt werden, sagte Ulf Thiele.
Andreas Köhler, Inhaber eines Autohauses, wies darauf hin, dass mit zunehmender Technisierung auch die Anforderungen an potentielle Auszubildende stiegen. Der Kraftfahrzeugmechaniker habe durch die Entwicklung auf dem Autosektor mit elektronischen Bauteilen und zunehmender E-Mobilität andere Aufgaben als früher. Daher sei der Ausbildungsberuf des Mechatronikers geschaffen worden.
Für die veränderten Anforderungen seien mittlerweile ein Realschulabschluss mit guten mathematischen Kenntnissen oder Abitur erforderlich. Doch viele junge Menschen sähen sich nach der Ausbildung nicht im Werkstattbereich und strebten andere Tätigkeiten an. Außerdem sei das Risiko des Abwerbens von ausgebildetem Personal schwierig für die Unternehmen, so Köhler.
Die mittelständischen Unternehmer waren sich darin einig, dass eine gute Vernetzung unabdingbar sei, um Auszubildende mit guten Voraussetzungen zu finden. Vieles laufe über persönliche Kontakte und Netzwerke, sagte Andreas Köhler. Ulf Thiele sieht eine Chance, dem Fachkräftemangel mit zugewanderten Personen aus den Krisengebieten zu begegnen.
Dieses sei jedoch nur möglich, wenn die Flüchtlinge sofort Zugang zu Sprach- und Integrationskursen hätten und man danach schaue, welche Qualifikationen vorhanden seien. Wünschenswert sei eine Kommunalisierung des Systems, um die Integration und die Vorbereitung für den Arbeitsmarkt zu beschleunigen.