Mit Al durch die Alkohölle oder Tante Maxi ins Leben

Party, Party, Party und das natürlich mit jeder Menge Alkohol: Lena (Fritzi Eichhorn) scheint ein leichtes Opfer für den mephistophelischen „Al Alkohol“ (Tobias Vorberg). (Foto: Anna Kentrath)

Weiterführende Schulen Isernhagen thematisieren Alkoholismus mit Theaterstück

ISERNHAGEN (ak). Ein besonderes Lernerlebnis stand für einige Schüler des Gymnasiums Isernhagen auf dem Stundenplan: Zu Gast war die Wittener Theatergruppe „Theaterspiel“ mit dem gleichfalls unterhaltsamen wie nachdenklich machenden Stück „Alkohölle“. Thematisiert wurde die beträchtliche Gefahr eines überhandnehmenden Alkohol-Konsums – für den Betreffenden selbst, aber natürlich auch sein Umfeld.
Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ein Thema, das immer wieder die Politik beschäftigt. Die weiterführenden Schulen der Gemeinde Isernhagen richten sich in Kooperation mit der Jugendhilfe in ihrem Suchtpräventionsprogramm direkt an die betroffenen Altersgruppen. Eingebettet in eine Vor- und Nachbereitung zum Thema „Drogenmissbrauch“ in den teilnehmenden Klassen wurde das gemeinsame Anschauen des Theaterstücks „Alkohölle“, das vielschichtig verschiedene Thematiken der Alkoholabhängigkeit beleuchtete: Das Schweigen innerhalb einer Familie, das Unterschätzen des eigenen Konsums, insbesondere im Falle der bonbonsüßen Alkopops, und auch die lebenszerstörende Wirkung einer Abhängigkeit.
Erzählt wurde die Geschichte von Lena, eindrucksvoll unter die Haut gehend gespielt von Fritzi Eichhorn, die mit der TV-Serie „Alle meine Töchter“ deutschlandweit Bekanntheitsgrad erlangte. Die Protagonistin hat durch ihre Tante Maxi (Beate Albrecht) die Möglichkeit eines Praktikums in deren schlecht laufender Werbeagentur bekommen. Die flippige, unternehmungslustige Lena hingegen widmet sich lieber dem ewigen Partymachen mit ihren Freunden oder einem bevorstehenden Auftritt mit ihrer Band. Musik, Jungs und natürlich jede Menge Zigaretten und Alkohol sind für sie Garanten eines positiven Lebensgefühls und auch Ausdruck ihres Erwachsenseins.
Der Alkohol übernimmt hier zweierlei Rolle: Er hilft ihr „Spaß zu haben“, sich mutig und ausgelassen zu zeigen, „gut drauf zu sein“, aber auch den Kummer zu ertränken, wie am 15. Mai, dem Todestag ihres von ihr hoch verehrten Vaters. Dieser Vater, Ernst Heydenreich (Peter Peiseler), ist die Schlüsselfigur für Lena. Kein Familienmitglied hat es bisher gewagt, sie über die wahren Umstände seines Todes zu informieren, von einem Autounfall weiß sie, nicht aber, dass Ernst Heydenreich diesen selbst verursachte, stark alkoholisiert, viel zu schnell und nicht angeschnallt.
In der Rolle des Vaters zeigt sich gewissermaßen die zweite Erzählebene, in der aus dem Jenseits heraus der Vater versucht, seine Tochter vor dem Absturz in die Sucht zu bewahren. Ernst Heydenreich geht in dieser anderen Ebene eine Wette mit dem verführerischen Teufel ein, der sich, in die reale Welt wechselnd, „Al Alkohol“ (Tobias Vorberg) nennt. Während der Vater an die Liebe Lenas zu ihm und die Erinnerung appelliert, fährt der mephistophelische Al sein ganzes Repertoire auf, von der Verlockung des Geldes, mit einem Auftrag für die Werbeagentur hochprozentige Alkopops zu vermarkten, aber auch der verführerischen Wirkung des Rausches.
Letztendlich siegt jedoch der Schock des Erinnerns, nachdem das junge Mädchen erfährt, dass ihre Tante Maxi von ihrem Vater bei besagtem Autounfall beinahe mit in den Tot gerissen worden wäre. Verdienten, anhaltenden Applaus ernteten die Schauspieler für ihr bewegendes wie nachdenklich machendes Stück, das aber auch, in Form des Teufels, den ein oder anderen humoristischen Moment mit sich brachte.
Im anschließenden Nachgespräch stellte sich Peter Peiseler, der die Rolle des Vaters übernommen hatte, als trockener Alkoholiker vor. Offen und ehrlich beantwortete er den Jugendlichen ihre Fragen, die nach einem anfänglichen Zögern dann doch gestellt wurden. Wann haben sie angefangen zu trinken und wie wurden sie wirklich abhängig? Seinen schweren Weg heraus aus der Sucht, beschrieb Peter Peiseler den Jugendlichen, die aufmerksam seiner Lebensgeschichte lauschten. Doch auch an das restliche Team, insbesondere Beate Albrecht, die das Stück selbst geschrieben hatte, wurde die Frage gerichtet, wie sie denn auf ein solches Thema gekommen sei. Sie selbst habe an einer Essstörung gelitten, darüber eine Stück geschrieben und sei von einer Gruppe trockener Alkoholiker angesprochen worden, sich ihrer Thematik anzunehmen. In enger Zusammenarbeit mit den Betroffenen sei dann diese Geschichte entstanden, dessen Grundidee sich unverkennbar an das wohl bekannteste Stück eines großen deutschen Dichters anlehnte: Goethes Faust, wie der 13-jährige Philipp aus dem Publikum sofort zu beantworten wusste.