„Flucht und Heimat“ - ein sehr zeitgemäßes Thema

Auch Jens Köneke ließ es sich nicht nehmen, den von den Schülern nachgebaute Tunnel nach Westberlin auszuprobieren. (Foto: Renate Tiffe)

Klasse 10c der Realschule Isernhagen erarbeitete Präsentation

ALTWAMRBÜCHEN (ti). Nicht ohne Stolz auf seine 10c begrüßte der Leiter der Realschule, Jens Köneke, das zahlreiche Publikum zur Eröffnung der Ausstellung „Flucht und Heimat“. Darunter befanden sich die Spitzen aus Politik und Verwaltung in Isernhagen und einige der Zeitzeugen.
Die Abschlussklasse hatte unter Leitung ihrer Lehrer Melanie Edeling und Malte Sprengel und in Zusammenarbeit mit dem Verein „Politik zum Anfassen“ eine beeindruckende Präsentation zu einem Thema erarbeitet, das sich als überaus zeitgemäß erwies: Flucht und Heimat.
Der Pädagoge zeigte sich nicht nur von dem Ergebnis des Projektes beeindruckt. Er lobte auch seine Schülerinnen und Schüler, die sich außerhalb der Unterrichtsstunden auf das Thema eingelassen haben, die selbst dabei mehr gelernt haben, als die Ausstellung zeigen kann und ihr Wissen so aufbereitet haben, dass es auch für andere Klassen nutzbar ist. Die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Renate Vogelgesang schlug in ihrer kurzen Rede den Bogen von den Geflüchteten hier bis zu den Flüchtenden aus Syrien.
Monika Dehmel vom Verein „Politik zum Anfassen“ führte in die Präsentation ein, die sich auf mehrere Klassenräume erstreckte. In Form von spannenden Audios und Videos, auf Plakaten und Zeichnungen machten die Schüler anschaulich, was sie in den letzten Wochen erfahren haben bei Umfragen auf der Straße, in ihrer näheren Umgebung und in längeren Einzelgesprächen.
Eine Fragebogen-Aktion hatte ergeben, dass zwar 82 Prozent der Schüler wussten, was der 3. Oktober bedeutet. Der Rest meinte aber auch, dass es der Tag der Arbeit sein könne, oder dass Halloween gefeiert würde. Den Begriff DDR deuteten einige als „Das Deutsche Reich“. Das Hier-Leben einer italienischen Familie wurde geschildert und das einer polnischen Auswanderin. „Wir hatten ein Bild von Deutschland, das es nie gegeben hat“, sagte sie. Das Schlimmste sei am Anfang die mangelnde sprachliche Verständigung gewesen.
Die Nähe zum „Tag der Einheit“ am dritten Oktober brachte es mit sich, dass die oft genug verhängnisvoll endenden Fluchten aus der Ex-DDR in den Vordergrund gerückt waren. Spektakulär dabei der nachgebaute Tunnel nach Westberlin. Wer wollte unter den Betrachtern, der konnte sich in einer Tür durch ein schwarzbemaltes, langgestrecktes Styroporgehäuse in den Raum zwängen – was sich auch Jens Köneke nicht nehmen ließ. Im Raum war dann der lange Fluchtweg durch den Untergrund aufgezeichnet und beschrieben. Schicksale der Menschen wurden dargestellt, die sich auf dieses gefährliche Unterfangen eingelassen hatten.
Die Schüler-Präsentation war später gewichtiger Teil der Gedenkfeier zum „Tag der Einheit“ in Altwarmbüchen. Wie Melanie Edeling mitteilte, soll sie am Volkstrauertag in Kirchhorst noch einmal gezeigt werden.