Erzählcafe im Wöhler-Dusche-Hof war gut besucht

Herbert Bade erzählte über die Feuerwehr in Isernhagen HB, einen alten Schöpfeimer neben sich. Links im Bild Klaus Heuer, der Moderator des Erzählcafés. (Foto: Renate Tiffe)
 
Ilsedore Dauer-Böhm war mit Gedichten und Dönkens in ihrem Element. (Foto: Renate Tiffe)
Isernhagen: Bauernhausmuseum Wöhler-Dusche-Hof |

Ein Beitrag von Renate Tiffe - Viel Ortsgeschichtliches im Bauernhausmuseum Isernhagen

ISERNHAGEN N.B. (ti). Der lange Tisch von der Jahresausstellung, in der es um das Feiern geht, war aufgeteilt worden in mehrere kleine Tische mit einigen Sitzreihen vorn. In der Diele des Wöhler-Dusche-Hofs war zum Erzählcafe eingeladen worden. Viele Besucherinnen und Besucher hatten sich erwartungsvoll zum Kaffeetrinken eingefunden. Das Interesse war groß – am Anfang zum mindesten.
Ilsedore Dauer-Böhm eröffnete das Erzählcafe mit einem Gedicht, einem Loblied auf ein altes Bauernhaus. Die Verbindungen zum gegenwärtigen Museumshof lagen auf der Hand - ein gelungener Einstand. Die Moderation hatte Klaus Heuer vom Vorstand des Nordhannoverschen Bauernhausvereins übernommen.
Mit Herbert Bade war ein Erzähler gewonnen worden, der dem Publikum in unterhaltsamer Weise sehr viel über die Feuerwehr vermittelte, nicht nur über die in HB, wo der 77-Jährige von 1971 bis 1994 Ortsbrandmeister war.
Welch eine Entwicklung hat die Selbsthilfe-Einrichtung in der Gemeinde genommen, der das Isernhagener Urgestein seit 60 Jahren angehört! 1889 gegründet, als die Handspritze noch von Pferden gezogen wurde und der Hornist zum Alarmieren mit dem Fahrrad durch das Dorf fuhr, sei es nicht selten vorgekommen, dass ein Gebäude niederbrannte, nicht nur weil man zu spät kam, fügte Bade lächelnd ein.
Er erinnerte an die schlimme Zeit des Zweiten Weltkriegs im Oktober 1942 als durch die Bomben fast jeder Hof brannte und auch die Wehren aus Celle, Burgdorf und Hannover nicht mehr viel ausrichten konnten. Die genaue Ortskenntnis und die Nennung von Namen und Höfen machte seine Schilderungen für die Ortsansässigen unter den Zuhörerinnen und Zuhörern noch interessanter.
Das erste Feuerwehrhaus wurde 1973 gebaut. Auch damals ging es hauptsächlich um das Löschen von Bränden. Heute dagegen werden zu etwa 80 Prozent sog. technische Hilfeleistungen von den Ortswehren mit ihren hochtechnisierten Fahrzeugen und Einrichtungen erbracht. Eine „Episode“ aus dem Alltag durfte nicht fehlen. Die Feuerwehren sind auch zur Tierrettung verpflichtet. Genüsslich beschrieb Bade, wie er selbst mit Hilfe einer Leiter und einer Dachlatte eine Katze aus einem Baum „gerettet“, das heißt vertrieben hatte. Heute dagegen könnte der Aufwand unvergleichlich groß sein, gar nicht davon zu reden, wenn erst die Drehleiter aus Langenhagen herbeigeholt werden müsste, was für die Stunde um die 350 Euro kostet.
Die Zwischenzeiten füllte die unvergleichliche und unverwüstliche Ilsedore Dore Dauer-Böhm, sozusagen die Hausherrin des Museumshofes. Ihre plattdeutschen Wortbeiträge von Gedichten und Dönekens aus der Ortsgeschichte kommen beim Publikum immer wieder gut an und werden mit viel Beifall bedacht. Über eine Stunde war so auf anregende Weise vergangen.
Es folgten die Erinnerungen von Hans-Heinrich Heller über die Landwirtschaft in früheren Zeiten und die Darlegungen von Rechtsanwalt Rainer Hartmann über das Erbrecht auf den Höfen. Da sollten die Verantwortlichen des Bauernhaus-Vereins sich allerdings fragen lassen, ob weniger nicht mehr gewesen wäre. Das Publikum dünnte sich zusehends aus - auch weil der Kaffeegarten unter den Bäumen lockte. Es gab eben nicht viele Sonnenstunden in letzter Zeit.