Energiewendeminister Robert Habeck besuchte Grüne in Isernhagen

Solardach und Sonnenblumen, die Markenzeichen der Grünen, die sich im kleinen Rahmen zu einem Fachgespräch mit Robert Habeck (3. v. r.) trafen (v. l.): Heidrun Lemke, Siegfried Lemke, Hans-Jürgen Beck, Carmen Merkel, Fabian Peters und Felix Schünemann. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Holsteiner Politiker motivierte zu wirksamen Maßnahmen vor Ort

ISERNHAGEN/KIRCHHORST (bgp). Kommunalwahlkampf und Energiepolitik bestimmten die Diskussion der Isernhagener Grünen im Kirchhorster SolarLokal mit Robert Habeck, dem amtierenden Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume sowie stellvertretender Ministerpräsident in Schleswig-Holstein und Spitzenkandidat der Partei zur Bundestagswahl 2017.
Habeck war der Einladung zu einem Fachgespräch gefolgt, die ihm von dem Isernhagener Ortsverbandsvorsitzenden der Grünen, Felix Schünemann, anlässlich eines Termins vor dem Schleswig-Holsteinischen Landtag in Kiel überreicht worden war.
Zentrales Anliegen des Fachgespräches im kleinen Kreis der Grünen Isernhagen war der Austausch über realistische Maßnahmen zum Klimaschutz und Energiepolitik auf kommunaler Ebene.
Robert Habeck betonte die Wichtigkeit der gezielten Politik vor Ort, um langfristig auch auf höherer Ebene etwas zu bewegen: „Bei den Kommunalwahlen findet Demokratie statt. Mit einer aktiven Bürgergesellschaft entwickelt die Politik Kraft, sie ist verbindlicher." So habe er in Neustadt am Rübenberge den Widerstand der Bürger gegen das Fracking an einer Gasbohrstelle erlebt.
Der Bürgerprotest führte in der vergangenen Woche mit seiner Unterstützung zum Erfolg. Bereits am nächsten Tag habe das betreffende Unternehmen von seinem Vorhaben Abstand genommen und den Rückbau der Gasbohrstelle angekündigt. Je mehr einzelne Aktionen auf kommunaler Ebene zum Erfolg führten, desto eher sei es möglich, damit auf Landes- oder Bundesebene Akzente zu setzen, so Habeck.
Die Vertreter der Grünen Isernhagen sprachen sich vor allem für die Expansion der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien wie Windkraft und Solartechnologie aus. Die bisherige kommunale Stromversorgung durch die Energiewerke Isernhagen biete durch den Verbund mit größeren Energieversorgern, von denen der Strom wiederum bezogen werde, einen viel zu niedrigen Anteil an Energie aus erneuerbaren Ressourcen.
Sie wünschten sich mehr Energieerzeugung vor Ort mit entsprechenden Vermarktungsstrategien und einer Preisgestaltung, welche die Verbraucher mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten begünstige. Ihrer Meinung nach sollten industrielle Großverbraucher, denen bisher Strom zu weitaus günstigeren Konditionen zur Verfügung gestellt wurde, finanziell stärker belastet werden. Nachhaltige Konzepte müssten her.
Ratsmitglied Hans-Jürgen Beck betonte im Namen aller die Dringlichkeit der Aufgaben: „Klimaschutz ist die wichtigste Aufgabe der Menschheit überhaupt. Wir müssen uns abwenden von kurzfristigen auf schnelle Rendite ausgerichteten Aktionen. Nur wer das Ganze berücksichtigt, wird Entscheidungen treffen, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten." Lokal handeln und global denken sei hier die Devise.
Robert Habeck sah im Gegensatz zu den Vertretern der Grünen Isernhagen, die geplante Stromtrasse „Suedlink“ durchaus als Weg, einen hohen Anteil an nachhaltigen Formen der Energieversorgung zu gewährleisten, räumte jedoch ein, dass es auch noch andere Möglichkeiten gebe. Damit ermunterte er die Kommunalpolitiker für ihre Arbeit: „Nichts ist alternativlos, man muss für seine Meinung streiten."