Eine Handtasche als Mahnmal für Benachteiligung

Sabine Glandorf, Anna Celik, Mona Achterberg, Ursel Hoffmann, Melanie Berner und Karin Kittkowske mit Handtaschen, die etwas zu bedeuten haben. (Foto: Svenja Steinseifer)

Workshop zum „Equal Pay Day“ / Handtasche steht für rote Zahlen

ISERNHAGEN (svs). „Stellen Sie sich vor, am 31. Dezember machen die Männer ihr Portemonnaie zu“, erklärt Mona Achterberg, Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Isernhagen. Und dann? Urlaub. Um auf denselben Verdienst zu kommen, müssten Frauen noch bis Ende März weiter arbeiten – bis zum Equal Pay Day.
„Eine schön aufgeräumte Küche ist auch eine Kompetenz“, sagt Mona Achterberg, „aber Geld hat in unserer Gesellschaft einen Freiheitscharakter!“ Und genau für dieses Geld, dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, stehen die roten Handtaschen. Einer Studie zufolge sind es 23 Prozent. Zusammen mit der Künstlerin Sabine Glandorf sägten, malten und lackierten die Workshop-Teilnehmer signalrote Taschen. Am Equal Pay Day, dieses Jahr am 23. März, soll das „Kunstwerk, was ein Mahnmal ist“ in der Galerie Louise präsentiert werden.
„Ich hab das für Isernhagen mal ausgerechnet“, sagt Mona Achterberg, Gleichstellungsbeauftragte und Initiatorin des Workshops, „im Schnitt, Vollzeit vorausgesetzt, sind es 1000 Euro weniger.“ Für Sabine Glandorf steht die Tasche symbolisch für die „Roten Zahlen“. „Außerdem ist die rote Handtasche das Symbol der Business Power Woman“, sagt Glandorf.
Gerade im Schauspiel und im sozialen Bereich gehe die „Verdienst-Schere“ weit auseinander. Eine Diplompädagogin mit der Zusatzausbildung zur Sprachtherapeutin verdient in Vollzeit weniger als ein Psychologe in Teilzeit. Ein Beispiel, dass Mona Achterberg „bezeichnend“ findet. „Im Schauspiel verdienen Männer doppelt so viel“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte und spricht sich klar gegen die Ursache „Teilzeit“ aus. „Das wird den Frauen ja rollenspezifisch so zugeschustert“, sagt sie, „aber warum?“
„Da müssen wir was tun“, findet Workshop-Teilnehmerin Melanie Becker, die auch das künstlerische an der Aktion mag. Bevor es ans Malen, Sägen, Schleifen und Lackieren ging, mussten die Handtaschen zunächst einmal ausgepackt werden. Und was trägt „Frau“ in ihrer Handtasche? Gabeln, Streichhölzer, Luftpumpen, Uhren, Messer und Kopfschmerztabletten. „Frau“ ist eben für alle Eventualitäten gewappnet. „Das war schon so ein Ausziehen“, sagt Glandorf, die ein freischaffendes Atelier in der Wedemark leitet.
All diese Gegenstände wurden auf eine MDF-Platte gezeichnet und geklebt, die Handtaschen übereinander darauf drapiert. „Es ist einfach ein ganz tolles Miteinander“, sagt Glandorf, „und die Geschichten, die drum herum gerade beim Auspacken entstehen, sind einfach schön.“ Karin Kittkowske zum Beispiel hat die Tabletten nur dabei, weil sie ständig danach gefragt wird. Und Anna Celik trägt in ihrer Handtasche, na? Eine Handtasche.
Amüsante Geschichten rund um die Taschen mit einem ernsten Hintergrund: „Wenn ich mal Zeitschriften lese, dann finde ich darin Darstellungen von Frauen, die wahnsinnig glücklich über ihren Karriereausstieg sind“, sagt Achterberg, „so fördern Medien das Rollendenken!“ Mit einer Infoveranstaltung am Equal Pay Day und einer Demonstration soll in Hannover „an den Strukturen gekratzt werden“. „Die Aktion wird schon klasse“, freut sich die Gleichstellungsbeauftragte. Zusammen mit dem Isernhagener Unternehmen „Bree“ stellen die Workshop-Teilnehmer ihr dreidimensionales „Mahnmal“ am 23. März um 12 Uhr in der Galerie Louise vor.
Um nochmal zu der Frage zurück zu kommen, was „Frau“ neben Luftpumpen und Gabeln noch so alles in ihrer Tasche trägt: „Wir haben alles Mögliche da drin“, sagt Glandorf, „nur kein Geld!“