Drohnenflug soll Rehkitze retten

Marc-André Gödeke (von links), Ralf Seeßelberg, Heinrich Wieters, Karl Bartels und Georg Friedrich bei der Präsentation der Drohne in Altenhorst. (Foto: G. Gosewisch)

Enormer Aufwand vor Heuernte bleibt

ISERNHAGEN-KALTENWEIDE (gg). „Wir wollen diese Drohnen bekannt machen, die zur Rehkitz-Rettung beitragen“, sagt Ralf Seeßelberg, stellvertretender Vorsitzender des Langenhagener Vereins Hegering, bei einer Präsentation auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Heinrich Wieters in Altenhorst. Er hat 18 Hektar Gras zu mähen, um Heu zu ernten, und die Drohne soll ein wichtiger Helfer werden. Das Fluggerät gehört zu Marc-André Gödeke, der die Inititative Rehkitz-Rettung betreibt. Zum Hintergrund: Hohes Gras wird von Rehen bekanntlich als Kinderstube für Kitze genutzt. Seit je her mühen sich Landwirte, diese mit dem Heuernte-Schnitt nicht zuschaden oder gar umkommen zu lassen. Hintergrund des Problems ist die Natur der Kitze, denen in den ersten Lebenstagen der Fluchtinstinkt fehlt. Quasi ohne Eigengeruch und damit vor Fressfeinden wie dem Fuchs relativ sicher, bleiben sie liegen und warten, bis sie von der Ricke, der Reh-Mutter, abgeholt werden. Üblich war bisher, mit einem spezialisiert-ausgebildeten Hund die Fläche ablaufen zu lassen, weil diese sogenannten Vorsteh-Hunde einige Meter vor den Kitzen von sich aus wie erstarrt verharren und damit dem Hundeführer anzeigen, wo ein Fundort ist. Knisternde Tüten oder ähnliche Störgegenstände werden dann aufgestellt, damit die Ricken alarmiert sind und mit ihrem Nachwuchs weiterziehen. „Selten geworden sind diese Hunde“, sagt Georg Friedrich im Gespräch mit dem ECHO bei der Präsentation. Zusammen mit Karl Bartels hat er in Altenhorst das Jagdrevier gepachtet, spricht regelmäßig mit den Landwirten vor dem Grasschnitt, um die besagten Maßnahmen zeitlich optimal abzustimmen. Da aber die Arbeitsabläufe im landwirtschaftlichen Betrieb und insbesondere die Witterung Terminvorgaben machen, obliegt die Hege meistens beim Landwirt allein. Heinrich Wieters erklärt: „Es gibt auch technisch Helfer, wie einen besonderen Pieper am Trecker, aber der hilft nur, wenn Kitze schon alt genug sind und dann von alleine fliehen.“ Er setzt auf Teamarbeit, freut sich über Helfer, die vor dem Mähwerk vorauslaufen und nach Kitzen Ausschau halten. Die Kitze werden dann umgesetzt, was auch nicht einfach sei, weil kein Händegeruch an ihnen haften darf, sonst werden sie von den Ricken nicht mehr versorgt. Beim Aufspüren der Kitz-Liegestellen soll nun die Drohne helfen. Die kombinierte Infrarot-Kamera liefert Bilder auf eine Fernsteuerung mit Display, allerdings nur, wenn der Temperaturunterschied zwischen Luft und Kitz-Körpertemperatur technisch ausgelesen wird, also idealerweise morgens früh. Dann muss ein Helfer zum Fundort loslaufen und das Kitz fachgerecht sichern. Alles in allem, es bleibt ein enormer Aufwand, den Heinrich Wieters aber nicht scheut, schließlich geht es für die Kitze um Leben und Tod. Erfahrung mit dem Einsatz der Drohne hat Landwirt Fritz-Gerald Thies aus Isernhagen schon aus dem vergangenen Jahr. Er bestätigt: „Das ist eine gute Sache.“ Insbesondere für den früheren Grasschnitt zwecks Silage-Herstellung sei Vorsicht geboten. Beim späten Schnitt gäbe es gute Chancen, dass die Kitze aus ihrer Kinderstube schon ausgezogen sind, so sein Hinweis.
Marc-André Gödeke will sich weiterhin helfend einbringen, seine Drohne kann einen Hekar in zehn Minuten absuchen. Er telefonisch erreichbar, um Termine zu vereinbaren. Bald soll das auch online gehen. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.rehkitzrettung-langenhagen.de, Helfer und Sponsoren werden dringend gesucht.