„Die Schwerpunkte haben sich deutlich verschoben“

Bürgermeister Arpad Bogya (rechts) überreichte den Bürgerpreis an die Geehrten (v. l.): Flora Collin, Erika Koch-Weide und Dorothee Berkelmann für die Initiativgruppe Begegnungsstätte Kirchhorst und Barbara Schindewolf-Lensch für das Helfernetzwerk Isernhagen. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Das WallStreetTheatre begeisterte die Zuschauer mit Akrobatik und Jonglage. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Gemeinde Isernhagen feierte den „Tag des Ehrenamtes“

ISERNHAGEN (bgp). Die Gemeinde Isernhagen hatte am vergangenen Wochenende die ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürger zu einer Feier in den Isernhagenhof geladen. Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des Bürgerpreises, der in diesem Jahr mit insgesamt 2.100 Euro dotiert war.
Bürgermeister Arpad Bogya hob in seiner Rede hervor, dass diese Feier lediglich ein Dank sei, jedoch in keinem Verhältnis zu der Arbeit stehe, die von jedem Einzelnen geleistet werde. Der Charakter des Ehrenamtes habe sich mittlerweile verschoben und beschränke sich nicht auf einige wenige, sondern umfasse ein großes bürgerschaftliches Engagement in Isernhagen.
„Hier wollen alle helfen“ umriss er die Stimmung in der Gemeinde. In den vergangenen Jahren sei großartige Arbeit in vielen Bereichen geleistet worden, gegenwärtig liege der Schwerpunkt auf der intensiven Unterstützung geflüchteter Menschen.
Das Engagement für die Flüchtlinge in den Kommunen sei „das letzte und schwächste Glied, um staatliche Aufgaben zu erfüllen.“ Bogya machte damit deutlich, dass die komplexen Anforderungen zur Bewältigung der aktuellen Situation in Deutschland ohne Ehrenamtliche nicht umzusetzen seien.
Dr. Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, fand deutliche Worte in seinem Vortrag zur Sachlage bei der Versorgung von Flüchtlingen in den Städten und Gemeinden. Er vermisse Signale der Bundesregierung, um die Zuwanderung der Flüchtlinge auf ein zu bewältigendes Maß zu begrenzen.
Momentan sei es noch möglich, bundesweit etwa 1,5 Millionen Personen unterzubringen, aber die Belastungsgrenze sei bald erreicht. Trips betonte das moralische Dilemma, in dem sich Städte und Gemeinden befinden. Sie wollen helfen, aber nicht überfordert werden. Dabei räumte er ein, dass die Stimmung zunehmend „angestrengter“ sei, jedoch radikale Tendenzen auf jeden Fall verhindert werden müssen.
Anschließend sorgte das WallStreetTheatre „Herr Schultze und Herr Schröder“ mit einer Mischung aus trockenem englischen Humor und einer Prise Artistik für gute Stimmung, um zur feierlichen Verleihung des Bürgerpreises überzuleiten. Der mit 2000 Euro dotierte Bürgerpreis wurde 1991 erstmals verliehen und alle zwei Jahre vergeben.
In diesem Jahr wurden acht Vorschläge eingereicht, drei davon wurden von der Jury ausgewählt. Die Jury, bestehend aus je einer Person der Ratsfraktionen (vier) und vier Personen aus der Bürgerschaft sowie dem Bürgermeister, legte eine Drittelung des Preises fest und rundete die Summe mit 3 x 700 Euro auf. Die Geehrten erhielten einen Scheck über 700 Euro, verbunden mit einer Ehrungsurkunde und Blumen, von Bürgermeister Arpad Bogya überreicht.
Zunächst wurde die Initiativgruppe Begegnungsstätte Kirchhorst, vertreten von Erika Koch-Weide und Dorothee Berkelmann geehrt. Sie besteht seit 1997 und bietet Informationsveranstaltungen zu aktuellen Themen an, Kurse für Erste Hilfe, organisiert einen Herbst- und Frühlingsmarkt sowie Spieleabende und Handarbeitsrunden, generationsübergreifende Treffen und vieles mehr. "Ein schönes Beispiel für Zusammenarbeit und eigenständige Gestaltung des Dorflebens mit Engagement und Herzblut", so Bürgermeister Bogya.
Flora Collin wurde für ihr vielfältiges Engagement, insbesondere für den internationalen Frauentreff Isernhagen, geehrt. Sie setzt sich für interkulturelle und internationale Aktivitäten ein, ist Integrationslotsin und hat sich in der Vermittlung der Sprache an Frauen, die aus dem Ausland zu uns kommen, verdient gemacht. Sie begleitet Senioren zu Arztbesuchen, gab Grundschulkindern Hausaufgabenhilfe und war SOS - Notfalltagesmutter (seit 1994).
Das Helfernetzwerk Isernhagen besteht seit Dezember 2003 und wurde von Barbara Schindelwolf-Lensch vertreten, welche die Ehrung entgegen nahm. Das Netzwerk entstand aus Mitgliedern der Bürgerstiftung, engagierten Bürgerinnen und Bürgern, dem DRK, der Gemeindeverwaltung und weiteren Personen, sodass über hundert Engagierte darin eingebunden sind. Über das Helfernetzwerk werden unter anderem die Koordination von Spenden und Verwaltung, Fahrradwerkstatt, Sprach- und Bildungsangebote sowie Arbeitsmarktzugang organisiert.