Den Rotstift ansetzen? Vorsicht bei der Feuerwehr!

Frisch befördert: v.l. Michelle Myga, Florian König, Alina Bootsmann und Franziska Rinne. (Foto: Philipp Suppan/FFW)

Klartext bei der Hauptversammlung der Feuerwehr Altwarmbüchen

ALTWARMBÜCHEN (ti). Meistens wird bei den Jahreshauptversammlungen der Freiwilligen Feuerwehren darüber berichtet, was alles erreicht worden ist und was für das laufende Jahr geplant wird, Beförderungen und Ehrungen eingeschlossen. Probleme, gar Zukunftssorgen, rangieren nicht selten weiter hinten. Bei der jungen Schwerpunktwehr in Altwarmbüchen ist das anders. Hier wird Klartext geredet, nicht nur von Ortsbrandmeister Marc Perl.
Der nahm angesichts der zahlreichen Gäste aus Politik und Verwaltung als erstes die Gelegenheit wahr, den Vertretern von CDU und SPD für die angekündigte Sparrunde ins Stammbuch zu schreiben, bei den Ausgaben für die Feuerwehr zum mindesten vorsichtig zu sein. Sparen am falschen Ende könnte sich verhängnisvoll auswirken für die Motivation der - meist jungen - Feuerwehrleute.
Perl forderte zu intensiven Gesprächen mit den Verantwortlichen auf, bei denen auch die Reihenfolge beim künftigen Bau der Gerätehäuser eine Rolle spielen sollte.
62 Aktive zählt die Wehr zur Zeit. Die Mitgliederzahl in der Jugend-und Kinderabteilung (16 und 42), geleitet von Alexander Scholl und Claudia van Veen, ist fast ebenso hoch. Viel zu gering ist dagegen mit 166 die Anzahl der fördernden Mitglieder bei etwa 10.000 Einwohnern in Altwarmbüchen.
Die Zahl der Einsätze hat sich gegenüber 2010 im Jahr 2011 von 103 auf 68 verringert. Davon waren 15 Brandeinsätze, 22 mal rückte die Feuerwehr zu technischen Hilfeleistungen aus und 10 mal zur Tierrettung. Insgesamt war es also ein „ruhiges“ Jahr, resümierte Perl. Was sich 2012 abrupt änderte, wie sein Stellvertreter Philipp Suppan am Ende der Versammlung bekannt gab. An 34 Tagen wurde schon 18 mal nach der Feuerwehr gerufen.
Die Aus- und Weiterbildung ist lebenswichtig für die Feuerwehren. In die Einsatzabteilung aufgenommen werden konnten Torben Malzahn und Christoph Valentin. Aus der Jugendabteilung kamen dazu: Moritz Mohme, Chris Stolorz, Natalie und Saskia Schmuhl, Dennis Heinrich und Aylina Yildirm. Zu Feuerwehrmännern, bzw. -frauen stiegen auf: Alina Bootsmann, Florian König, Michelle Myga und Franziska Rinne. Beförderungen gab es für Steffen Ehling, Jan Hackbarth, Catharina Ehling, Dennis Hinze, Marcel Rösemeier und Björn van Veen. Geehrt wurden Günther Gutsche und Gustav Havemann sen. für 60 Jahre fördernde Mitgliedschaft.
Außer dem mangelnden Platz im Gerätehaus bereitet die zur Zeit in Reparatur befindliche Drehleiter dem Altwarmbüchener Kommando große Probleme. Ein Schaden in Höhe von 60.000 Euro steht an, für den die Versicherung nicht aufkommt, weil er nicht im Einsatz entstanden ist. Der stellvertretende Zugführer Thomas Blawind erläuterte die Gründe. Für eine sichere Handhabung müssen die Einsatzkräfte (allesamt Ehrenamtliche) am Gerät geschult werden. Da könne es schon mal kleinere Beschädigungen geben. Bei der verhältnismäßig hohen Reparatursumme sollte bedacht werden, dass die Kosten für Unterhaltung und Reparatur deutlich höher liegen als bei Tank- oder Löschfahrzeugen, zumal es sich um das gebrauchte Fahrzeug einer Berufsfeuerwehr handelt.
Bürgermeister Arpad Bogya hielt dagegen, dass das Gerät generalüberholt gewesen sei, als es 2009 angeschafft wurde. Im März sei es wieder einsatzbereit. Wann die Drehleiter – wie von Suppan angemahnt - in Burgwedel mit eingesetzt werden kann steht dahin. Noch gelten die dortigen Einsatzpläne und bei den Wegstrecken gibt es keine Unterschiede.
Eine weitere Herausforderung ist die Tagesverfügbarkeit der Einsatzkräfte. Die meisten von ihnen arbeiten nicht in Altwarmbüchen oder Isernhagen. Zwar gebe es die Alarm- und Ausrückeordnung vom Gemeindekommando. Für die Zukunft müsste aber vor Ort mehr Personal zur Verfügung stehen. Deutliche Kritik äußerte Suppan an den landesweiten Aktionen in dieser Hinsicht. „Wir brauchen keine nutzlosen Kampagnen in der einen oder anderen Richtung: mehr Frauen, mehr Migranten“. Das alles finde in Altwarmbüchen schon statt.
Die Feuerwehr sei aber überfordert, wenn es um Geld und Werbefachleute gehe. Anschreiben und Plakate haben bisher nichts gebracht und auch der neue Flyer lasse nicht viel erwarten. – Sein Groll sollte nicht ganz ungehört verhallen. Mit Jörg Schallhorn ist der Landesbranddirektor soeben als förderndes Mitglied in die Altwarmbüchener Wehr eingetreten.