CDU bleibt in der Gemeinde Isernhagen stärkste Fraktion trotz herber Verluste

Die Vorsitzende der FDP Isernhagen, Christiane Hinze (Mitte stehend), konnte sich im Kreis ihrer Mitstreiter über ein respektables Ergebnis freuen. Dennoch war die Freude nicht ungetrübt. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Gemeindebürgermeister Arpad Bogya (l.) sah mit Sorge auf die Entwicklung des Wahltrends der Kommunalwahl 2016. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

AfD hält Einzug in den Gemeinderat mit 9,9 Prozent der Gesamtstimmen

ISERNHAGEN (bgp). Viele Bürger gingen am vergangenen Sonntag in die Wahllokale, um ihre Stimme für die Regionsversammlung, die Gemeindewahl und die Ortsratswahlen abzugeben.
Die Wahlbeteiligung war in der Gemeinde Isernhagen mit 61,6 Prozent deutlich höher als in 2011 (55,5 Prozent). Die Auszählung der Wählerstimmen hielt bis in die Nacht an, belastbare Ergebnisse lagen nach der Wahl erst gegen zwei Uhr vor.
Im Rathaus Isernhagen füllte sich der Saal gegen 19.00 Uhr mit Interessenten, die auf erste Wahlergebnisse warteten. Die Gemeinde Isernhagen aktualisierte die Ergebnisse ständig und projizierte die Übersichten auf eine Großleinwand.
Die Stimmung unter den Bürgerinnen und Bürgern war durchwachsen, denn vor allem das Erstarken der AfD auf Regions- und Gemeindeebene hatten viele nicht erwartet.
"Sie haben bisher kein Programm und noch nichts vor Ort geleistet", ärgerte sich ein Bürger. Allgemein herrschte der Schock über den Zuspruch bei der AfD vor, den viele als Ursache für die Verluste bei den anderen Parteien sahen.

Durchwachsene Stimmung bei FDP

Trotz guter Ergebnisse der FDP mit 13,1 Prozent bei der Gemeindewahl und somit einem Plus um 5,1 Prozentpunkte im Vergleich zu den Kommunalwahlen 2011 (8,0 Prozent) war den Liberalen nicht zum Jubeln zumute, da die etablierten Parteien im Gemeinderat Zuwachs durch die AfD bekommen werden.
Bei den Ortsratswahlen punktete die FDP ordentlich mit 16,4 Prozent der Stimmen (2011/8,6 Prozent), in den Ortschaften Isernhagen KB (26,3 Prozent) und Neuwarmbüchen (26,0 Prozent) lag sie sogar noch vor der SPD (Isernhagen KB 21,2/Neuwarmbüchen 21,8 Prozent). Angesichts der dramatischen Verluste bei den übrigen etablierten Parteien zeigte sich die Vorsitzende der FDP, Christiane Hinze, erschüttert: "Mir fehlen die Worte".

Herbe Verluste für die CDU

Fassungslosigkeit herrschte auch bei der CDU über das Wahlergebnis in Isernhagen und auf Regionsebene. „Eine erschreckend schwache CDU", fasste Gemeindebürgermeister Arpad Bogya (CDU) am Wahlabend im Rathaus das vorläufige Ergebnis nach den ersten Hochrechnungen zur Regionswahl (Isernhagen 2016/34,8 Prozent, 2011/40,5 Prozent) zusammen.
Dieser Trend spiegelte sich auch in der Gemeindewahl wider, bei der die CDU 35,9 Prozent der Stimmen bekam, nachdem sie 2011 noch mit 44,9 Prozent der Wählerstimmen aus den Kommunalwahlen hervorgegangen war. Der herbe Verlust der CDU, die auf Gemeindeebene 11,0 Prozentpunkte einbüßte, fiel in den Ortsratswahlen mit 38,1 Prozent (2011/45,5 Prozent) und einem Minus der Wählerstimmen von 5,7 Prozentpunkten jedoch geringer aus.
Arpad Bogya mochte sich am Abend keinen Spekulationen über den Wahlausgang hingeben. Sollte dieser jedoch auf die Bundespolitik zurückzuführen sein und sich daraufhin eine Protestwahl auf lokaler Ebene im Ergebnis niederschlagen, könne er das nicht nachvollziehen.

SPD bleibt zweitstärkste Fraktion

Die SPD hatte ebenfalls mit Verlusten zu kämpfen, diese beliefen sich mit 24,2 Prozent (2011/28,0 Prozent) auf ein Minus von 3,8 Prozentpunkten in der Gemeindewahl. Bei der Wahl der Ortsräte fiel die Minusbilanz mit 2,8 Prozentpunkten moderater aus, dort erreichte die Partei 26,2 Prozent (2011/28,8 Prozent). Am meisten Zustimmung erhielt die SPD für den Ortsrat in Altwarmbüchen, 28,6 Prozent der Stimmen entfielen dort auf sie.

Verluste auch bei den Grünen

Die Grünen mussten Einbußen um minus 5,4 Prozentpunkte hinnehmen. Sie erhielten Zustimmung von 11,8 Prozent der Wähler auf Gemeindeebene (2011/17,2 Prozent), in den Ortsräten fielen die Verluste mit 11,7 Prozent (2011/16,2 Prozent) etwas geringer aus. Am stärksten vertreten sind die Grünen im Ortsrat Isernhagen KB mit 15,3 Prozent der Wählerstimmen, in Isernhagen FB werden die Grünen nicht vertreten sein.

Weitere "Neulinge" am Start

Ute Bobe, die nach dem gemeinsamen Start mit der Bürgerstimme Isernhagen eine Trennung vollzog und als Einzelkandidatin antrat, schaffte aus dem Stand 2,5 Prozent der Wählerstimmen auf Gemeindeebene, für den Ortsrat lag die Physiotherapeutin und Heilpraktikerin aus Altwarmbüchen mit 9,7 Prozent noch vor der Bürgerstimme Isernhagen, die als Startergebnis 7,2 Prozent bekam.
Im Gemeinderat erreichte diese Wählergruppe um Heiko Weichert 2,5 Prozent. Der Kirchhorster Unternehmensberater Thomas Mazur blickt auf 25 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik zurück und stellte sich als parteiloser Einzelbewerber um einen Sitz im Ortsrat bei den diesjährigen Kommunalwahlen. Er konnte 621 Stimmen von 1.687 abgegebenen Stimmen (12,9 Prozent) in Kirchhorst auf sich vereinen.
Die Linke wird weder im Gemeinderat noch in den Ortsräten vertreten sein. Die Partei hatte bisher einen Sitz im Gemeinderat Isernhagen, ist aber weder zu den Gemeinde- noch zu den Ortsratswahlen erneut angetreten.

Ergebnisse im Überblick:

Die Ergebnisse im Überblick: Gemeinderat Isernhagen. CDU (12.572 Stimmen/35,9 Prozent), SPD (8.463 Stimmen/24,2 Prozent), FDP (4.593 Stimmen/13,1 Prozent), Grüne 4.138 Stimmen/11,8 Prozent), AfD Niedersachsen (3.447 Stimmen/9,9 Prozent), Einzelbewerberin Ute Bobe (991 Stimmen/2,8 Prozent), Bürgerstimme Isernhagen (769 Stimmen/2,2 Prozent).
Ortsratswahlen Gesamtstimmen: CDU (13.123 Stimmen/38,1 Prozent), SPD (9.027 Stimmen/26,2 Prozent), FDP (5.635 Stimmen/16,4 Prozent), Grüne (4.031 Stimmen/11,7 Prozent), Bobe (1.153 Stimmen/3,3 Prozent), Bürgerstimme Isernhagen (860 Stimmen/2,5 Prozent), Mazur (621 Stimmen/1,8 Prozent).

Weitere Ergebnisse sind auf der Internetseite der Gemeinde Isernhagen unter www.isernhagen.de oder direkt auf der Seite der Region Hannover unter www.wahlen-regionhannover.de einzusehen.