Bürger sollen das Zentrum mitgestalten

Die Prioritäten der Bürger wurden optisch schnell sichtbar, da sie an einigen Stellen besonders viele Punkte aufgeklebt hatten. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Landschaftsarchitektin Katharina Müller (l.) erläutert Anwohnerin Christel Weidner den Wegeplan des derzeitigen Zentrums. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Planungsbüro ermittelt die Wünsche aus der Bevölkerung mit einem Bürgerparcours

ALTWARMBÜCHEN (bgp). Der Planungsprozess zur Umgestaltung des Zentrums von Isernhagen schreitet voran. Mittlerweile hat die Gemeinde Isernhagen das Büro argeplan ag mit der Entwicklung eines städtebaulichen Entwurfs beauftragt. Dieser dient als Grundlage für die bauliche Umsetzung, welche 2018 beginnen soll. Die Gemeinde Isernhagen hat nun alle Bürger dazu eingeladen, ihre Meinung zu der Gestaltung des Ortszentrums zu äußern. An zwei Nachmittagen hatten die Bürger Gelegenheit, bei Bänken, Blumen oder Treffpunkten ebenso wie bei Bäumen oder Beleuchtung mitzureden.
Am Donnerstagnachmittag herrschte nicht nur auf dem Wochenmarkt in Altwarmbüchen reges Treiben. Hinter den Marktständen hatten die Mitarbeiter des Planungsbüros argeplan ag einen Bürgerparcours aufgebaut, an dessen Stationen verschiedene Punkte abgefragt wurden. Viele Bürger nutzten die Möglichkeit, mit Klebepunkten ausgestattet an den Plakatwänden ihre Wünsche kundzutun. Sie wählten aus, ob Bänke, Wasserspiele und Bepflanzung gewünscht werden oder wo sie am liebsten parken. Der Architekt und Stadtplaner des Büros argeplan, Jörg Günther, legt großen Wert darauf, die Standpunkte der Bürger hinsichtlich der Gestaltung des Zentrums zu erfahren: „Wir möchten möglichst viele Meinungen sammeln und die Bürger in die Planung einbinden, damit wir wissen, was gewünscht wird“, erklärte er die Art der Befragung im Rahmen eines Bürgerparcours. Auf den Bänken hatten die Stadtplaner originelle umgestülpte Blumentöpfe platziert, in deren Löcher kleine Holzdübel eingeworfen werden konnten. Jeder Topf stand für eine Antwort auf eine Frage. So wurde nach den Altersgruppen gefragt, dem Geschlecht oder wie lange jemand braucht, um in das Zentrum zu gelangen. Anhand der Anzahl und Farbe der eingeworfenen Dübel können verwertbare Erkenntnisse für die Planung gewonnen werden.
Landschaftsarchitektin Katharina Müller erläuterte den Besuchern einen Plan des jetzigen Zentrums, in den die Bürger ihre am häufigsten genutzten Wege einzeichnen sollten. Anwohnerin Christel Weidner orientierte sich auf dem Plan und stellte lachend fest: „Als ich 1959 nach Altwarmbüchen gezogen bin, war hier, wo wir jetzt stehen, ein Kornfeld“. Sie zeichnete ihre Laufwege mit einem Filzstift in die Karte ein, auf der sich schon zahlreiche farbige Linien befanden. Schnell wurden die Schwerpunkte sichtbar, nicht nur auf der Karte, sondern auch auf den Plakaten. Allein die Anzahl der Klebepunkte machte optisch deutlich, was die Bürger wünschen. Gute Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf stehen auf der Agenda weit oben, ebenso wie attraktive Aufenthaltsqualität im Zentrum.
Diese wünscht sich auch Tanja Bunke, welche mit ihrer Familie in Altwarmbüchen lebt. „Das zerfledderte blaue Band sieht nicht mehr so gut aus“, sagt die zweifache Mutter, während sie gemeinsam mit ihren Kindern Ben (9) und Jana (6) die Punkte auf ein Plakat klebt, mit dem nach den Einrichtungen gefragt wird, welche oft besucht werden. Bunke staunt, dass die Bücherei nicht mit aufgeführt ist und trägt diese gleich per Hand im entsprechenden unteren Feld ein, denn diese ist bei ihr und den Kindern besonders beliebt. Tanja Bunke spricht sich klar für den Erhalt der Durchfahrt aus, da viele Eltern auf dem Weg zur Arbeit ihre Kinder mit dem Auto zur Schule oder zum Kindergarten bringen müssten. Dennoch solle auch die Verkehrsberuhigung erhalten bleiben. „Ich wünsche mir sehr, dass es einen Bioladen gibt“, fügt sie in punkto Einkaufsmöglichkeiten hinzu. Es habe einmal einen Bioladen gegeben, dieser sei aber nach kurzer Zeit wieder geschlossen worden, bemängelte Bunke. Sie fahre immer nach Burgwedel oder Bothfeld, um Biowaren einzukaufen, daher wäre ein solches Geschäft vor Ort ihr größter Wunsch. Die Lebensqualität sei in Altwarmbüchen jedoch sehr gut, betonte Tanja Bunke, die gerne mit ihrer Familie im Ort lebt.
Im Anschluss an die Auswertung des Bürgerparcours wird es Aufgabe der Stadtplaner sein, im Fachausschuss der Gemeinde ein Konzept vorzustellen, in das die Wünsche der Bürger eingeflossen sind. Die Präsentation des Konzeptes sei für September vorgesehen, dann gehe es mit der Planung weiter, so Jörg Günther.