Wichtigste Frage ist die nach dem notwendigen Einkommen

Unsere Expertin Manuela Budewell von der Pressestelle der Deutschen Rentenversicherung Bund, Berlin. (Foto: AXA)
 
Unser Experte am Telefon: Michael Franke; geschäftsführender Gesellschafter Franke und Bornberg, Institut für Analyse und Ratings von Versicherungen, Hannover. (Foto: AXA)

Große Resonanz auf die Info-Aktion zum Thema „Existenzsicherung“

ALTKREIS BURGDORF (r/bs). Nicht alles im Leben lässt sich planen, doch gerade die unvorhersehbaren Ereignisse können schnell zur existenziellen Bedrohung werden. Eine plötzliche Krankheit, ein Unfall, Pflegebedürftigkeit oder sogar der Tod eines Familienmitglieds werfen alle Pläne über den Haufen, denn sie führen auch zu erheblichen Einkommensverlusten.
Zwar tritt in vielen Fällen eine gesetzliche Versicherung ein, aber sie kann nur einen Teil der Finanzlücke schließen – private Vorsorge ist heute also notwendiger denn je. Risikolebensversicherung, Pflegevorsorge, Berufsunfähigkeit, Unfallversicherung – die Experten an unserem Lesertelefon sorgten für Orientierung bei allen Fragen rund um den Existenzschutz.

Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich berufsunfähig werde? Schließlich ist eine Berufsunfall(BU)-Versicherung mit Kosten verbunden…
Michael Franke, Franke und Bornberg: Nach der Statistik der gesetzlichen Rentenversicherung scheidet im Durchschnitt jeder fünfte Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben aus. Je nach ausgeübtem Beruf liegt die Wahrscheinlichkeit auch darüber. Das Risiko, berufsunfähig zu werden, ist also sehr groß.

Wann besteht Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente?
Manuela Budewell, Deutsche Rentenversicherung Bund: Grundsätzlich muss die Mindestversicherungszeit von insgesamt fünf Jahren mit Beitragszahlungs- beziehungsweise Kindererziehungszeiten erfüllt sein. Zusätzlich müssen in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung für mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt eingegangen sein. Ist beides gegeben, sind die medizinischen Voraussetzungen zu klären: Wer weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, hat Anspruch auf eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung erhält, wer noch mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kann.

Wie hoch fällt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente aus?
Manuela Budewell: Das hängt unter anderem von den individuell zurückgelegten Versicherungszeiten ab. Wer das 27. Lebensjahr vollendet und die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllt hat, erhält einmal pro Jahr vom Rentenversicherungsträger eine Renteninformation. Hier ist die aktuelle Höhe der vollen Erwerbsminderungsrente aufgeführt.

Welche Rentenhöhe sollte ich bei Abschluss einer privaten BU ins Auge fassen?
Anja Grigat, Versicherungsberaterin bei der Verbraucherzentrale NRW: Das richtet sich natürlich sehr nach den persönlichen Lebensumständen, maximal sind jedoch 75 Prozent des Nettoeinkommens abzusichern. Um ein genaueres Bild zu bekommen, stellen Sie sich die Frage, wie viel Rente Sie im Ernstfall benötigen, um Ihre Fixkosten zu decken. Legen Sie bei der Bewertung nicht den aktuellen Lebensstandard zugrunde, denn es wird im Krankheitsfall ohnehin kaum möglich sein, diesen zu halten.

Ich bin Jahrgang 1958. Welche Regelungen in Bezug auf die Erwerbsminderungsrente gelten für mich?
Manuela Budewell: Wer bis Ende 1960 geboren wurde, genießt noch einen sogenannten Berufsschutz und erhält dann eine teilweise Erwerbsminderungsrente, wenn er in seinem bislang praktizierten Beruf nicht mehr tätig sein kann. Alle ab dem 2. Januar 1961 Geborenen müssen laut Gesetzgebung auch in Tätigkeiten weiterarbeiten, die nicht ihrer Qualifikation entsprechen. Wer noch mindestens sechs Stunden pro Tag arbeiten kann, hat keinen Anspruch auf eine staatliche Erwerbsminderungsrente.

Mir ist eine BU zu teuer. Gibt es Alternativen?
Michael Franke: Die BU bietet eindeutig den besten Schutz für den Verlust der Arbeitskraft und hat daher auch ihren Preis. Wer eine BU nicht bezahlen kann oder will, sollte sich Angebote zu alternativen Absicherungskonzepten einholen. Hierzu gehören etwa Erwerbs- oder Grundfähigkeitsversicherungen oder Multi-Risk-Policen. Die Unfallversicherung ist eine sinnvolle Ergänzung, aber keine echte Alternative.

Schützt eine BU-Versicherung auch für den Fall, dass ich pflegebedürftig werde?
Michael Franke: Nur bedingt. Die BU leistet auch bei Pflegebedürftigkeit die versicherte Rente, aber maximal bis zum Ende der vereinbarten Leistungsdauer. Also maximal bis zum 67. Lebensjahr. Bei Pflegebedürftigkeit besteht der Absicherungsbedarf lebenslang. Daher ist eine zusätzliche Pflegeversicherung zu empfehlen.