Schlachteplatte: deftiger Genuss für die kalte Jahreszeit

Ein Augen- und Gaumenschmaus: Büfett mit Schlachteplatte. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Wild ist weitgehend fettfrei und ausgesprochen bekömmlich

„Frisch schmeckt es am besten“, das hörte man früher häufig, nachdem auf den Dörfern ein Schlachtefest kurz vor seinem Höhepunkt stand. In den so genannten „schlechten Jahren“ nach dem Krieg wurden in beinahe jedem Haus Schweine gehalten.
Fleisch war teuer im Handel, die Männer verdienten nicht viel und deswegen hielt man sich eben Schweine, zur Selbstversorgung, damit man das mühsam erarbeitete Geld für etwas anderes ausgeben konnte. Schweine haben den Vorteil, dass sie Allesfresser sind, man konnte sie also aus dem eigenen Garten ernähren, musste nur wenig Futter zukaufen. Im Herbst stand dann das Schlachtefest an. Das dauerte zwei bis drei Tage, denn meistens musste nicht nur ein Schwein sein Leben lassen, sondern zwei oder drei. Am Abend zuvor kam der Hausschlachter, schlachtete die Tiere. Die Verarbeitung folgte am nächsten Morgen.
Es war eine Heidenarbeit, die der Schlachter und die insbesondere die Hausfrauen dann zu erledigen hatten. Es musste immer ausreichend kochendes Wasser im Schlachtekessel zur Verfügung stehen, die Zwiebeln, so knapp 30 Pfund je ausgewachsenem Schwein wollten geschält werden, dann hatte der Schlachter zwischendurch noch Extrawünsche. Die Hausfrauen hatten alle Hände voll zu tun und zwischendurch bekam der „Mann mit dem Messer“ einen Korn, „damit er den richtigen Geschmack behält“, wie es hieß. Das taten die Frauen gern, ihnen blieben ein paar Momente zum Klönen und Sitzen.
War das Schwein in Stücke zerteilt, dann wurden zuerst die Braten geschnitten, die noch am selben Tag in Konserven oder Gläser eingekocht wurden. Dann ging es an die Wurst, zunächst die Kochwurstsorten wie Leberwurst, Knappwurst. Die Rohwürste wie Mettwurst und Bregenwurst waren später an der Reihe, wenn das Fleisch für die Kochwürste im Kessel vor sich hin simmerte. War das Fleisch gar, musste es auskühlen, dann wurde es durch den Wolf gedreht, mehrmals, bis es die richtige Feinheit hatte. An der Kurbel standen dann die Frauen. Dann wurde das Brät gewürzt und abgeschmeckt und schließlich auf Dosen gefüllt und in den Darm gepresst.
Wenn alle Arbeiten beendet waren, was nichts anderes hieß, dass von dem Schwein nur noch die Borsten vorhanden waren, kam der Höhepunkt: Die Schlachteplatte, mit kräftigem Brot und Butter, Mett, Leberwurst, Wellfleisch, Rotwurst, Knappwurst, Sülze. Alles was der Schlachter an den beiden Tagen geschaffen hatte, wurde nun der Prüfung unterzogen. „Frisch schmeckt es am besten“, hieß es dann, wenn die fünfte Scheibe Brot mit großem Appetit gegessen wurde.
Die Zeiten sind heute vorbei, in denen man möglichst viele Kalorien zu sich nehmen musste, um die Arbeit leisten zu können, die jeden Tag aufs Neue bevor stand. Heute werden Schlachteplatten von vielen Restaurants angeboten. Sie beziehen ihre Waren meistens von Fleischereien, die nach den alten Hausschlachtrezepten ihre Waren herstellen aber mit dem Fett dabei haushalten. Man sollte es einfach mal probieren, das ist richtige Wurst, kein schnittfest gemachtes Wasser und schmeckt wirklich gut.
Wer noch eine Alternative sucht zu Schlachteplatte, Gans, Fisch, Meeresfrüchten oder Grünkohl, weil er es schon zur Genüge auf Weihnachtsfeiern, Kohlfahrten oder Vereinswanderungen genossen hat, der entscheide sich für Wild. Wild hat viele Vorteile: Es ist mineralhaltig, weitgehend fettfrei und ausgesprochen bekömmlich. Außerdem bedenke man: Jedes Stück Wild kann schneller laufen als der Tierarzt mit der Spritze. Auch sind die Zeiten vorbei, in denen man zurecht sagen konnte, Wild habe einen unangenehmen Beigeschmack. Das konnte man in den Zeiten vor der Tiefkühltechnik häufig sagen. Viele Restaurants bieten Wild auf ihren Karten mit großem Erfolg an und die großen Lebensmittelketten lassen auch keinerlei Bedürfnis der Verbraucher in dieser Beziehung unerfüllt. Man sollte es einfach mal ausprobieren. Die Zubereitung am eigenen Herd ist einfach, wie bei Rind und Schwein, nur Wild ist eher gar.