Erdbeeren - Hochgenuss zum Sommeranfang

Erdbeeren in allen Reifestadien: Nur die roten Früchte sollte man ernten, denn einmal gepflückt reift die Erdbeere nicht mehr nach. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Jetzt hat die Freilandsaison der roten Früchtchen begonnen

BURGDORF/REGION (hhs). Stellen Sie sich vor, Ihnen bietet jemand Spargel zum Selbststechen an! Sie würden dankend ablehnen. Bietet einem jemand allerdings Erdbeeren zum Selbstpflücken an, dann läuft uns schon das Wasser im Munde zusammen, man meint, die süßen kleinen roten Früchte schon auf der Zunge zu haben, die Nase gaukelt einem bereits sanft verströmendes Erdbeeraroma vor, der Gedanke an einen Biss in die Frucht erscheint dem Gehirn verlockend, man schmeckt schon die leichte aromatische Säure auf der Zungenspitze und schließlich diese herrlich fruchtige Süße. In diesem Moment weiß man es ganz genau: Jetzt müssen Erdbeeren her!
Erdbeeren sind beinahe das gesamte Jahr über im Handel verfügbar. Aber man vergesse dabei nicht: Wer in der Weihnachtszeit frische Erdbeeren will, sollte damit rechnen, dass diese um die halbe Welt zu uns geflogen sind. Ökobilanz also schlecht, und dann besteht auch noch die Gefahr, „schnittfest gemachtes Wasser“ zu erwerben. Erdbeeren läuten bei uns den Sommer ein. Man kann deutsche Erdbeeren ab etwa Ende Mai überall kaufen in den Lebensmittelmärkten und bei den Erzeugern. In Gewächshäusern gezogene Früchte gibt es schon ein paar Wochen früher, aber die haben auch ihren Preis. Die günstigste Methode, in den Besitz dieser köstlichen Früchte zu gelangen, ist und bleibt eben das Selbstpflücken.
Doch zunächst sollte man mit einigen Irrtümern aufräumen: Erdbeeren sind keine richtigen Beeren wie zum Beispiel Johannis- oder Stachelbeeren, sondern sogenannte Sammelnussfrüchte wie die Himbeere. Eine Beere ist eine Frucht, die außen eine Schale als Hülle hat, in deren Innerem das Fruchtfleisch liegt und die eigentlichen Samen umschließt. Das ist bei den Sammelnussfrüchten anders: Die Früchte der Erdbeere, es sind die kleinen braunen Punkte auf der roten Frucht, liegen ganz außen. Betrachtet man sie unter der Lupe, dann haben sie große Ähnlichkeit mit Nüssen und sie sind ebenso hart. Das markant rote Teil, das wir Erdbeere nennen, ist die nach der Bildung der Nussfrüchte stark wachsende Blütenachse.
Unsere modernen Gartenerdbeeren, die wir im Handel finden, sind nicht mit der hier heimischen Walderdbeere verwandt. Es sind alles Nachkommen aus einer Kreuzung von Nord- und südamerikanischen Erdbeeren um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Urahnen unserer Gartenerdbeere waren um ein Mehrfaches größer als unsere Walderdbeere, deren Früchte nur etwa die Größe einer Haselnuss erreichten. Aber eines haben die Züchtungen bisher nicht erreicht: den unvergleichlichen Geschmack und das Aroma unserer heimischen Walderdbeere.
Mit Erdbeeren kann man eine Menge machen: Sie eignen sich als Rohkost, gehören zu den Bestandteilen des Obstsalats, man kann mit ihnen Torten belegen, selbst zubereitete Konfitüre aus Erdbeeren schmeckt unvergleichlich gut. Man kann sie zu Eis und mit Eis verarbeiten oder zu Fruchtjoghurt, nicht zu verachten sind sie mit Sekt und Wein aufgegossen als Bowle oder im Rumtopf. Sogar zu Wein kann man sie keltern.
Als Konserven oder als Tiefkühlware sind die Erdbeeren wegen ihrer weichen Konsistenz weniger geeignet. Beim Kauf von Erdbeeren sollte man aber auf eines immer achten: Man entscheide sich für richtig ausgereifte Erdbeeren. Sie sind rings herum rot. Wenn die Erdbeeren unreif gepflückt werden, dann reifen sie nicht nach. Erdbeeren sind darüber hinaus Sensibelchen: Niemals in einer Tüte lagern oder transportieren, immer in einer Schale oder in einem Korb. Sie weisen schnell unansehnliche Druckstellen auf. Man kann sie über Nacht im Kühlschrank frisch halten. Dabei sollte die Temperatur 6 Grad Celsius nicht unterschreiten. Frisch gemahlener Pfeffer aus der Mühle ist ein ausgesprochen guter Geschmacksverstärker für frische Erdbeeren.