20 Jahre Familie und Geborgenheit

Ein Teil des Teams um Geschäftsführer Gebert. Ein hochwertiges Pflegeangebot bedarf immer eines guten und motivierten Teams. (Foto: Admir Celovic)
 
Geschäftsführer Rolf Gebert führt das Pflegeheim Familie und Geborgenheit seit 20 Jahren. (Foto: Admir Celovic)
 
Die Philosophie von Familie und Geborgenheit ist einfach aber effektiv - das Wohl der Bewohner stets an erster Stelle. (Foto: Admir Celovic)

Eine Erfolgsgeschichte aus Wettmar

WETTMAR (r). Als Rolf Gebert im Januar 1996 das Pflegeheim Familie und Geborgenheit in Wettmar eröffnete, hat er noch so etwas wie Pionierarbeit geleistet.
„Damals bestand das Gesundheitssystem in Deutschland, wie wir es heute kennen, eigentlich nur auf dem Papier“, erinnert sich der Geschäftsführer. Trotzdem entschloss er sich dazu, in dieser Branche Fuß zu fassen und ein eigenes Pflegeheim in Betrieb zu nehmen.
20 Jahre später ist das Pflegesystem eine tragende Säule des Sozialwesens in Deutschland, denn die Deutschen werden immer älter – und der Bedarf nach angemessener Betreuung älterer Menschen immer größer.
Rolf Gebert hat diese Entwicklung seinerzeit antizipiert. Für die Behörden war er als Experte im Bereich Sozialwesen damit betraut, Einrichtungen wie Pflegeheime auf ihre finanzielle Situation hin zu überprüfen. Der gelernte Ökonom entwickelte im Laufe der Zeit so ein tiefgehendes Verständnis für die Materie, weit über den Rahmen des Wirtschaftlichen hinaus.
„Ich habe erkannt, dass die Zufriedenheit und das Wohlergehen der Bewohner die erste Priorität eines Pflegeheims sein müssen. Leider war das oftmals nicht der Fall. Ich war überzeugt, dass ich das besser machen könnte“.
Das Selbstvertrauen war nicht unbegründet. Zwei Jahrzehnte später ist das kleine Pflegeheim Familie und Geborgenheit immer noch in Wettmar anzutreffen. Das unscheinbare Gebäude wirkt auf den ersten Blick überhaupt nicht wie eine Pflegeeinrichtung und fügt sich nahtlos in die umgebende Nachbarschaft ein. Das passt zum Konzept der Einrichtung, die ein familiäres Umfeld vorsieht, in dem betreute Menschen in Würde und Geborgenheit ihren Lebensabend verbringen können.
Die leitenden Angestellten verstehen unter dem Wort Pflegeheim daher auch keine Einbahnstraße, in denen das Personal Abläufe und Behandlungen diktiert. Heimleiterin Bajra Celovic führt dazu aus: „Unser Pflegeangebot richtet sich maßgeblich an den persönlichen Möglichkeiten unserer Bewohner. Wir greifen erst dann gezielt ein, wenn deren Fähigkeiten nicht mehr ausreichen, um das alltägliche Leben zu bewältigen. In allen anderen Fällen möchten wir diese Fähigkeiten erhalten und Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Frei nach dem Motto, soviel Hilfe wie nötig, sowenig Hilfe wie möglich“.
Der Ansatz ist auch deshalb möglich, weil die überschaubare Einrichtung am Rande von Wettmar deutlich kleiner ist, als die meisten anderen Pflegeheime. Mit 31 Plätzen erscheint Familie und Geborgenheit geradezu bescheiden im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen, die teilweise mehrere hundert Plätze anbieten.
Geschäftsführer Rolf Gebert ist glücklich über diesen Umstand: „Wir können uns nur deshalb so intensiv um unsere Bewohner kümmern, weil wir uns auch die Zeit für sie nehmen können. Selbst wenn ich doppelt so viel Platz hätte, würde ich diesen nicht ausreizen – mir würde schlicht das Personal fehlen, um weiterhin hochwertige Betreuung anbieten zu können“.
Tatsächlich kommen auf die 31 Bewohner im Hause Familie und Geborgenheit stolze 29 Mitarbeiter. Da fast alle Mitarbeiter pflegerisch tätig sind erreicht die Einrichtung annährend ein 1:1-Verhältnis zwischen Bewohnern und Mitarbeitern – untypisch für Pflegeheime, die schon seit geraumer Zeit alle mit erheblichen Personalproblemen zu kämpfen haben.
Die Arbeit als Pflegekraft erfreut sich keiner großen Beliebtheit, da Arbeitsaufwand, die Art der Arbeit, die Arbeitszeit und die Vergütung für viele als unattraktiv gelten. Da die Zahl der Nachwuchskräfte stagniert, der Bedarf an Pflegemöglichkeiten jedoch kontinuierlich zunimmt, sehen sich viele Einrichtungen mit Problemen konfrontiert.
Auch Geschäftsführer Rolf Gebert nimmt das Problem ernst und weiß um seine Tragweite. Für ihn sind die Aufrechterhaltung des Personalbestands und die Gewinnung von geeignetem Nachwuchs die zentralen Herausforderungen der Zukunft: „Pflegequalität und Mitarbeiter gehen Hand in Hand. Sowohl was die Anzahl der Angestellten angeht, als auch deren Qualifikation. Gott sei Dank sind diese Faktoren bei uns stabil – man muss jedoch einiges dafür tun, damit dies auch in der Zukunft so bleibt. Ich bedanke mich bei unseren Mitarbeiter für die tolle Arbeit – sie ist es, was uns auszeichnet“.
Das sieht auch der Qualitätsbeauftrage der Einrichtung so. Matthias Thäle ist seit 2012 bei Familie und Geborgenheit und bringt reichlich Vorerfahrung aus anderen Pflegeheimen mit: „Ich habe in der Vergangenheit viele Pflegeeinrichtungen kennengelernt. In keiner davon konnte ich die familiäre Atmosphäre spüren, wie ich sie in F & G erlebe. Hier haben wir eine überschaubare Zahl an Bewohnern, wodurch eine individuelle und menschliche Pflege ermöglicht wird. Das liegt aber auch an den gut ausgebildeten Mitarbeitern. Ihre Motivation ist ein Schlüsselfaktor für unseren Erfolg“.
Die Entwicklung des Pflegeheims Familie und Geborgenheit über die letzten 20 Jahre hinweg ist durchgehend ruhig und unaufgeregt verlaufen. 1998 wurde das Haus ausgebaut, um etwas mehr als 20 Bewohner fassen zu können. In den letzten Jahren wurde der Platz nochmal etwa erweitert und das Gebäude saniert, um den Anforderungen der Zeit gerecht werden zu können.
Bedarf für weitergehenden Umbau sieht die Geschäftsführung nicht. Lediglich der Garten soll komplett umgebaut werden. Noch wird er kaum genutzt und außer ein paar Bäumen und Sträuchern ist er recht kahl gehalten. „Wir planen, den knapp 1.500 m² großen Garten umzugestalten und für unsere Bewohner mit Leben zu füllen“, erzählt der Geschäftsführer sichtlich bewegt. „Das wird nicht nur optisch was hermachen, sondern auch die Lebensqualität unserer Bewohner erhöhen. Wer genießt nicht die Aussicht auf einen wunderschönen Garten mit seinen prächtigen Pflanzen?“
Das 20-jährige Bestehen des Pflegeheims Familie und Geborgenheit wird natürlich ausgelassen gefeiert. Traditionell veranstaltet das Haus jedes Jahr ein eigenes Sommerfest, bei dem die freiwillige Feuerwehr aus Wettmar anrückt und beim Aufbau hilft. Auch der Bürgermeister gibt sich die Ehre und alle Angehörigen und Freunde sind herzlich eingeladen, die Veranstaltung am 14. Juli zu besuchen.
Neben leckeren Grillgerichten und selbstgemachten Salaten gibt es auch Bier für alle Gäste und kleine Unterhaltungsmöglichkeiten für Kinder. Heimleiterin Bajra Celovic freut sich auf das bevorstehende Fest: „Es ist immer wieder schön, solche Feste zu veranstalten, gerade weil auch immer viele Angehörige der Bewohner teilnehmen. Sich mit ihnen auszutauschen ist nicht nur aufschlussreich, sondern auch erfüllend, da unsere Philosophie sich bestätigt. Die Angehörigen merken, dass wir uns gut um ihre Lieben kümmern. Das lassen Sie uns regelmäßig spüren“.
Die nächsten 20 Jahre? „Werden wir wieder Pionierarbeit leisten“, gibt der Geschäftsführer Rolf Gebert lachend zurück. Denn das Pflegewesen in Deutschland sieht sich mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, vom demographischen Wandel bis hin zum Bewerbermangel beim Personal. Dies verlangt den Verantwortlichen einiges ab. An einem wird sich jedoch nichts ändern, legt sich Rolf Gebert schon fest: „An unserem Erfolgsrezept. Betreuten Menschen ein Leben in Würde ermöglichen, trotz hohem Alter und gegebenenfalls auch Krankheit. Eben eine Familie und Geborgenheit bieten.“