Zwei Förderschulen ab September unter einem Dach

Überangebot an Räumen: Die Albert-Schweitzer-Schule hat im Zuge der Einführung der Inklusion viele Schüler an die Grundschulen verloren. Sie kann deswegen vier Klassen der Pestalozzi-Schule aufnehmen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Bürgermeister Axel Düker, Christine Blanke, Leiterin der Albert-Schweitzer-Schule, Bernard Siegl als Leiter der Pestalozzi-Schule, und Sven Hübner, Geschäftsführer Erziehung und Bildung Nord der Pestalozzi-Stiftung (v.l.n.r.). (Foto: Hans Hermann Schröder)

Vier Klassen der Pestalozzi-Schule lernen in der Albert-Schweitzer-Schule

GROSSBURGWEDEL (hhs). Mit insgesamt vier Klassen zieht die Pestalozzi-Schule zum nächsten Schuljahr in die Burgwedeler Albert-Schweitzer-Schule um.
Die Kooperation soll das Schulleben der Albert-Schweitzer-Schule wieder stärken. Zum anderen verspricht sich die Pestalozzi-Stiftung vom Umzug ins Schulzentrum eine bessere Reintegration der Schülerinnen und Schüler im Sinne der Inklusion. In der vergangenen Woche stellten Christine Blanke, die Leiterin der Albert-Schweitzer-Schule, sowie Sven Hübner und Bernard Siegl von der Pestalozzi-Stiftung das Projekt vor.
„Wir haben hier bisher in großem Luxus gelebt, wir hatten Massen von Räumen“, umschrieb Christine Blanke die Situation ihrer Schule bisher. Sie freue sich, dass die Pestalozzi-Schule jetzt mit vier Klassen Teil des Schulzentrums werden wird. Zwei Förderschulen unter einem Dach werden sicherlich zu einem spannenden Experiment geraten insbesondere auf dem Lernfeld Sozialverhalten.
Die Schülerinnen und Schüler könnten hier ein ganz besonderes Schulgelände genießen mit hohen alten Bäumen, einem Hügel und vielen Rückzugsmöglichkeiten. Die Kolleginnen und Kollegen der Albert-Schweitzer-Schule würden gegenwärtig im Rahmen der Inklusion jeweils zwei Grundschulen Betreuen und natürlich auch hier unterrichten.
Burgwedels Bürgermeister Axel Düker hält den Zusammenzug der beiden Förderschulen für eine schöne und sinnvolle Sache. „Die Kinder hier zusammenzubringen, ist eine gute und logische Konsequenz“, sagte er. Mit einem Mietvertrag über drei Jahre haben die Stadt Burgwedel und die Pestalozzi-Stiftung die Kooperation vor Kurzem besiegelt. Für Sven Hübner, Geschäftsführer Erziehung und Bildung Nord der Pestalozzi-Stiftung, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung: „Unsere Förderschule in Burgwedel ist eine Durchgangsschule. Das heißt im Klartext: unser erklärtes Ziel ist die Rückschulung der Schülerinnen und Schüler an die Regelschule“, so Hübner. „Mit den neuen Räumen in der Albert-Schweitzer-Schule kommen wir jetzt auch optisch aus unserer Randlage heraus und können direkt ins Schulzentrum ziehen.“
Wer in den letzten Jahren einen Blick auf die Parkfläche hinter der Pestalozzi-Schule warf, entdeckte außerdem ein ungewöhnliches Bild: Zwei Container wurden hier bereits 2002 aufgestellt, um Klassen der Jahrgangsstufen fünf bis neun neue Unterrichtsräume zu bieten. Denn die Nachfragen nach Förderschulplätzen für den Förderbedarf Soziale und Emotionale Entwicklung und Geistige Entwicklung waren Jahr für Jahr in der Privatschule gestiegen – die vorhandenen Klassenräume der Pestalozzi-Schule in Burgwedel reichten nicht mehr aus. Dank den neu angemieteten Unterrichtsräumen in der Albert-Schweitzer-Schule können die Container jetzt entsorgt werden.
„Insgesamt werden so etwa 40 Kinder und Jugendliche der Klassenstufen fünf bis neun zukünftig in der Albert-Schweitzer-Schule unterrichtet und können hier zugleich erstklassig ausgestattete Unterrichtsräume nutzen“, erklärt Geschäftsführer Sven Hübner. Zehn Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter der Pestalozzi-Schule werden unter Leitung von Nils Haunert, stellvertretender Schulleiter der Pestalozzi-Schule, die Schulklassen hier unterrichten.
Zurückgreifen können sie dabei nicht nur auf die Schulräume, die mit einer Auslegung für elf bis zwölf Schüler optimal für den Förderschulbedarf ausgerichtet sind, sondern auch auf eine breite Infrastruktur der Albert-Schweitzer-Schule: eine Sporthalle, Fachräume für Werken, Physik, Chemie und Musik und eine gemeinsame Küche. Auch das Lehrerzimmer, der Pausenhof und die Aula werden zukünftig gemeinsam von beiden Schulen genutzt. Räume und Inventar, die seit Einführung der Inklusion von der Albert-Schweitzer-Schule nicht mehr gebraucht wurden. „Wir sind sicher, dass wir mit der Pestalozzi-Schule als Mieter so auch das Schulleben der Albert-Schweitzer-Schule wieder stärken können“, erklärt Sven Hübner.
Der Umzug könnte aber nicht nur der Pestalozzi-Schule, sondern auch den angrenzenden Schulen Vorteile bringen, findet Hübner. „Die Nähe zum Schulzentrum kann den kollegialen Austausch des Gymnasiums und der Oberschule mit unseren Lehrern mit sonderpädagogischer Erfahrung im Förderschwerpunkt Soziale und Emotionale Entwicklung fördern“, hofft Hübner.
Am Donnerstag nach den Sommerferien wird das große Kennenlernen stattfinden. Gegenwärtig besuchen 27 Kinder die Albert-Schweitzer, dann kommen 40 Kinder der Pestalozzi-Schule hinzu.
Die Situation auf dem Schulhof wird sich stark verändern. Die Albert-Schweitzer-Schule beschult beinahe ausnahmslos Mädchen, in der Pestalozzi-Förderschule sind 90% Jungen. Viele Dinge müssen jetzt gemeinsam geregelt werden, die Pausenaufsicht zum Beispiel und gemeinsame Dienstbesprechungen. Christine Blanke freut sich darauf: „Dann werden wir hier schnell wieder ein richtig pulsierendes Schulleben auf dem Schulgelände haben“, sagt sie. Am Donnerstag nach den Sommerfreien soll es damit gleich beginnen. „Wir werden und bemühen, an den ersten Tagen möglichst viele Berührungspunkte zwischen den Schülerinnen und Schülern zu schaffen“, erklärt die Schulleiterin. „Wahrscheinlich mit einem Speed-Dating, mit vielen Spielen und mit Sport.“