Zur Landtagswahl: Stellungnahmen der Parteien zur Ortsumgehung Fuhrberg

Knapp 13.000 Kraftfahrzeuge befahren jeden Tag die L 310 in Fuhrberg. „Viel zu viel“, so die Bürgerinitiative Bifum. Sie will das Thema Umgehungsstraße weiter im Gespräch halten. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Bürgerinitiative für Umgehungsstraße bat Kandidaten um Antworten

FUHRBERG (hhs). In gut vier Wochen ist Landtagswahl in Niedersachsen und das ist immer eine gute Zeit, die an der Wahl teilnehmenden Parteien zu den brennenden Themen im Wahlkreis Stellung nehmen zu lassen. Die Bürgerinitiative für eine Umgehungsstraße in Fuhrberg, Bifum, weiß das.
Sie hat es bei der letzten Landtagswahl schon einmal gemacht, und wegen des damaligen Erfolgs jetzt wieder. „Die Parteien wollen die Fuhrberger Bürger nicht im Regen stehen lassen“, brachte Götz Hackelberg von der Bürgerinitiative den allgemeinen Trend schmunzelnd auf den Punkt im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten.
Es sind demnach ausgesprochen freundliche Antworten bei der Bifum eingegangen zum Großvorhaben Bau einer Ortsumgehung für Fuhrberg. Und man wird den Eindruck nicht los, dass alle angesprochenen Parteien einer Lösung der Verkehrsprobleme in Fuhrberg vollkommen offen und positiv gegenüberstehen und vor allen Dingen die Problematik kennen.
Grundlage der Befragung ist ein umfangreicher Fragebogen, den die Bifum ausgearbeitet hat. Das Spektrum reicht von „Sind Sie der Meinung, dass die bisherigen Maßnahmen ausreichend sind“ über „Hat Ihre Partei Vorschläge zur Verkehrsberuhigung?“ und „Ist Ihre Partei mit diesem Thema beschäftigt und findet die Umgehungsstraße Berücksichtigung in Ihrem Wahlprogramm?“ bis hin zu „Können Sie sich vorstellen, sich als Abgeordneter aktiv für eine Umgehungsstraße einzusetzen?“ Da durften die Mitglieder der Bifum gespannt sein auf die Antworten.
Zunächst die Stellungnahme des SPD-Landtagsabgeordneten Marco Brunotte, der sich am 19. Januar zur Wiederwahl stellt. Brunotte hatte erst neulich in einer kleinen Anfrage den Stand der Umgehungsstraße bei der Landesregierung abgefragt und einen ablehnenden Bescheid erhalten: Er hält die bislang getätigten Maßnahmen für nicht ausreichend. Er teile die Anschauung der Landesregierung nicht, es sei falsch, die Belastung der Fuhrberger ausschließlich am Verkehrsaufkommen festmachen.
Feinstaub, Lärm und die Entwicklung des Schwerlastverkehrs blieben dabei außen vor. Die Sanierung der Ortsdurchfahrt bringe eine kurzfristige Entlastung. Die Umgehungsstraße bleibe die einzig dauerhafte Lösung. Er werde weiter in Landtag und Region für die Umsetzung der Umgehungsstraße werben. Die SPD habe diesmal kein Wahlprogramm aufgestellt, sondern ein Regierungsprogramm, in dem übergeordnete Ziele festgeschrieben sind. Deswegen finde sich die Umgehungsstraße nicht darin. Er selbst werde sich für die Realisierung der Fuhrberger Umgehungsstraße einsetzen und auch nach alternativen Möglichkeiten der Entlastung suchen.
Rainer Fredermann ist der Landtagskandidat der CDU und Konkurrent von Marco Brunotte für ein Direktmandat. Er unterstütze den Bau der Umgehungsstraße, sofern die Mehrheit der Bürger diese befürworten. Die formalen Voraussetzungen für den Bau habe man geschaffen. Er sehe aber, dass es in Fuhrberg selbst keine einheitliche Auffassung für oder gegen eine Umgehungsstraße gebe. Man müsse aber auch an den Ursachen des Verkehrsaufkommens arbeiten und über weiträumige Lösungen nachdenken. Dazu zähle auch eine Busanbindung von Wietzebruch/Celle zum S-Bahnhof Mellendorf.
Christiane Hintze, die Kandidatin der FDP, hat selbst fünf Jahre in Fuhrberg direkt an der L 310 gelebt. Sie hält die Ortsdurchfahrt für nicht mehr zeitgemäß und für gefährlich insbesondere für Schulkinder. Die Begrenzung auf Tempo 30 nachts nütze wenige gegen die Lärmbelästigung. Allerdings sieht sie auch die Ängste der an der Straße liegenden Geschäfte, wenn die Umgehung gebaut werde. Die Regionsversammlung habe einen Beschlussvorschlag zum Bau der Ortsumgehung im Süden Fuhrbergs unterstützt. Angesichts der Finanznot des Landes könnten nicht alle Vorhaben zeitnah umgesetzt werden. Deswegen müsse man weiter für die Umgehungsstraße werben. Sie werde sich für das Anliegen der Bifum einsetzen.
Von Bündnis 90/Die Grünen in Burgwedel hat Raffael Beime geantwortet. Die Grünen sind nicht grundsätzlich gegen eine Umgehungsstraße, wenn diese mehrheitlich gewünscht wird. Allerdings sollten noch wichtige Fragen zuvor geklärt werden: Wasserrecht, Finanzierung, wertvolle Biotope, Waldwege, Naturschutzgebiete, Erholungsräume dürften durch die Trasse nicht zerstört und Ausgleichsflächen müssten geschaffen werden. Liege ein endgültiges Konzept für das Vorhaben auf dem Tisch, dann sollen die Fuhrberger darüber noch einmal verbindlich abstimmen.
Auch Wolf Liebetrau von den Piraten kann auf Erfahrungen als ehemaliger Einwohner Fuhrbergs zurückgreifen. Er sieht in einem innerörtlichen Lösungsansatz für die Fuhrberger Probleme nicht das richtige Mittel. Dem sei eine Ortsumgehung vorzuziehen. Inwieweit Fuhrberger Betriebe und Geschäfte durch eine Umgehung beeinträchtigt würden, sei gegenwärtig nicht zu sagen. Es fehlen belastbare Erhebungen dazu. Liebetrau glaubt, es handele sich in Fuhrberg weitgehend um Transitverkehr. Er werde sich im Landtag für den Ansatz der Stadt Burgwedel einsetzen.
Für die Freien Wähler hat deren Spitzenkandidat Torsten Jung geantwortet. In Bezug auf Wohn- und Lebensqualität hält Jung eine Umgehungsstraße für wichtig. Zudem hat er sich die Mühe gemacht, über eine Menge Anregungen zur Verkehrsberuhigung nachzudenken wie Verkehrsinseln und Begrünung. (Hierzu ist anzumerken, dass Jung offenbar nicht wusste, dass die L 310 Teil des militärischen Grundnetzes ist und deswegen Fahrbahnverengungen und Ähnliches nicht möglich sind). Jung versprach, sich als Landtagsabgeordneter für die Fuhrberger Belange einzusetzen.