Zeitgemäße Bestattungskultur auf kommunalen Friedhöfen

Nicht nur der Ortsrat, auch interessierte Einwohner fanden sich zur Begehung des Friedhofes ein. (Foto: Renate Tiffe)
 
Ortsbürgermeister Heinz-Theo Rockahr und Martin Rießler mit dem Plan vom Planungsbüro „Sport- und Freiraumplanung Dieter Grundmann“. (Foto: Renate Tiffe)

In Thönse beginnen am Montag die Vorbereitungen für das Urnenfeld

THÖNSE (ti). Wichtigster Tagesordnungspunkt in der vergangenen Sitzung, die der Thönser Ortsrat auf dem Fahrrad absolvierte, war die Besichtigung des Friedhofs. Martin Rießler vom Bauamt der Stadtverwaltung stellte detailliert den Plan für die Neustrukturierung der Grabfelder vor.
An Ort und Stelle konnte der Ortsrat noch Fragen zur Umgestaltung stellen, der er zustimmte. Auch über Erleichterungen bei der Pflege der großen Familiengrabstätten wurde gesprochen.
Schon seit Langem drängen die Kommunalpolitiker auf eine Anpassung der Friedhöfe an eine zeitgemäße Bestattungskultur. Immer mehr wird Wert auf ein Urnenbegräbnis gelegt. Auf den Burgwedeler Friedhöfen in Engensen, Kleinburgwedel, Oldhorst, Thönse und Wettmar stieg deren Anteil in den letzten fünf Jahren von 42 auf knapp 55 Prozent.
Und da die Angehörigen oft nicht mehr in der Lage sind, die Pflege der Grabstätten zu übernehmen, fällt immer häufiger die Entscheidung für ein pflegeleichtes Rasengrab oder ein anonymes Grab. Die Vielfalt der Grabarten auch bei der Erdbestattung hat zugenommen. Auch die Nachfrage nach sogenannten Baumgräbern wird immer hörbarer. Warum sollen solche Beisetzungen irgendwo in der Ferne stattfinden, im „Friedwald“ oder im „Ruheforst“, wenn wir solche Lösungen vielleicht auch auf unseren Friedhöfen anbieten könnten, hatte Thönses Ortsbürgermeister und Ratsherr der Stadt gefragt.
Damit wurde eine Diskussion angestoßen, die schließlich Anfang dieses Jahres zu einem Auftrag an die Verwaltung führte. Erarbeitet werden sollte ein ortsteilübergreifendes Konzept zur mittelfristigen Entwicklung der kommunalen Friedhöfe.
Das ist inzwischen in hervorragender Weise geschehen. In den kommenden Ortsratssitzungen wird Martin Rießler auch in den anderen Ortsteilen seine Vorschläge unterbreiten. Thönse kann dabei sozusagen als Vorreiter angesehen werden.
Was nicht ganz von ungefähr kommt, weil Heinz-Theo Rockahr als Bestattungsunternehmer viele Erfahrungen beisteuern konnte. Z.B. dass die Gänge zwischen den Grabreihen oft zu schmal für die Sargträger sind. Durch die Vielfalt der Bestattungsmöglichkeiten entstehen auch immer mehr Grünflächen zwischen den Grabstellen.
In Thönse sind die Vorbereitungen jetzt soweit gediehen, dass Rießler schon den fertigen – vom Ortsrat bereits vorher beratenen - Plan vom Planungsbüro „Sport- und Freiraumplanung Dieter Grundmann“ in Sarstedt zur Hand hatte.
Der westliche Teil des Friedhofs soll nur noch vorn in der zweiten Reihe belegt werden. Stark nachgefragt sind in Thönse die Rasengräber mit Einfassung, von denen es schon eine stattliche Reihe gibt.
Rießler richtete die Aufmerksamkeit der Ortsratsmitglieder und der Zuhörer aus dem Dorf vor allem auf den geplanten Viertelkreis, den sog. Buchenhain für die Baumbestattung. Dort werden Montag die Arbeiten beginnen. Weitsichtig sei dort eine Buchengruppe angelegt worden. Zwei Bäume wurden im Herbst umgepflanzt. Die Flächen zwischen den Gräbern sollen dicht bepflanzt werden, sodass es eine schöne Anlage werden kann. Ein Teil Reihengräber und auch anonyme Gräber wird es dort geben. Erst einmal soll jedoch ein geschlossener Eindruck entstehen mit Grabflächen von 50 x 50 cm Größe und kleinen Platten.
Eine andere Frage stellte eine der anwesenden Einwohnerinnen. Was soll aus den großen Familiengräbern mit teilweise acht Gräbern werden? Eine solche Anlage sei wie ein kleiner Garten, der nur noch schwer zu bearbeiten und zu wässern ist, ergänzte eine andere. Die Grabsteine könnten dort stehen bleiben, während der Bereich davor in die allgemeine Rasenfläche übergehen sollte, die allerdings für 30 Jahre in Privatbesitz bleibt. Um keine unnötigen Verwaltungskosten zu verursachen, schlug Rockahr vor, für diese Zeit die Kosten im voraus zu entrichten.