Wilhelm Hanebuth wird Großburgwedel verlassen

Die Alt-Bürgermeisterrunde (von rechts): Dr. Karsten Hoppenstedt (76), Ehrenbürgermeister der Stadt Burgwedel, und die drei ehemaligen Ortsbürgermeister von Großburgwedel Wilhelm Hanebuth (87), August Gerns (78) und Otto Bahlo (73). (Foto: Hans Hermann Schröder)

Ehemaliger Ortsbürgermeister folgt seiner Familie

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Dienstag dieser Woche hatte Dr. Karsten Hoppenstedt, Burgwedels Ehrenbürgermeister (1974-2004 Gemeindebürgermeister), zu einem kleinen aber denkwürdigen Ereignis in das Hotel Kokenhof eingeladen.
Nach Hoppenstedt trafen dort um sie Mittagszeit drei weitere ehemalige Bürgermeister, zunächst August Gerns (1991-2001) gemeinsam mit Wilhelm Hanebuth (1974-1991) und Otto Bahlo (2001-2011). Die Jahreszahlen hinter den Namen stehen für die Amtszeit.
Der Grund des Treffens: Wilhelm Hanebuth wird Großburgwedel verlassen. Er zieht gemeinsam mit seiner Enkeltochter und deren Mann nach Moordorf, einer hübschen landwirtschaftlich geprägten Ortschaft auf halber Strecke zwischen Oldenburg und Elsfleth an der Unterweser.
„Wir wollten Wilhelm Hanebuth nicht einfach so gehen lassen“, erklärte Dr. Karsten Hoppenstedt den Grund für die Einladung. Es sei sicherlich nicht einfach, „einen so alten Baum wie Wilhelm zu verpflanzen“, meinte er. Doch der 87-Jährige schmunzelte. Er wolle der Pflege wegen, die er benötige, mit seiner Familie wegziehen.
Die Enkelin und ihr Ehemann würden beruflich ins Oldenburgische wechseln, und da er mit den beiden hier in Großburgwedel auch schon zusammenlebe, wolle er mit dorthin ziehen. Schön sei es in Moordorf, alle hundert Meter an der langen Straße ein Bauernhof mit mindestens hundert Stück Milchvieh, sagt er. Einen Teil seiner zukünftigen Nachbarn und Berufskollegen habe er schon kennengelernt.
Wilhelm Hanebuth ist ein Großburgwedeler Urgestein, der die jüngere Entwicklung von Burgwedels Metropole ganz stark mit geprägt hat. Er war ein Vierteljahrhundert von 1960 bis 1985 Ortsbrandmeister, leitete die politischen Geschicke 17 Jahre lang als Ortsbürgermeister. Wilhelm Hanebuth gehörte der CDU an, war Mitglied in Schützenverein und Heimatbund. Er sammelte alles Erreichbare an Unterlagen und historischen Dingen mit Bezug zu Großburgwedel, gab seine Erinnerungen gern bei den Veranstaltungen des Heimatbundes zum Besten.
Wilhelm Hanebuth ist unterdessen 87 Jahre alt geworden, aber er ist den Großburgwedelern immer präsent geblieben, nahm als Ehrenortsbrandmeister an allen Feuerwehrveranstaltungen teil, und weil es mit dem Laufen nicht mehr so gut ging, fuhr er in den vergangenen Monaten mit seinem bordeauxroten Elektroshopper durch die Von-Alten-Straße.
Die Von-Alten-Straße sei eines der Kernthemen in seiner Zeit als Ortsbürgermeister gewesen. Er selbst habe zwar die Umgestaltung der Straße in eine Fußgängerzone und die Umleitung des Verkehrs dort nicht gerade für sinnvoll gehalten, heute aber sehe er das vollkommen anders. Aus seiner Sicht müsse der Fahrzeugverkehr dort ganz verschwinden. Ein weiteres Ereignis ist ihm auch noch präsent: Der Ortsbürgermeister von Großburgwedel habe bei offiziellen Anlässen eine prächtige Bürgermeisterkette zu tragen gehabt. Die sei aber bei einem Einbruch aus dem Rathaustresor verschwunden und nicht wieder aufgetaucht. Er habe sie nur einmal bei einem Treffen mit der Patenkompanie angelegt.
Beim nächsten Schützenfest sei er dann ohne Kette auf der Rathaustreppe erschienen, er habe nicht mehr an den Diebstahl gedacht und das Tragen von Ketten um den Hals sei auch nicht so sein Ding, fügte Hanebuth bescheiden an. Er habe sein Ortsbürgermeisteramt aufgegeben, als seine Tochter verstorben sei. „Wir mussten uns dann um unseren Enkelsohn kümmern“, sagte er leise. Und kümmern bedeutete, die Erziehung des Jungen zu übernehmen.
Dann kamen die Gespräche, die immer von der Frage „Weißt Du noch...?“ dominiert werden. Dr. Karsten Hoppenstedt bedankte sich bei allen drei Ortsbürgermeistern. Alle drei hätten ihm als Gemeindebürgermeister den Rücken frei gehalten. „Ihr wart meine Rettung. Ohne zuverlässige Ortsbürgermeister in den Ortsteilen der Gemeinde Burgwedel hätte ich die Belastung durch das Doppelmandat als Landrat und später Europaabgeordneter nicht schaffen können“, sagte er.