Wildunfallgefahr ist derzeit nicht zu unterschätzen

Schilder, die leicht übersehen werden, aber besonders in der Dämmerung immens wichtig sein können: Warnhinweise auf starken Wildwechsel. Die Anzahl der Wildunfälle ist im Bereich Isernhagen und Burgwedel von 165 auf 187 gestiegen. (Foto: Anna Kentrath)

Wildunfälle nahmen 2012 zu/L310 und L381 besonders gefährlich

BURGWEDEL (ak). Die Polizeistatistik der vergangenen Woche zeigte deutlich: Die Anzahl der Wildunfälle stieg von 165 in 2011 auf ganze 187 Fälle 2012 in beiden Kommunalbereichen, Burgwedel wie auch Isernhagen. Besonders betroffen seien die Strecken rund um Fuhrberg, die L310 und die L381, wie Hauptkommissar Claus-Dieter Grossmann gegenüber den Pressevertretern herausstellte. Auch der ADAC warnt aktuell vor einem erhöhten Unfallrisiko, da die Zeitumstellung dafür sorgt, dass die morgendliche Dämmerung mit dem Berufsverkehr zusammenfällt.
„Wildschweine haben keinen Wecker“, vermerkt der ADAC treffend in einer Pressemeldung zur Verkehrssicherheit vom 26. März dieses Jahres, denn die Tiere passen sich natürlich nicht dem Vorstellen der Uhr am vergangenen Wochenende an. „Die Dämmerung ist immer besonders relevant“ beim Wildwechsel“, warnt Walter Heuer, Leiter des Hegerings Burgwedel gegenüber den Burgwedeler Nachrichten. Fällt die Zeit des Berufsverkehrs mit der Zeit der Dämmerung zusammen, erhöht sich die Gefahr für Wildunfälle.
Hinzu kommt, dass die Rehe etwa, nach dem lang andauernden Winter, Probleme bei der Nahrungssuche im Wald wie auch auf dem Feld haben. Ändern sich nun aber die Witterungsverhältnisse und auf den Feldern beginnt etwa das „Getreide oder der Raps“ zu sprießen, zieht es „das Wild vom Wald auf die Ackerflächen“, so Walter Heuer, da weichen die Tiere schnell von ihren gewohnten Wechseln ab und auch jenseits der Hinweisschilder außerhalb der Ortschaften sollte man vorausschauend fahren. Mit Nachdruck stellte der Hegeringleiter heraus, dass eine angepasste Geschwindigkeit für Autofahrer absolut wichtig sei in den Bereichen, wo starker Wildwechsel angezeigt ist.
Passiert ein Tier die Straße, darf die Aufmerksamkeit des Autofahrers keinesfalls nachlassen, denn Wildschweine sind in sogenannten Rotten, Rehe in Sprüngen unterwegs, das heißt: Wo eins ist, können noch mehr hinterher kommen. Auf diese Gefahr weist auch Hauptkommissar Claus-Dieter Grossmann hin. Insbesondere auf der Strecke zwischen Fuhrberg und Celle komme es immer wieder zu Wildunfällen mit Wildschweinen, was bei einem Zusammenprall für den Autofahrer massive Folgen haben könne. Die Wildunfälle „werden wir nicht reduzieren können“, hieß es von Seiten der Polizei durch Grossmann weiter, man könne nur die entsprechend gefährdeten Bereiche mit Hinweisschildern markieren.
Für das Erfüllen der Abschussquoten sind sowohl Jäger, vertreten durch den Hegering als auch das Forstamt zuständig. Die Annäherung an die vorgegebenen Abschussquoten für Reh- und Rotwild, die für einen Zeitrahmen von 3 Jahren festgesetzt werden, ist nicht nur ein Garant für das Gleichgewicht in der Natur, sondern auch wichtig zur Minimierung der Gefahr von Wildunfällen. Der Hegering Burgwedel verzeichnete im Streckenbericht für 2012/2013 beim Abschuss von Reh- und Rotwild 612 Stück. Fallwild durch Straße und Schiene wurden 76 vermerkt. Hier kommen allerdings nicht die Fälle zum Tragen, die von Mitarbeitern der Region Hannover entfernt wurden. 318 Stück Schwarzwild wurden in diesem Zeitraum im Hegering geschossen, zwei Stück Fallwild wurden in der Statistik angegeben. Der Bereich, den das Forstamt Fuhrberg in Burgwedel betrifft, hatte beim Reh- und Rotwild 97, beim Schwarzwild 36 Stück zu verzeichnen, Fallwild wurde keines gezählt. Schwarzwild unterliegt keiner Abschussplanung. Anhand der Abschüsse des vergangenen Jahres lässt sich gut auf die Population der Tiere schließen, die nicht unerheblich ist. Ohne das Eingreifen der Jäger würde der Wildbestand sich in kürzester Zeit vervielfachen und damit die Unfallgefahr entsprechend verschärfen.
Wie kann ich mich aber nun der Gefahrensituation anpassen, werden sich viele Autofahrer fragen. Wie bereits erwähnt ist angepasste Geschwindigkeit angeraten, aber auch genügend Abstand zum Vordermann, um reaktionsfähig zu bleiben. Der ADAC rät: „Tritt ein Tier unvermittelt auf die Fahrbahn, sollte die Geschwindigkeit stark gedrosselt, abgeblendet und gehupt werden. Lässt sich ein Zusammenstoß nicht verhindern, sollten Autofahrer voll bremsen und auf keinen Fall ausweichen.“ Die Folgen eines möglichen Zusammenstoßes mit dem Gegenverkehr oder einem Baum ist um einiges schlimmer, als die Kollision mit dem Wild. Kommt es doch zu einem Zusammenstoß mit einem Tier, sollte umgehend die Polizei benachrichtigt werden. Verletzte Tiere sollten nicht angefasst werden, da sie beißen oder Krankheiten übertragen könnten. Getötete Tiere mitzunehmen gilt als Wilderei und ist strafbar.