Wie vertragen sich Chlorhähnchen mit dem Verbraucherschutz?

Die FDP-Landtagsabgeordnete Sylvia Bruns (rechts) am Infostand der FDP auf dem Dorffest Wettmar. (Foto: Renate Tiffe)

Ein FDP-Antrag im Landtag – Gespräch mit der Abgeordneten Sylvia Bruns

WETTMAR (ti). Eine Pressemitteilung der „Grünen“ aus dem Niedersächsischen Landtag hatte die Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt, das derzeit stark in der Öffentlichkeit diskutiert wird: dürfen Masthähnchen mit Chlordioxid behandelt werden, um Infektionen mit Mikroorganismen zu verhindern?
Die FDP hatte einen entsprechenden Antrag in der vergangenen Landtagssitzung gestellt. Beim Dorffest in Wettmar war Sylvia Bruns anwesend – eine gute Gelegenheit, mit der FDP-Landtagsabgeordneten die Frage zu erörtern.
Der FDP-Antrag liegt den „Burgwedeler Nachrichten“ vor. Darin heißt es, dass im Zuge des geplanten Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und den USA die Verbraucherschutzstandards hier unbedingt eingehalten werden müssen.
Bei einer wachsenden Lebensmittelvielfalt müsse es oberste Priorität haben, dass Lebensmittel gesund sind. Auf Basis einer umfassenden und transparenten Produktkennzeichnung müsse der Verbraucher auch bei unterschiedlichen Produktionsverfahren sich eigenverantwortlich entscheiden können, welches Produkt er bevorzuge.
Unter diesen Gesichtspunkten könne beispielsweise eine Desinfizierung von Geflügelfleisch mit Chlordioxid zur Verbrauchergesundheit beitragen, da auf diese Weise gesundheitsgefährdende Keime abgetötet werden. Ebenso könne eine Behandlung von Lebensmitteln mit ionisierenden Strahlen zur Bekämpfung von gefährlichen Mikroorganismen wie den EHEC-Erreger beitragen, wie dies in anderen EU-Ländern schon üblich ist.
Sylvia Bruns wehrte sich gegen die pauschale Formulierung „Liberale fordern die Legalisierung der Behandlung von Schlachtgeflügel mit Chlordioxid“. Es gehe um eine Diskussion im Plenum, bei dem der Verbraucherschutz Vorrang haben müsse vor einer ideologischen Vorverurteilung, sagte die Sozialpolitkerin. Man müsse über die Wirkungen reden.
Als Begründung des Antrags führte sie an, dass Experten des Bundesamtes für Risikobewertung sich kürzlich dafür ausgesprochen haben, auch in Deutschland die Behandlung des Geflügelfleisches zuzulassen. Ebenso habe sich der der Leiter des Instituts für Fleischhygiene und – technologie an der Freien Universität Berlin geäußert, der die Maßnahmen für geeignet hält, um den Befall mit Mikroorganismen unter Kontrolle zu halten.
Die Bestrahlung von Lebensmitteln werde von der WHO empfohlen. Im bayrischen Umwelt- und Verbraucherschutzministerium sehe man die Sache so, dass durch die Kennzeichnungspflicht der Verbraucher bestrahlte Lebensmittel erkennen und gegebenenfalls vermeiden könne.
Die FDP-Regionsabgeordnete Christiane Hinze, die bei dem Gespräch anwesend war, unterstrich, dass es um klare Informationen für die Verbraucher zur Qualität der Lebensmittel gehen müsse. Darüber müsse geredet werden dürfen.