„Wie gehen wir mit unseren Lebensmitteln um?“

Knapp 20 Burgwedeler Teilnehmerinnen – ein Ehemann hatte sich „vertretungsweise“ dazu begeben – diskutierten über die Verschwendung von Lebensmitteln. (Foto: Renate Tiffe)
 
Die Burgwedeler Vorsitzende des DHB-Netzwerk Haushalt, Angelika Lindemann, dankte der Referentin mit einem Blumengebinde. (Foto: Renate Tiffe)

DHB – Netzwerk Haushalt diskutierte aktuelles Thema

GROSSBURGWEDEL (ti). Jeder Deutsche wirft statistisch gesehen pro Jahr schätzungsweise 82 kg Lebensmittel weg. Dabei endet das meiste schon im Müll, bevor es überhaupt zum Verbraucher gelangt.
Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot kommt nicht auf den Teller. Wie hoch das Ausmaß der Verschwendung ist und was dagegen getan werden kann, damit befassten sich unlängst die Mitglieder des Burgwedeler DHB – Netzwerk Haushalt – gemeinhin bekannt als Hausfrauenbund – in einer öffentlichen Versammlung.
Heidemarie Behnsen von der Verbraucherberatung in Alfeld, Vorstandmitglied des Niedersächsischen Landesverbandes, hatte einen Film mitgebracht, der die weltweite Verschwendung zum Inhalt hatte. Gezeigt wurden z.T. skandalöse Vorgänge der Lebensmittelvernichtung.
Fast aussichtslos erschienen evtl. Gegenmaßnahmen, wenn zum Beispiel ganze Ladungen von Apfelsinen oder Bananen per Entscheidung eines Herrn in Nadelstreifen auf dem Müll landeten, weil sie überreif am Bestimmungsort ankamen. Im Übermaß werden Gemüse, Fisch und Fleisch in Ländern wie Japan und USA vernichtet, die obendrein auf den Müllhalden noch giftige Klimagase entwickeln. Backwaren gelangen als Pellets in Biogasanlagen.
Was macht es dagegen, wenn eine Kooperative in den USA auf einem Biomarkt direkt mit den Bauern zusammenarbeitet und Gemüse so verkauft wird, wie es geerntet wurde. Zu einem günstigen Preis versteht sich, weil ja die Kosten für den Abfall nicht enthalten sein müssen. Die Feststellung einer jungen Frau, dass alle in ihrer Familie abgenommen haben, weil mehr Gemüse gegessen wird, wirkte geradezu erfrischend in dem unaufhörlichen Desaster der Lebensmittelvernichtung.
Fast eine Stunde lang dauerte der Film am Beamer, dessen Ton nicht überall gut zu verstehen war.
Der Ratlosigkeit der Zuschauerinnen sollte mit einem gezielten, schriftlich vorliegenden Fragenkatalog begegnet werden. Die knapp 20 Burgwedeler Teilnehmerinnen – ein Ehemann hatte sich „vertretungsweise“ dazu begeben – hielten sich wenig daran. Stattdessen wurden Themen angeschnitten, welche die Verbraucherinnen vor Ort bewegen.
So ist bekannt, dass die Tafeln nur einen minimalen Teil der Lebensmittel auffangen können, weil die Vernichtung schon auf den Großmärkten beginnt. Zwar hat der Verbraucher die Macht, alles liegen zu lassen was ihm nicht gefällt. Die Frage ist aber auch, wieweit der Handel Einfluss ausübt, beispielsweise, wenn nur grade Gurken in den Kartons angeboten werden, wenn Milchprodukte, deren Verfalldatum kurz bevor steht, nicht billiger verkauft werden dürfen.
Einig war man sich, dass es Ostern keine verpackten Erdbeeren geben muss und dass vorgezogene Spargelernten zuviel Energie verbrauchen. „Regional einkaufen und saisonal“ gab die Referentin als Devise aus. Und auch aus Essensresten könnten noch schmackhafte Speisen auf den Tisch kommen. Es gibt allein sechs Kochbücher zur Resteverwertung.
Zur Diskussion kamen auch die mangelnden Ernährungskenntnisse. Eltern lebten heute die Verschwendung vor, während bei den Jüngeren langsam schon ein anderes Bewusstsein zustande komme, bemerkte eine der Teilnehmerinnen und beklagte, dass es an den Schulen keinen Unterricht in Haushaltsführung gebe. Die Hauswirtschafts-Arbeitsgemeinschaft am Gymnasium sei gestrichen worden, als das Abitur nach zwölf Jahren eingeführt wurde. In Niedersachsen werden keine Hauswirtschaftslehrerinnen mehr ausgebildet.
Die Mitglieder des DHB – Netzwerk Haushalt, überwiegend ältere Damen mit Ausnahme der Vorsitzenden Angelika Lindemann, waren sozusagen in ihrem Element. Der DHB ist der Berufsverband der Haushaltsführenden und ihre Interessenvertretung.
Er will deren Ansehen und Stellung in der Öffentllichkeit verbessern und hat in Niedersachsen 3.300 Mitglieder in 38 Ortsverbänden. In diesem Jahr feiert der Verband, der in zahlreichen Institutionen mitwirkt, sein 100-jähriges Bestehen.