Wettmarer Ortsrat möchte 18-Jährige beschenken

Politikverdrossenheit bereitet Kommunalpolitikern Sorgen

WETTMAR (ti). Die augenblickliche aktive Phase in Wettmar beflügelt offenbar den Ortsrat, ein Problem anzugehen, das vielen Kommunalpolitikern auf den Nägeln brennt: die Politikverdrossenheit der Bürger und ganz besonders der Jugendlichen. Der Ortsbürgermeister Michael Kranz (CDU) stellte den Antrag, ab Anfang 2014 alle jungen Leute im Dorf an ihrem 18. Geburtstag zu besuchen, so wie das bei den über 85-jährigen Einwohnerinnen und Einwohnern bereits geschieht. Der Ortsrat stimmte zu.
Kranz hat diese Vorgehensweise in einem Ort in der Nähe von Hamburg kennengelernt, wo sie mit Erfolg praktiziert wird. Er sieht die Basisdemokratie gefährdet, wenn nicht die jungen Menschen rechtzeitig an die Gemeinschaft herangeführt werden. „Wir wollen die Jugendlichen von ihren PCs zu Hause abholen, ihnen zeigen, dass wir uns für sie interessieren und was alles zu machen ist“, sagte er.
Für genauere Vorstellungen sammelt er noch Ideen. Es könnte ein Flyer erarbeitet werden, auf dem sich der Ortsrat mit seinen Aufgaben darstellt. Ein kleines Präsent sollte dabei sein, keinesfalls Blumen oder ein Präsentkorb, vielleicht ein Motivbecher, wie er ihn in Burgdorf gesehen hat. Wie bei den Jubilaren sollte vorher das Einverständnis der jungen Leute eingeholt werden.
Der Ortsrat zeigte sich aufgeschlossen für das Vorhaben.
Er wolle dafür stimmen signalisierte Dr. Friedrich Wolff von der Wettmarer Wählergemeinschaft. SPD-Ratsherr Lothar Urban fragte jedoch, ob es nicht sinnvoll wäre, wegen des Wahlrechts bereits die 16-Jährigen anzusprechen. Er sah auch erhebliche Probleme bei der Finanzierung und Gestaltung. Bei vielleicht mehr als 50 Anlässen im Jahr müsste eine entsprechende Geldsumme bereitgestellt werden, die aus Ortsratsmitteln nicht zur Verfügung steht. Außerdem habe er Bauchschmerzen bei der Vorstellung, dass zwei CDU-Leute, der Bürgermeister und sein Stellvertreter, die Jugendlichen aufsuchen. Vorbehalte habe er auch wegen des Termins ab 2014. - Nicht geäußert haben sich die beiden jungen CDU-Ortsratsmitglieder Christoph und Niklas Hanne, 24 und 22 Jahre alt.
Kranz beharrte auf dem Alter von 18 Jahren „wegen der politischen Reife“. Vorerst handele es sich um eine Idee, mit der man möglicherweise auch in die Fraktionen des Stadtrates gehen müsste. Vielleicht mache das Beispiel ja Schule, wenn es erst einmal konkretisiert werde.
Vor dem einstimmigen Beschluss wurden noch die Einschränkungen hinzugefügt: über die Finanzierung und Gestaltung, sowie die Übergabe muss noch beraten werden.