Werben für die plattdeutsche Sprache: „Tru di wat“

Der Wettmarer Männergesangverein eröffnete das Programm mit plattdeutschen Liedern. (Foto: Renate Tiffe)

Arbeitskreis des Heimatvereins trat an die Öffentlichkeit

WETTMAR (ti). „Vertellstücke“ heißt das Buch mit der plattdeutschen Sammlung von lustigen und nachdenklichen Begebenheiten aus den drei Dörfern, die der Heimatverein für das Kirchspiel Engensen - Thönse - Wettmar schon vor einiger Zeit herausgegeben hat.
Aber der plattdeutsche Arbeitskreis im Verein will mehr tun für die Ausdrucksweise, die, so sagte es der frühere Vorsitzende Gerd Brenneke, in Brüssel als eigene Sprache anerkannt wurde. Jetzt hat der Heimatverein zu einem eigenen plattdeutschen Nachmittag in der Heimatdiele in Wettmar eingeladen „Tru di wat, maak mid bin platt“.
Das Verstehen gehe ja, das Lesen sei schon schwierig aber selber sprechen, das tun zu wenig, hatte Achim Ristenpart, der Vorsitzende des Heimatvereins bei der Begrüßung gemeint und Brenneke ergänzte, dass es wieder Zeit sei, sich der „Modersprak mit Gefeul“ zu widmen. Vieles könne anschaulicher und kürzer gesagt werden – was dann auch den Spaß an diesem Nachmittag im gut gefüllten Raum der Heimatdiele ausmachte. Durch das Programm führte Erne Deecke.
Zuerst hatte der Wettmarer Männergesangverein unter der Leitung von Matthias Blascek seinen Auftritt mit Liedern wie „Trina kumm maal för de Döör“ und „Dat du mien leevsten büst“. Dann reihte sich Stück an Stück, vorgelesen, vorgetragen und gespielt mit viel Schwung und Spielfreude. Den Anfang machte „de plietsche“ Renate Hoppe mit „wat errootisches“ aus den Vertellstücken, der Schwabe Siggi Messer versuchte sich im norddeutschen Platt und Wilfried Seidel interviewte Rainer Hartmann - „nen echten Advokaten“ -was so ein Rentier den ganzen Tag macht. Der hatte kaum Zeit zwischen Bodybuilding und Nebenjobs, zwischen Doppelkopf und Haartransplantation und vielem anderen. „Mien leve Kutscher“ hieß das vergnügliche Spiel, zu dem Heidrun Schlieker die Gäste animierte. Leider waren nur zwei Kinder da, so dass das vorgesehene Singen und Spielen mit den Kindern ausfallen musste. Dafür wurde es „Zeit für Kaffee un Kauken“, den die Frauen des Arbeitskreises selbst gebacken hatten und dem ringsum an den Tischen ausgiebig zugesprochen wurde.
Mitglied des Arbeitskreises und auffällige Erscheinung durch ihr blumenbekränztes Outfit war Anja Hemme, in der Wedemark weithin als „Jungfer Anni“ bekannt. Ihre Fragen an den mundfaulen „Lüchtturmuppasser“ hatten schon für Heiterkeit im Publikum gesorgt. Die plattdeutschen Treffen zweimal im Monat – jeden 1. und 3. Mittwoch – waren der umtriebigen Wedemärkerin zu wenig. Und so hat sie in Bissendorf parallel dazu die Gruppe „Platt shall leven“ ins Leben gerufen. Fünf der Damen nutzen die Gelegenheit zu einem Auftritt in Wettmar mit dem das engagierte Programm endete.