Wenn im persönlichen Umfeld häusliche Gewalt passiert ...

„Nein zu häuslicher Gewalt“. Die Gleichstellungsbeauftragten aus Burgwedel und der Wedemark, Sandra Ahnen (links) und Mona Achterberg sind für Handlungsmaßnahmen zuständig. (Foto: Renate Tiffe)

Gemeinsame Aktion der Verwaltungen von Burgwedel und der Wedemark

BURGWEDEL (ti). Die Zahlen sind erschreckend: Jede vierte Frau in Deutschland wird Opfer häuslicher Gewalt. Gewalt passiert in allen Bevölkerungsschichten, in sozialen Brennpunkten wie auch in gutsituierten Kommunen. 31 Fälle wurden im vergangenen Jahr in Burgwedel aktenkundig. Die Dunkelziffer liegt vermutlich - wie überall - weitaus höher. - Der 25. November ist der Tag, an dem an das Gewaltschutzgesetz erinnert wird, das seit dem Jahr 2002 in der Bundesrepublik Gültigkeit hat.
Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens dieses Gesetzes hat die Region Hannover 2012 ein Positionspapier für die 21 Städte und Gemeinden herausgegeben. Es soll ein deutliches Zeichen des gemeinsamen Widerstands gesetzt werden. Aus der Erkenntnis heraus, dass bei der hohen Zahl von Gewaltopfern auch Mitarbeiterinnen in den Verwaltungen betroffen sein könnten, setzen die Aktionen genau in diesem Bereich an.
Die Gleichstellungsbeauftragten von Burgwedel und der Wedemark, Sandra Ahnen und Mona Achterberg, sind mit der Erarbeitung von Handlungsmaßnahmen beauftragt, die auch außerhalb der Verwaltungen angewandt werden können, auch in Unternehmen der Wirtschaft. „Unsere Maßnahmen laufen darauf hinaus, Betroffene zu motivieren, ihnen Mut zu machen, aus der Grauzone herauszukommen“, sagt Sandra Ahnen. Es solle eine Offenheit in den Verwaltungen hergestellt werden, ergänzt Mona Achterberg. Nicht selten seien Mitarbeiterinnen selbst häuslicher Gewalt ausgesetzt. „Wir müssen bei uns selbst anfangen“.
Anfang 2014 wird in Burgwedel allen Gehaltsabrechnungen der Stadtverwaltung ein Flyer beigefügt, der die wichtigsten Informationen enthält. „Sie können etwas tun“, werden Nachbarn, Bekannte und Angehörige zur Unterstützung im Verdachtsfall aufgefordert. Wichtige Hinweise werden für die Frauen selbst gegeben, mit den Telefonnummern der Polizei in Burgwedel vom Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt in der Region und von „Ophelia“, dem Beratungszentrum in Langenhagen. Auch im Job-Center und an anderen Stellen werden die Flyer ausliegen.
Außerdem wird es Schulungsmaßnahmen für die Führungskräfte geben. Der Arbeitgeber habe eine Fürsorgepflicht gegenüber den Arbeitnehmern, betont die kommissarische Bürgermeisterin Burgwedels, Christiane Concilio. Zwar seien von den halbtägigen Schulungen noch keine Wunder zu erwarten. Sie seien aber ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dabei gehe es vor allem um die härtere, die körperliche Gewalt, von der psychischen sei noch gar nicht zu reden. Die Schwierigkeit sei die Abgrenzung zum Privatleben. „Wir wollen aber ein Bewusstsein schaffen und die Leute an die Hand nehmen. Als Arbeitgeber wollen wir Vorbild sein.“
Mona Achterberg weist darauf hin, dass die angegebenen Ansprechpartner rund um die Uhr zu erreichen sind. Für Ausländerinnen gebe es Dolmetscherinnen, die Frauen werden in jedem Fall zurückgerufen. Wichtig sei, dass – außer bei polizeilichen Ermittlungen – nichts ohne die genaue Absprache mit den Frauen unternommen würde. Bei Partnerschaftskonflikten werde auch die Lebensberatungsstelle in Isernhagen hinzugezogen. Für Hilfeersuchen von Männern sei das Männerbüro in Hannover zuständig.