„Weiter so“ in der Isernhagener Flüchtlingspolitik

Heinrich Bätke, Yilmaz Baris und Timm Jacobsen bei der CDU-Veranstaltung zum Thema Flüchtlingspolitik in Isernhagen. (Foto: Renate Tiffe)

Yilmaz Baris berichtete im CDU-Ortsverband über seine Arbeit

ISERNHAGEN KB (ti). Die täglichen Nachrichten über den Flüchtlingszustrom in Deutschland verunsichern viele Bürgerinnen und Bürger – auch in Kommunen, wo es noch gut geht mit der Aufnahme.
Um sich einen genaueren Überblick über die augenblickliche Lage vor Ort zu verschaffen, bat der CDU-Ortsverband Isernhagen Yilmaz Baris, den hauptamtlichen Flüchtlingsbetreuer der Gemeinde, zu einem Bericht über seine Arbeit ins Restaurant Heinrichs in KB.
Für den Vorsitzenden des Ortsverbandes, Timm Jacobsen, war es nicht einfach, bei den Fragen der etwa 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Abends, die Entwicklungen der Bundes- und Landespolitik von den Dingen vor Ort zu trennen. Dennoch ist es, gelungen, ein einigermaßen klares Bild über die derzeitige Situation abzugeben. Und das brachte die Erkenntnis: es läuft gut in Isernhagen.
Baris, seit 10 Monaten für die Gemeinde tätig, hielt zunächst einmal fest, dass die Zwangszuweisungen des Landes an die Kommunen nicht für die Region Hannover zutreffen.
Bei der Zuwanderung von 1000 und mehr Flüchtlingen pro Tag sind die Erstaufnahmelager soweit überfüllt, dass die Neuankömmlinge unregistriert vor allem auf die Gemeinden verteilt werden, die bisher noch nicht beteiligt waren.
208 Asylbewerber leben zur Zeit in Isernhagen, darunter 70 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
Die Quote von 184 Personen, die bis Ende Januar 2016 aufgenommen werden müssen, wurde inzwischen auf 214 erhöht. Nicht bekannt ist, wieviele dieser Menschen auf der Durchreise sind oder mit einer Abschiebung durch das Bundesamt rechnen müssen. Baris: „wir waren schon unter der Zahl von 200“. Erst wenn die Flüchtlinge registriert und im nächsten Verfahren als Asylbewerber anerkannt sind, zählen sie normalerweise zur Gemeinde.
In Isernhagen sind sie dezentral in 13 Einrichtungen untergebracht, jeweils in Privatunterkünften, die angemietet wurden. Baris gab die Zahlen für die einzelnen Ortsteile bekannt. In nächster Zeit müssten weitere Objekte angemietet werden. Im Hinblick auf die Baumaßnahmen in der Farrelheide und am Lohner Feld habe sich noch nicht viel bewegt.
Mit einem Achselzucken reagierte der Sozialarbeiter auf die Frage, ob die Unterbringungsmöglichkeiten für den künftigen Bedarf ausreichen werden: „das ist unsere Aufgabe“. Er schilderte die einzelnen Schritte zur Integration der Familien. Nach der Aufnahme gehen die Kinder in die Kitas und Schulen und verfügen nach der Grundschule nicht nur sprachlich meist über gute Deutschkenntnisse, ein erster wichtiger Schritt ist getan.
Unterdessen werden für die Erwachsenen Sprachkurse vermittelt. Mehrmals in der Woche kommen die Betreuer zu ihnen. Die Flüchtlinge versuchen, ihren eigenen Status zu klären und gehen dann in den „Sozialprozess“ bei den Jobcentern und auf die Arbeitsplatzsuche. Besondere Steckbriefe seien entwickelt worden. Es gebe jede Menge qualifizierte und gut motivierte Leute, von denen einige schon im Baubetriebshof untergekommen sind. Die Prozesse laufen gut in Isernhagen, alles laufe Hand in Hand, so Baris.
Die CDU will, dass es so weitergeht, resümierte Jacobsen. Er wisse, dass es in anderen Gemeinden nicht so gut funktioniere. Es sei Personal eingestellt worden, das auch aufgestockt werde. Die Aufstockung der Kapazitäten gehöre dazu. „Wir stehen dahinter“, so CDU-Ratsherr Heinrich Bätge. Allerdings: „es kann so nicht weitergehen mit der Bundespolitik“.
Viele kritische Fragen wurden an Baris und den Parteivorstand gestellt. Allgemeine Zustimmung erhielt eine Isernhagenerin, die meinte, dass es über die Tagesmeldungen hinaus zu wenig Transparenz in der Flüchtlingsarbeit gebe. Veranstaltungen wie diese sollte öfter angeboten werden.