Weichenstellung: Abwasserbearbeitung wird in Großburgwedel zentralisiert

Die Kläranlage in Fuhrberg stammt aus dem Jahr 1971. Sie ist an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. Zukünftig wird das Fuhrberger Abwasser über eine Rohrleitung nach Großburgwedel gepumpt. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Eröffnung der Ausschusssitzung: Der Vorsitzende Jürgen Schodder wies darauf hin, dass die Mitglieder an diesem Abend zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen hätten. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Planungsausschuss empfiehlt Druckrohrleitung Fuhrberg - Großburgwedel

GROSSBURGWEDEL/FUHRBERG (hhs). Der Ausschuss für Planung und Tiefbau des Rates der Stadt Burgwedel hat auf seiner letzten Sitzung am Dienstagabend dieser Woche nach kurzer Diskussion in Bezug auf die Abwasserbearbeitung und -beseitigung eine zukunftsweisende Empfehlung an den Stadtrat formuliert.
Die Mitglieder fassten den einstimmigen Beschluss, dass die Ortschaft Fuhrberg mit einer Druckrohrleitung an die Kläranlage Großburgwedel angeschlossen wird. Damit schloss der Ausschuss die Erneuerung oder den Neubau einer eigenen Kläranlage in Fuhrberg aus. Grundlage der Entscheidung waren zwei Entwicklungskonzepte, eines von Prof. Dr. Rosenwinkel Planungsbüro PFI, das andere von Dr. Reiner Boll Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der Universität Hannover, die dem Ausschuss Ende November vorgelegt worden waren.
Darin waren die beiden Varianten Sanierung der Fuhrberger Kläranlage oder Anschluss an die Anlage in Großburgwedel gegeneinander abgewogen worden. Die Druckrohrleitung kam danach in Bau und Anlage zunächst teurer, die Wirtschaftlichkeit erreiche sie aber deutlich eher.
Handlungsbedarf bestand, weil die bestehende Fuhrberger Anlage in den vergangenen Jahren an ihre Kapazitätsgrenze gekommen ist. Die Neubaugebiete sind eine Ursache dafür.
In seinem Gutachten kam Prof. Dr. Rosenwinkel zu dem Ergebnis, dass eine Sanierung einhergehend mit einer Kapazitätssteigerung keinen Sinn mache. Die Anlage sei zu alt, damals zwar auf dem modernsten Stand der Kläranlagentechnik ausgeführt. Der bauliche Zustand der Becken allerdings lasse zu wünschen übrig.
Ein Neubau erscheine angesichts der Abschreibungen als sinnvoll. Es müsse eine Entscheidung getroffen werden, wo die Klärschlammstabilisierung stattfinden soll. Der Neubau einer Kläranlage in Fuhrberg sei allerdings mit knapp 1,5 Millionen Euro die kostengünstigste Lösung, wenn man allein die Baukosten im Auge habe. Daraus ergäben sich aber 85.000 Euro jährlich an Kreditdiensten und 68.000 Euro an Personalkosten sowie jährlich 16.400 Euro für den Schlammtransport von Fuhrberg zur Kläranlage Großburgwedel, denn der Schlamm muss in jedem Fall zur Weiterbearbeitung dorthin.
Als Alternative biete sich die Variante an, das Fuhrberger Abwasser über eine Druckrohrleitung zur Kläranlage Großburgwedel zu pumpen. Die Kosten für die knapp acht Kilometer lange Rohrleitung und die Pumpen wurden mit 2,1 Millionen Euro beziffert.
Dr. Reiner Boll hatte in seinem Gutachten gefordert, die Tendenz der zukünftigen Abwasserbeseitigung in Burgwedel festzulegen. Wenn man die Berechnungen miteinander vergleiche, dann lägen diese von den Kosten her so eng beieinander, dass man daraus keine ernsthafte Entscheidung ableiten könne. Der größte Kostenfaktor in der Kläranlage sei der Energieverbrauch von 630.000 Kilowattstunden Strom, was einen CO2 Ausstoß von 356 Tonnen entspricht. Durch Erneuerung einiger Geräte könne man davon schon etwas mehr als ein Viertel einsparen, was des CO2 Ausstoß um 96 Tonnen verringere.
Sollte sich die Stadt für die Faulung entscheiden und nicht für die herkömmliche Schlammstabilisierung werde die CO2 Bilanz noch besser. Die herkömmliche Stabilisierung verursache 312 Tonnen CO2 jährlich, die Faulung dagegen nur etwa 100 Tonnen. Die Jahreskosten der Anlage lägen bei 430.000 Euro. Stiegen die Strompreise in den kommenden Jahren jeweils um 2 Prozent, wäre die Faulung schon 2016 günstiger als andere Varianten.
Die Mitglieder der CDU im Ausschuss sprachen sich auf dieser Grundlage für den Bau der Druckrohrleitung aus. Man solle aber einen Kanalkataster anlegen um die Abwassermenge, die zu transportieren sei in dem Druckrohr richtig berechnen zu können. Die SPD Mitglieder vertraten die gleiche Position. Damit sei auch gesichert, dass die Kläranlage in Großburgwedel mit einer Faulung wirtschaftlich arbeiten könne.
Damit im unmittelbaren Zusammenhang stand der nächste Tagesordnungspunkt „Optimierung der Kläranlage Großburgwedel“. Heinz Visel von den Grünen plädierte für die Faulung, wegen der höheren CO2-Einsparung. Lothar Urban von der SPD pflichtete ihm bei. Diese Methode ermögliche die Energiegewinnung. Den gleichen Standpunkt vertrat Fritz Papenberg von der CDU. Er stellte den Antrag, die Optimierung der Anlage im Haushalt mit einer Summe von 143.000 Euro im Haushalt zu ermöglichen und die zentrale Klärschlammentsorgung über die Faulung zu betreiben. Das wurde einstimmig angenommen.