Wehmut und Sehnsucht des traditionellen Fado

Raquel Taveres entführte die Zuhörer im Amtshof in Großburgwedel in die vielfältige Klangwelt des Fado, mal melancholisch, mal heiter, die unverfälschte emotionale Bandbreite des Lebens darstellend. (Foto: Anna Kentrath)

Raquel Taveres begeisterte mit dem „portugiesischen Blues“

GROSSBURGWEDEL (ak). Die portugiesische Sonne hielt vergangenen Samstagabend Einzug im Amtshof in Großburgwedel, während sich draußen die Polarluft langsam aber sicher ausbreitete.
Bis auf den letzten Platz waren die Stuhlreihen gefüllt, als die Fado-Sängerin Raquel Tavares mit ihren zwei begleitenden Musikern die Bühne betrat. Eine emotionale Reise durch die Gefilde Portugals begann, lebendig, volltönend, mal melancholisch, mal heiter.
Fado, auf Portugiesisch „Schicksal“, bezeichnet einen Musikstil, der auch als Portugiesischer Blues oder noch weiter gefasst als der europäische Blues bekannt ist. Eine faszinierende Klangvielfalt eröffnet sich dem Zuhörer mit deutlich arabischer Klangfärbung. Seit 2011 gehört der Fado zum Weltkulturerbe der Unesco. Absolut berechtigt, denn Fado ist weit mehr als nur ein Musikstil, es ist pure Emotion, der Ausdruck des portugiesischen Lebensgefühls, ebenso so nostalgisch, wie zeitlos.
Raquel Taveres gehört zur neuen, jungen Generation von Fadistas, Fado-Sängerinnen und Sängern. Mit 12 Jahren gewann sie bereits den bedeutendsten Fado-Musikwettbewerb, die „Grande Noite do Fado“ und wurde später mit dem bedeutenden Musikpreis „Amália Rodrigues“ ausgezeichnet. Sie lebt im traditionellen Lissabonner Stadtviertel „Alfama“, der Geburtsstätte des Fado, dessen Lebensgefühl ihre Lieder nachhaltig prägt.
Auch wenn die sprachliche Barriere ein Verstehen des Liedtextes für die meisten Zuhörer unmöglich machte, so schaffte es Raquel Taveres mühelos die Gefühle zu transportieren. Mit einem außergewöhnlichen Timbre in der Stimme, volltönend, warm und dem richtigen Hauch rauchig, eine Bluesstimme eben, entführte Raquel Taveres in die Welt des Fado, wo Freude und Schmerz, Träume und Leid ganz dicht beieinanderstehen.
Fado müsse nicht immer durchgehend traurig klingen, erklärte die Fadista ihrem Publikum im Amtshof auf Englisch, „to sing sado, to sing life“. Viele der Songs würden aus ihrem Leben berichten, dem Stadtteil, in dem sie lebe, etwa. In kräftige Farben des Scheinwerferlichtes getaucht, mal Glutrot mal gleißend Blau, stand die zierliche Portugiesin auf der Bühne in einem schwarzen Abendkleid und füllte mühelos den Raum mit ihrer Stimme. Bleitet wurde sie von zwei Musikern, einer spielte die klassische, der andere die portugiesische Gitarre, die guitarra portuguêsa.
Sehnsuchtsvolle Klänge bot der Fado-Abend, Sehnsucht nach erfüllter Liebe sicherlich ebenso, wie Sehnsucht nach den ersten, wärmenden Sonnenstrahlen, duftenden Blumen, einer salzigen Meeresbrise und langen Sandstränden. Wer träumte sich an diesem Abend nicht in einen Urlaub nach Portugal, die alten Gassen Lissabons, in das bunte, unverfälschte Leben im traditionelle Stadtteil „Alfama“, der Heimat Raquel Taveres, der Heimat des Fado.