Vortrag über Galileo Galilei

Mit dem Fernrohr in den Konflikt von Wissen und Glauben

GROSSBURGWEDEL (r/bs). Zu einem zweiteiligen Vortrag über den italienischen Gelehrten Galileo Galilei lädt die Seniorenbegegnungsstätte Burgwedel ein. Referieren wird Prof. Dr. Jürgen Fertig am Mittwoch, 8. November und am Mittwoch 15. November, jeweils in der Zeit von 15.00 bis 16.30 Uhr.
Der italienische Gelehrte Galileo Galilei (1564 – 1642) war einer der Wegbereiter der modernen Naturwissenschaften.
Schon um 1513 formulierte Kopernikus die Grundsätze seines heliozentrischen Weltbildes, nach dem die Sonne als das ruhende Zentrum gilt, um das sich die Planeten einschließlich der Erde bewegen. Sein endgültiges Werk „Über die Umläufe der Himmelskörper“ von 1543 blieb mehr als 70 Jahre von fast allen Anfeindungen unbehelligt.
Erst als Galileo Galilei 1609 die neue Technik – das Fernrohr – gegen den Himmel richtete, wendete sich das Blatt. Galilei war von sich und der kopernikanischen Idee überzeugt und stellte diese als die Wahrheit dar. Die Kirche forderte sichtbare Beweise für diese „Wahrheiten“; diese konnte Galilei damals nicht erbringen! Daneben erwartete Galilei von der Kirche auch eine Anpassung der Auslegung der Bibel als Wort Gottes an die Natur als dem Werk Gottes, um einen Widerspruch dieser beiden „Wahrheiten“ zu vermeiden.
In einem Edikt von 1616 verdeutlichte die katholische Kirche ihre Haltung zum kopernikanischen Weltbild. Es durfte nur als Hypothese dienen. Die Kirche meinte, die unbewiesene kopernikanische Lehre, welche die Erde als „bloßen“ Planeten am Himmel sieht, widerspricht der Philosophie, den Aussagen der Bibel, den Kirchenlehrern und damit dem Glauben.
Galilei schrieb 1632 den „Dialog über die beiden wichtigsten Weltsysteme“ mit einem „Beweis“ der Erddrehungen. Das Ergebnis entsprach aber als Ganzes nicht den Vorstellungen der Kirche. Galileo Galilei wurde 1633 wegen Ungehorsams und des „Verdachts der Häresie“ zu Hausarrest verurteilt und musste abschwören.
Historisch gesehen: Galilei konnte im 17. Jh. keine wissenschaftlichen Beweise für die Erdbewegungen liefern; die Kirche war nicht bereit, neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der Auslegung der Hl. Schrift zu berücksichtigen; Nachweise zur Eigenrotation der Erde und ihrer Bewegung um die Sonne gelangen erst im 19. Jh.!
Zur Person:
Prof. Dr. Jürgen Fertig aus Großburgwedel, vor seiner Pensionierung zuletzt als Professor für Geophysik an der TU Clausthal, befasst sich schon seit vielen Jahren mit historischen Persönlichkeiten und Themen aus Physik, Astronomie und Mathematik.
Die Vorträge sind kostenlos, eine Anmeldung im Büro der SBS, Gartenstraße 10, Großburgwedel, ist erforderlich.