Volkstrauertag: „Lasst Euch versöhnen mit Gott“

Neben der Gruppe der Marschierenden, die durchs Dorf kam, hatten sich noch weitere 16 Kleinburgwedeler am Mahnmal zur Gedenkfeier eingefunden. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Nachdenkliche Worte von Pastor Andreas Böger und Ortsbürgermeister Jürgen Schodder. „Der Kranz soll eine Mahnung sein, dass wir es verstanden haben“. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Gedenkfeier der Kleinburgwedeler am Ehrenmal

KLEINBURGWEDEL (hhs). In der Ortschaft Kleinburgwedel begehen die Kirchengemeinde, die Vereine und Verbände und die Bevölkerung seit vielen Jahren den Volkstrauertag nach dem gleichen Muster.
Im Haus der Kirche beginnt der Sonntagsgottesdienst um 10.00 Uhr. Die Vereine und Verbände, im wesentlichen Freiwillige Feuerwehr und Schützenverein, treffen sich gegen Ende des Gottesdienstes am Schützenkrug. Um 10.45 Uhr marschieren sie los und holen die Besucher des Gottesdienstes ab. Von dort geht es an der Feuerwehr vorbei, wo der Kranz für die Zeremonie auf die Marschierenden wartet, weiter bis zum Ehrenmal an der Einmündung Großburgwedeler Straße /Wallstraße.
Am Ehrenmal geht es für einen kurzen Moment etwas militärisch zu. Leise klingen ein paar Kommandos über den Rasen rund um das Denkmal. Die Gruppe der Ungeübten führt diese eher nach Gefühl denn in militärischer Präzision aus. Die Stimmung ist bedrückt.
Die Fahnenträger von Feuerwehr und Schützenverein treten vor das Mahnmal und senken auf Kommando ihre Vereinsfahnen ab. Unterdessen haben sich neben den Schützen- und Feuerwehruniformen einige Einwohnerinnen und Einwohner eingefunden, um der Gedenkfeier beizuwohnen. Es handelt sich um die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, die meisten haben ihren 75. Geburtstag hinter sich. Sie alle blicken auf das Mahnmal, das früher sicherlich ein Denkmal war.
Oben ziert ein mächtiges Eisernes Kreuz die massiv gearbeitete Pyramide. „Gold gab ich für Eisen“, war in den Befreiungskriegen Anfang des 19. Jahrhunderts der Slogan. Im Kampf um die Freiheit Deutschlands gegen die napoleonische Besetzung Deutschlands spendeten zum Beispiel Ehepaare ihre goldenen Trauringe für die Finanzierung des Freiheitskrieges und erhielten Eheringe aus Eisen.
Später, unter Bismarck, Kaiser Wilhelm II. und in der Naziherrschaft hatte das weniger mit dem militärischen Kriegsziel des Kampfes um die Freiheit zu tun, aus der allein der Frieden wachsen kann. Es degenerierte zum Symbol für den militärischen Erfolg.
Pastor Andreas Böger ergriff das Wort. Der Gottesdienst zum Volkstrauertag habe unter dem Motto gestanden „Sehnsucht nach der himmlischen Heimat“. Die deutsche Geschichte lehre, dass Mauern aus Beton leichter zu brechen sind als die der Ablehnung. Kriege breiten sich heute aus wie Epidemien. „Lasst Euch versöhnen mit Gott“, sprach Böger die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung“.
In Flandern habe am 16. November 1914 ein richtiges Dreckwetter geherrscht mit Regen und Schnee. Ebenso an der Weichsel, wo sich deutsche und russische Truppen bekämpften, begann Ortsbürgermeister Jürgen Schodder seine Ansprache. „Es war Krieg“, sagte er, „der erste wirklich globale Krieg. Alle Nationen waren damals schon nach nur wenigen Monaten in der Wirklichkeit des Grauens angekommen“.
Man wollte zeigen, dass man den anderen Nationen überlegen war. Auf deutscher Seite gab es drei Millionen Tote von zwölf Millionen Toten insgesamt. „Diese Zahlen sagen nichts aus über dumme Befehle, Grausamkeiten. Aber die Zahlen sind Mahnungen an die Kriege in Afghanistan, Syrien, Nigeria, an den Iran, Palästina und überall dort, wo geschossen und gemordet wird. Der Kranz, den wir hier jetzt niederlegen werden, soll eine Mahnung sein an alle, dass wir es verstanden haben“.
Dann legten Jürgen Schodder und Pastor Andreas Böger den Kranz vor dem Ehrenmal ab, dabei spielten der Feuerwehrmusikzug und der Spielmannszug des Schützenvereins Kleinburgwedel das Lied vom guten Kameraden. Auch ein Relikt aus den Befreiungskriegen, 1809 hatte Ludwig Uhland den Text gedichtet, Friedrich Silcher, der auch Lieder wie „Am Brunnen vor dem Tore“ und „Alle Jahre wieder“ geschrieben hatte, sorgte für die Melodie. Zuletzt erklang das Deutschlandlied.