Vier Tage bester Reitsport beim Turnier des Reit- und Fahrvereins Isernhagen

Hilmar Meyer gewann den Großen Preis von Isernhagen auf seinem Pferd Salto de Fee im Stechen nach furiosem Ritt in 34,73 Sekunden.
 
Die Norwegerin Therese Nilshagen gewann in der Dressur die Kür Intermediaire I auf ihrem Oldenburger Dante Weltino.
 
Lena Waldmann wird in diesem Jahr ihr Goldenes Reitabzeichen für zehn Siege in der S-Dressur erhalten. Die Reiterin, die ihre erste Ausbildung beim RuF Isernhagen erhielt, bekam zu Erinnerung an Isernhagener Zeiten eine wertvolle Kandare und geschliffene Gläser von Elke Gerns-Bätke.

Furioses Stechen im Großen Preis: Hilmar Meyer nach starkem Ritt strahlender Sieger

ISERNHAGEN H.B. (hhs). Das Reitturnier in Isernhagen hatte in diesem Jahr mit einem eher ungewöhnlichen Problem zu kämpfen: Die Hitzewelle kündigte sich mit der Eröffnung des Turniers am Donnerstag an. Es blieb zwar erträglich an den beiden ersten Tagen, am Samstag blieben die Veranstalter und die Sportlerinnen und Sportler weitgehend unter sich. Das Quecksilbersäule hielt sich am Nachmittag wie festgeklebt nur Millimeterbruchteile unter der 40 ° C-Grenze. Es hatte den Anschein, viele potentielle Besucher hätten sich beim Abbiegen auf den Landwehrdamm anstelle des Reitturnier für das kühl Bad im Wietzepark entschieden. Für Menschen war es eindeutig zu heiß. Aber wie ging es den vierbeinigen Spitzensportlern während des Turniers?

Hitze spielte bei den Pferden kaum eine Rolle

Die Pferde kamen erstaunlich gut mit der Hitze zurecht. Alle modernen Pferdetransporter verfügen über leistungsfähige Klimaanlagen, die auch im Hochsommer für erträgliche Temperaturen im Innern sorgen. Ebenso ist für die Tiere im Zeltstall gesorgt, in dem der Reit- und Fahrverein Isernhagen bis knapp 150 Pferde unterbringen kann. Es ist zwar warm darin, aber es herrschte keine Bullenhitze. Insofern gab es keinen Anlass, sich über die Betreuung von Mensch und Tier beim RuF Isernhagen zu beklagen.
„Alle Pferde, die hier vorgestellt werden, sind wie Leistungssportler trainiert und topfit hierher gekommen“, erläuterte es Elke Gerns-Bätke, die Vorsitzende des Reitvereins im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die hohen Temperaturen führen allerdings dazu, dass die Reiterinnen und Reiter es nun gut überlegen, ob sie alle Prüfungen, für die sie sich gemeldet hatten, auch reiten. Viele treten nun lieber etwas kürzer und schonen ihre Tiere und letztlich auch sich selbst“.
Dennoch: Es gab beim Großen Preis von Isernhagen eine Menge besten Reitsports zu bewundern. Das Turnier hat in den vergangenen Jahren in den beiden Bereichen Springsport und Dressur unterschiedliche Entwicklungen angestrebt. Im Springsport trifft sich in Isernhagen die nationale Elite der Springreiter. Man scheint auf dem besten Weg zu sein, auch den nächsten Schritt zu wagen. International bekannte Reiterinnen und Reiter aus Skandinavien, China und Japan nehmen schon teil, weitere werden in den kommenden Jahren hierher kommen. In der Dressur hatten sich die Veranstalter dazu entschlossen, dem Nachwuchs und dem gehobenen Breitensport ein Forum zu bieten. Ob die geringen Teilnehmerzahlen in einigen Prüfungen darin ihre Ursache habe oder in der Affenhitze, darüber kann man nur spekulieren.
Aber auch im Dressursport gab es Hochkarätiges: Die Dressurprüfung Klasse S** -Intermediaire I, hier zeigten die Norwegerin Therese Nilshagen vom RSC Osnabrücker Land, Lena Waldmann mit Tannenhof's Cassitano und Dissertation, die besten Leistungen. Auch die Kür am Sonntag hatte diesen Ausgang, den beiden Damen folgten Matthias Klatt und Magdalena Preisler auf den Rängen. An diesem letzten Dressurwettbewerb nahmen nur die genannten vier Reiter teil.

Auszeichnung für Lena Waldmann

Vor der Siegerehrung gab es noch eine ganz besondere Auszeichnung für Lena Waldmann, die den zweiten Platz errang. Die junge Frau stammt aus Isernhagen und hat im Reit- und Fahrverein ihre sportliche Ausbildung erhalten. Viele ihrer alten Freunde und Weggefährten aus Isernhagen hatten sich dazu auf dem Dressurviereck eingefunden. Elke Gerns-Bätke plauderte auf sehr herzliche Weise ein wenig aus dem Nähkästchen: Lena und ihre eigenen-Töchter hätten sich als Kinder angefreundet und Lena sei häufig im Hause Gerns-Bätke gewesen. “Wenn wir in den Stall gingen, hat Lena immer Pferde geputzt“, erinnerte sich die Vorsitzende. Die reiterliche Ausbildung habe sie im RuF Isernhagen erhalten und dort habe sie auch ihre ersten Erfolge mit Ponys gefeiert. Lena sei Musterschülerin gewesen, ein Talent im Bereich Dressur von Beginn an.
Sie ist inzwischen 24 Jahre alt und sie arbeite als Pferdewirtin beim RV Rosencarree in Beelitz. Im vergangenen Jahr gewann sie beim Großen Preis von Isernhagen ihr erstes S-Springen. Inzwischen hat sie insgesamt zehn Siege in der Klasse S erreicht. Sie erhält dafür das Goldene Reitabzeichen bei nächster Gelegenheit beim RV Rosencarree. Für diese Leistung gratulierten die Isernhagener. Als Geschenk gab es eine wertvolle Kandare und seinen Satz geschliffener Gläser. Lena Waldmann war sichtlich gerührt. Sie bedankte sich für die Geschenke und sagte, es sei ihr klar, dass sie ihre Erfolge nicht hätte erreichen können ohne die Ausbildung im RuF Isernhagen und die Freundschaft, die ihre dort entgegen gebracht worden sei. So reitet und redet man sich in die Herzen der Menschen.

Großer Sport beim Großen Preis

Der Höhepunkt des Turniers ist wie immer der Große Preis von Isernhagen um das Goldene Pferd von Isernhagen, ein Springen der Klasse S *** in Erinnerung an den 2008 verstorbenen Dietrich Schulze, sicherlich der größte Mäzen im deutschen Reitsport der vergangenen Jahrzehnte. 41 Pferde waren gemeldet, elf Reiterinnen und Reiter gingen mit zwei Pferden auf den Parcours.
Die Rahmenbedingungen waren einigermaßen erträglich, es war zwar schwül und bewölkt aber der Wind ging ein wenig. Ab und an fielen ein paar Regentropfen. 14 Paare qualifizierten sich für das Stechen und das waren Kalmar Meyer auf Salto de Fee und Bjerglunds Cuba, Mynou Diderichsmeyer auf Stalido und Pius 40, Lars Bak Andersen, auf Wicona 5, Meredith Michaels-Beerbaum auf Comanche, Gilbert Böckmann auf Check in 2, Friso Bormann auf Crazy Cato, Mikko Mäentausta auf For Success, Christian Glienewinkel mit Levistos Pleasure, Marco Kutscher Balermo, Hergen Forkert mit Elton John 9, Torban Frandsen mit Antares und Eva Bitter mit Perigueux.
Wer den Reitsport der vergangenen Jahre ein wenig im Blick gehabt hat, bemerkt zweierlei auf den ersten Blick: Es sind bewährte und erfolgreiche Reiterinnen und Reiter in diesem Stechen zu finden, und ein Paar junge aufstrebende, was aber die meisten eint, ist ihr Vermögen, auch einen schwierigen Parcours mit hohem Tempo anzugehen. Da war einiges zu erwarten. Den ersten Null-Fehler Ritt lieferte Mynou Diderichsmeyer mit Pius 40 in 43,13 Sekunden ab. Das war schon ein furioser Ritt, aber es sollte noch viel besser kommen: Meredith Michaels-Beerbaum übernahm dann die Führung mit 42,89. Doch auch diese Zeit hatte keinen Bestand, Lars Bak Andersen unterbot sie fünf hundertstel Sekunden. Und dann kam Eve Bitter, die Vorjahressiegerin auf ihrem Pferd Perigueux. Ein furioser fehlerloser Ritt in sagenhaften 36,24 Sekunden. Besser geht’s nicht, dachten viele, aber dann kam Hilmar Meyer auf Salto de Fee. Bei diesem Paar stimmte einfach alles: neue Bestzeit von 34,73 Sekunden. Letzte Reiterin war Mynou Diderichsmeyer auf Stalido. Sie konnte die 34,73 Sekunden von Hilmar Meyer nicht unterbieten, verdrängte aber Eva Bitter mit 36,12 noch vom zweiten Platz.